Flavourama-Gründerinnen im Sonntags-Talk: “Salzburg ist Österreichs Streetdance-Hochburg”

Die Salzburgerinnen veranstalten mit Flavourama Österreichs größte Streetdance-Battle.
Die Salzburgerinnen veranstalten mit Flavourama Österreichs größte Streetdance-Battle. - © SALZBURG24
Im zarten Alter von gerade einmal 18 Jahren haben Olivia Mitterhuemer, Farah Deen und Tanja Hangler damit angefangen, mit Flavourama die Hip-Hop-Tanzkultur in Salzburg groß zu machen. Seitdem ist einige Zeit vergangen, nächstes Jahr feiern die Flavourama-Gründer ihr zehnjähriges Bestehen. Wir haben uns mit Farah und Olivia zum Sonntags-Talk getroffen und nachgefragt, wie sie zu Österreichs größter Tanzveranstaltung im Hip-Hop-Bereich werden konnten.




Die drei Tänzerinnen haben nach einigen Ausflügen zu Streetdance-Veranstaltungen im Jahr 2009 kurzerhand beschlossen, in Salzburg ihr eigenes Event zu veranstalten. Noch ohne Erfahrung, aber mit jeder Menge Motivation legten sie damals den Grundstein für Österreichs größtes Hip-Hop-Battle. Schnell knüpften sie Kontakte zu Politik und Förderinitiativen, heute unterrichten Farah, Olivia und Elena, die im Jahr 2013 ihre Vorgängerin Tanja ersetzte, urbanen Tanz in Kurs und geben Workshops an Schulen. Wir haben Olivia und Farah zum Interview getroffen.

SALZBURG24: In wenigen Begriffen, wofür steht Flavourama?

FARAH: Lass mich überlegen, für Multikulturalität, Underground, Streetdance, und auf jeden Fall Community. Das fällt den meisten Leuten auf, die bei unseren Veranstaltungen vorbeikommen und nichts mit Tanz an sich am Hut haben. Wir hören da oft, dass ein starker Zusammenhalt und gewisser Vibe oder Magie herrscht. Man merkt eben einfach, dass es egal ist, woher du kommst, wie du aussiehst oder welche Religion du hast. Hauptsache man hat Spaß an der Sache.

OLIVIA: Ich denke, dass ist auch so ein bisschen unser Erfolgsrezept. Wir halten das Battle immer sehr familiär. Bei vielen anderen Battles geht es wirklich nur darum, zu gewinnen und das Preisgeld abzustauben. Bei uns gibt es kein so hohes Preisgeld, wir schauen eher darauf, dass jeder Spaß hat und lockern die Veranstaltung zusätzlich durch ein Rahmenprogramm und Partys auf. Das macht den guten Vibe aus.

Was ist eure grundlegende Motivation dahinter, Flavourama zu veranstalten?

FARAH: Wir sind selbst Tänzerinnen und haben ursprünglich diese Events mit unserer Tanz-Crew “Potpourri” gegründet. Früher sind wir immer wieder nach München, Düsseldorf oder sonst wohin zu großen Events gefahren. In Österreich gab es so etwas eben nicht, und das wollten wir nicht einfach so hinnehmen. Wir haben dann angefangen, Flavourama im Lehrbauhof zu veranstalten. Heute findet das Event im Republic statt und ist in Europa das einzige Dance-Battle, das nicht in einer Hauptstadt ausgerichtet wird.

OLIVIA: Mit Flavourama wollten wir einfach mal die Szene nach Salzburg bringen, auch wenn es nur ein Mal im Jahr ist. Aber so können die Leute sehen, sowohl unsere Tanzschüler, als auch Tänzer aus anderen Bundesländern, dass solche Events möglich sind und vor allem jede Menge Spaß machen. Wir wollten auch zeigen, dass es ein “serious business” ist. Die meisten kennen diese Battles ja nur von “Step up” und anderen Hollywood-Tanzfilmen, und das ist natürlich nicht die Realität.

Welche Stile und Einflüsse findet man im Streetdance?

FARAH: Generell ist Hip-Hop ein Begriff, der für sehr viele verschiedene Dinge verwendet wird. Grundsätzlich ist es aber eine Kultur. Diese wiederum kann in vier Elemente unterschieden werden: Rap, Graffiti, Breakdance und Deejaying. Breakdance ist hier der ursprünglichste Tanz in der Hip-Hop-Kultur. Dann gibt es noch Streetdance (oder auch Hip-Hop, Urban-Dance oder Stand-up-Dance – gemeint ist aber immer eine Tanzform, die im Stehen stattfindet und weniger akrobatisch ist, Anm.). Der urbane Tanz wiederum lässt sich weiter unterteilen und findet seinen Ursprung bei Aretha Franklin und James Brown.

Wir bleiben mal bei dem Begriff “Streetdance”. Wie schätzt ihr die Szene in Österreich ein?

OLIVIA: In Österreich gibt es seit drei oder vier Jahren kleinere Battles. Ein größeres findet jedes Jahr in Innsbruck statt. Grundsätzlich gibt es in allen Bundesländern Veranstaltungen, Salzburg hat sich allerdings zur Hochburg im Streetdance entwickelt, das glaubt man auf den ersten Blick auch nicht (lacht).

FARAH: In Wien gibt es natürlich auch zahlreiche Gruppierungen, die haben sich aber noch nicht entsprechend organisiert. Es ist ein bisschen verrückt, denn teilweise wissen die Wiener gar nicht, dass es Flavourama gibt und wie groß es ist. Das will ich nun in Angriff nehmen, ich ziehe demnächst dort hin und will versuchen, die Szene aufbauen. Wien ist in Bezug auf die Choreographie- und Werbe-Szene sehr groß, der Fokus liegt dort also eher auf dem Tanzen von Choreographien und weniger auf dem Underground- und Freestyle-Bereich.

Handelt es sich beim Hip-Hop um eine männerdominierte Szene? Wie war das für euch, sich hier durchzusetzen?

FARAH: Im Hip-Hop beobachten wir immer noch, dass im Hobby-Bereich sehr viele Frauen vertreten sind. Sobald es aber hin zur Professionalität geht, wird die Männerdomäne wieder viel stärker. Und sie sind eben auch einfach sehr gut, das muss man schon so sagen. Was auch immer der Grund dafür ist, wir achten darauf, dass trotzdem Mädels eingeladen werden. Auch im Nachwuchs versuchen wir, die Mädchen zu motivieren.

Es war eigentlich überhaupt nicht schwierig, sich hier durchzusetzen. Ich glaube, es hat uns sogar geholfen, wir waren damals drei 18-jährige Mädels, die einfach große Juroren eingeladen und ein Streetdance-Event veranstaltet haben.

OLIVIA: Es gibt ja auch genug Vorteile, so ist es ja nicht. Es gibt Initiativen, die sich vorwiegend um Projekte von Frauen kümmern und diese fördern. Es ist eben oftmals etwas Besonderes, wenn so etwas drei Mädels seit fast zehn Jahren organisieren. Auch in der Szene wird das gut angenommen, da eben die Organisatoren oftmals Männer sind.

Wie sieht es in Bezug auf den Nachwuchs aus?

FARAH: Wir haben einen Verein, der heißt wie unsere Crew “Potpourri”. Wir beide unterrichten in Zuge dessen urbanen Tanz und kümmern uns um die Nachwuchsförderung. Sonst veranstalten wir viele Workshops, hier werden wir zum Beispiel häufig von Schulen eingeladen. Außerdem machen wir gemeinsame Projekte mit den Salzburger Festspielen. Dabei wird Oper mit Hip-Hop kombiniert, um den Schülern beide Kunstformen näher bringen. Es ist schön zu sehen, dass die Jungen Spaß an der Sache haben und motiviert an die Arbeit gehen.

Außerdem kann man derzeit feststellen, dass sich die Hip-Hop-Szene in Richtung Theater entwickelt. Zuerst war hier “Hip Hop goes Theatre“, hier hat Salzburg mal wieder eine Vorreiterrolle eingenommen.

OLIVA: Derzeit werden Hip-Hop-Stücke auch im Salzburger Landestheater aufgeführt. Das ist eine Bewegung, die sich schon seit einigen Jahren beobachten lässt. Für uns ist das wirklich cool, weil so Hip-Hop-Tänzer noch mehr Plattformen bekommen.

Sucht ihr bei euren Veranstaltungen Synergien mit Musikern und anderen Künstlern?

OLIVIA: Wir haben bei unseren Veranstaltungen immer zwei Moderatoren dabei, die sind auch MCs und bauen Rap in ihre Moderation mit ein. Das wirkt auf das Publikum natürlich animierend. Vor zwei Jahren hatten wir außerdem eine “Four Elements Show”, dabei haben Künstler die vier Elemente in einem Tanz inklusive Deejaying, Rap und Graffiti dargestellt.

DJs haben wir ohnehin immer vor Ort, ohne DJ gibt’s kein Battle. Auch bei den Partys versuchen wir immer, ein abwechslungsreiches Line-Up zu bieten.

FARAH: Graffiti hatten wir im ersten Jahr mit dabei, als die Veranstaltung noch im Lehrbauhof stattfand. Da haben wir mit Graffitis die Wände dekoriert, das ist im Republic aber nun leider nicht mehr möglich.  

Wo wollt ihr mit euren Vorstellungen noch hin?

FARAH: Es gibt da einen Event in Paris, der nennt sich “Juste Debout“, das ist das größte Standup-Battle weltweit, in einem Stadion mit 30.000 Leuten. Das ist unser Vorbild-Event, kann man sagen.

OLIVIA: Uns geht es aber nicht nur darum, größer zu werden. Wir wollen jetzt nicht unbedingt mehr Teilnehmer oder Besucher. In eine Stadt wie Salzburg jedes Jahr 1.000 Leute zu bringen ist schon nicht so schlecht. Wir wollen aber international für mehr Aufsehen sorgen und die Leute dazu bringen, Flavourama als jährlichen Fixtermin zu sehen. “Juste Debout” ist eben ein solcher Fixtermin.

Uns wäre es wichtig, auch die US-amerikanische oder japanische Szene dazu bringen, bei Flavourama dabei zu sein. Da gibt es noch sehr viel zu entdecken. Es gibt also jeden Fall noch Entwicklungspotential.

Wollt ihr noch etwas loswerden?

OLIVIA: Die Salzburger sollen bei unserem nächsten Flavourama-Battle im Oktober vorbeikommen, auch wenn sie an sich nichts mit Tanz am Hut haben. Man muss echt keinen Plan von Hip-Hop haben oder irgendwie in Verbindung dazu stehen, um Spaß zu haben.

Farah: Man muss auch nicht selbst mittanzen!

Wir sagen Danke für das nette Gespräch!

 

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an: nicole.schuchter@salzburg24.at.

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