Fotograf David Hamilton gestorben

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Hamilton in den 60er und 70er Jahren durch Nacktaufnahmen berühmt
Hamilton in den 60er und 70er Jahren durch Nacktaufnahmen berühmt - © APA (Archiv/dpa)
Der britische Fotograf David Hamilton ist tot in seiner Pariser Wohnung aufgefunden worden. Offenbar starb der 83-Jährige am Freitagabend nach der Einnahme von Medikamenten an Herzversagen. Hamilton war in den 60er und 70er Jahren durch Nacktaufnahmen von jungen Mädchen berühmt geworden. Einige seiner früheren Kindermodels warfen ihm nun sexuellen Missbrauch und Vergewaltigung vor.

Nach Angaben eines Vertreters der Rettungsdienste wurde die Feuerwehr kurz nach 20.30 Uhr zu Hamiltons Wohnung gerufen, wo der Fotograf einen Herz-Kreislaufstillstand erlitten hatte. Eine Stunde später wurde er demnach für tot erklärt, in der Nähe seiner Leiche wurden Medikamente entdeckt. Medien sprachen von einem Selbstmord.

Hamilton wurde vor allem mit seinen mit Weichzeichner bearbeiteten Nacktaufnahmen von jungen Mädchen berühmt, zu seinen bekanntesten Werken zählt aber auch der Erotik-Film “Bilitis” aus dem Jahr 1977. Seine Fotobücher wurden millionenfach gekauft. Um die Jahrtausendwende wandelte sich jedoch die Einstellung zur Darstellung der nackten Körper ganz junger Mädchen, und seine Aufnahmen sorgten für Kontroversen. Einige bezeichneten sie nun als verstörend.

“Meine Arbeit hat nichts mit der Vulgarität unserer derzeitigen Epoche zu tun”, verteidigte sich der Brite noch im Jahr 2015 in einem Interview mit dem Promimagazin “Gala”. Um Hamilton wurde es still.

Erst in den letzten Wochen tauchte sein Name wieder in den Medien auf. Einige seiner damaligen Models erhoben schwere Anschuldigungen gegen ihn: Demnach soll er sich an ihnen vergangen haben, als sie noch minderjährig waren. Auslöser der jüngsten Kontroverse war ein Buch der französischen Fernsehmoderatorin Flavie Flament, in dem sie – ohne Namensnennung – schildert, wie sie als 13-Jährige am Rande eines Foto-Shootings von einem international bekannten Fotografen vergewaltigt wurde.

Nachdem daraufhin drei weitere ehemalige Models ähnliche Vorwürfe erhoben, bestätigte die inzwischen 42-Jährige Mitte November, dass es sich um Hamilton gehandelt habe. Wegen Ablauf der Verjährungsfrist bei derartigen Vergehen habe sie seinen Namen nicht genannt, weil sie eine Verleumdungsklage befürchtet habe, sagte sie.

Hamilton bestritt die Vorwürfe. “Ich habe nichts Ungehöriges getan. Ich habe gar nichts getan”, sagte er am vergangenen Dienstag. Er warf den Medien vor, die Vorwürfe “als Wahrheit” zu behandeln und kündigte an, die “für die Diffamierungen Verantwortlichen” zu verklagen.

Flament hat nach Angaben der Herausgeberin ihres Buches, Karina Hocine, die Nachricht von Hamiltons Tod schwer getroffen. “Man sagte uns, es sei ein Suizid gewesen”, sagte Hocine. “Natürlich sind wir hin- und hergerissen zwischen Entsetzen” und “Empörung, weil er der Justiz keine Zeit ließ, ihre Arbeit zu tun”. Nach ihren Angaben waren die Taten im Falle Flaments zwar verjährt, bei anderen Opfern jedoch noch nicht.

Nach dem französischen Gesetz beträgt die Verjährungsfrist bei minderjährigen Vergewaltigungsopfern 20 Jahre nach Erreichen der Volljährigkeit. Die Vorwürfe gegen Hamilton lösten in Frankreich eine Debatte über die Verjährungsfristen aus. Die Regierung will sie nun verlängern. Am Dienstag teilte die Ministerin für Frauenrechte, Laurence Rossignol, mit, dass sie Flavie Flament beauftragt hat, sich gemeinsam mit einem Strafrechtsexperten mit dieser Frage zu befassen.

(APA/dpa/ag.)

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