“Fräulein Grün” Karina Reichl im Sonntags-Talk über die vergessenen Superkräfte von Löwenzahn und Co

Karina Reichl ist als "Fräulein Grün" im Netz unterwegs.
Karina Reichl ist als "Fräulein Grün" im Netz unterwegs. - © SALZBURG24/Karina Reichl
Die Salzburgerin Karina Reichl (38) lässt seit etwa einem Jahr mit ihrem Blog “Fräulein Grün” das Wissen über die heimische Pflanzenwelt rund um Gänseblümchen und Löwenzahn wieder aufleben. Im Sonntags-Talk spricht die Bloggerin über den aktuellen Trend zum grünen Lifestyle und erklärt, warum das Wissen über die heimischen Kräuter in Vergessenheit geraten konnte. 




SALZBURG24: Du beschäftigst dich auf deinem Blog “Fräulein Grün” mit der heimischen Pflanzenwelt und was man daraus Leckeres und auch Heilendes herstellen kann. Siehst du derzeit einen Trend in diese Richtung?

KARINA REICHL: Dieser Trend ist definitiv da und das freut mich sehr! Egal ob Ernährung, Kosmetik oder Medizin: Immer mehr Leute wollen wissen, woher etwas kommt und was drinnen steckt. Diese Rückbesinnung zur Natur geht zwar neue, moderne Wege, sie schlägt aber eine Brücke zwischen altem Wissen und neuem Lifestyle.

Mich verwundert es immer wieder, wie wenig die meisten von uns über das vermeintliche “Unkraut” im eigenen Garten wissen und wie viel von dieser alten Tradition in Vergessenheit geraten ist. Meine Oma hat mir das aber einmal wunderbar erklärt, als ich sie gefragt habe, warum ihre Generation dies oft nicht weitergegeben habe. Das war ganz klar, meinte sie. Während des Krieges musste jeder selbst schauen, wie er sich am Leben erhalten und auch Wunden versorgen konnte. Eine selbstgemachte Pechsalbe war früher gang und gäbe, heute kennt sie kaum jemand mehr. Denn als der Aufschwung kam, war plötzlich alles im Supermarkt erhältlich, für jedes Wehwehchen hatte die Apotheke ein Mittel bereit. Auch Plastik war plötzlich super. Die Welt wurde immer praktischer, man musste nicht mehr selbst herummurksen, sondern konnte alles andernorts schnell und einfach kaufen.

Nur jetzt holt uns der Stress unseres Alltags ein. Der Job rückt in den Vordergrund, es bleibt immer weniger Zeit, sich zurück zu besinnen. Das wird gerade irgendwie zu viel. Man merkt, dass die Leute endlich wieder durchschnaufen wollen, wie sie nach Möglichkeiten suchen, sich zu erden und Stress los zu lassen. Hier kommt die Natur ins Spiel.

In einem Zeitungsbericht wirst du “moderne Kräuterhexe” genannt – woher kommt denn dein Interesse an Kräutern und Naturheilkunde?

Das Thema Pflanzen hat mich immer schon interessiert. Ich habe bereits als Kind gern im Garten herumgegraben und meine Mama “belästigt”, dass ich selbst gerne Gemüsebeete und Beerensträucher hätte. Aber das ging leider nicht. Dafür habe ich mich dann in meiner ersten Garconniere richtig ausgetobt. Da war alles voller Pflanzen, gerade dass man noch durchgehen konnte (schmunzelt). Aber der richtig krasse Bruch kam bei mir rund um meinen 30. Geburtstag, wenn man das rastlose Partyleben schön langsam hinter sich lässt und versucht sich zu erden. Vor allem die Medienbranche, in der ich früher tätig war, ist immer stressig, man muss immer auf dem Punkt sein und darf keine Trends verpassen. Mir hat mit der Zeit einfach der Ausgleich dazu gefehlt, ich wurde innerlich etwas unruhig. Spaziergänge in der Natur haben mir da immer geholfen, mir bei Problemen Lösungen näher gebracht. Eine Kräuterwanderung vor etwa fünf Jahren hat mich dann endgültig auf diesen Weg geleitet.

Danach wusste ich: Das ist, was ich machen möchte! In dieser Sekunde wurde mir klar, das und nichts anderes. Für mich ist es einfach ein Wahnsinn, was alles vor unserer Haustüre wächst und welche positiven Wirkungen diese Pflanzen auf uns haben können.

Du hast dich dann in Unken in der Traditionellen Europäischen Heilkunst ausbilden lassen. Was macht die TEH für dich so besonders?

Was mir daran besonders wichtig war und ist, ist die Regionalität. Bei der TCM (Traditionell Chinesische Medizin, Anm.) habe ich mich immer gewundert, warum viele Leute lieber Kräuter aus Asien verwenden, als Sachen, die bei uns zuhause wachsen. Aber das liegt eigentlich auf der Hand: Die haben seit über 2.000 Jahren ein besseres Marketing.

Bei uns wurden die sogenannten Hexen, die über Naturheilkunde Bescheid wussten, über lange Zeit gejagt, verbannt und auch verbrannt. In unseren Breiten ist dieses alte Wissen auch deshalb nur sehr spärlich weitertransportiert worden. Du kannst etwa asiatischen Ginseng und die heimische Löwenzahnwurzel hernehmen – sie haben eine ähnliche Wirkung, aber eines ist populär, das andere nicht. 

Kannst du den SALZBURG24-Usern ein regionales Wundermittel aus der heimischen Kräuterwelt empfehlen?

Sehr gern, denn das ist meine Intention. Ich möchte Leute animieren, dass sie Pflanzen, die sie kennen, auch verwenden. Die Heilpflanze des Jahres 2017 ist zum Beispiel das Gänseblümchen. Für viele ist es einfach ein liebes Blümchen, sie wissen aber nicht, was alles in der kleinen Pflanze steckt. So trägt sie Bitterstoffe, Saponine und Gerbstoffe in sich. Pflanzen sind sehr vielfältig, sie vereinen immer mehrere Wirkstoffe. Man muss nur wissen, wie man die gewünschten Stoffe für die verschiedenen Anwendungen extrahieren kann.

Das einfachste ist beim Gänseblümchen, es frisch zu essen – das heißt, es in einen Salat zu geben oder auf ein Brot zu legen. Das putzt den Organismus so richtig von innen, es reinigt, gibt Schwung und Energie. Dafür sind die Saponine verantwortlich. Das Gänseblümchen löst aber auch festsitzenden Schleim und lindert Husten, wenn man einen Tee daraus macht. Das ist auch für Kinder super verträglich.

Wie bereitet man diesen Tee zu?

Dazu muss man eine Handvoll Blütenköpfe in einer Tasse mit einem Viertelliter kochendem Wasser übergießen und zehn Minuten ziehen lassen. Wichtig dabei ist, einen Deckel draufzugeben. Es steigen nämlich ätherische Öle auf und die wollen wir natürlich im Tee haben und nicht verdunsten lassen. Drei Mal am Tag getrunken, löst dies festsitzenden Schleim und hilft so sehr gut bei Husten und Erkältungen.

Weiters ist für mich der Löwenzahn ein Wahnsinnsgewächs, weil es eine reine Bitterpflanze ist. Wir haben mittlerweile leider verlernt, bitter zu essen. Daher rühren sehr viele Darmleiden in unserer Gesellschaft. Denn Bitterstoffe sind besonders wichtig für unseren Organismus. Sie bringen den Stoffwechsel in Schwung. Weiters wirkt sich der Löwenzahn positiv auf Leber, Galle und Niere aus. Er enthält auch Vitamin A, Vitamin E, Calzium, Eisen und Magnesium. 

Und auch wenn viele skeptisch sind, der Löwenzahn ist von der Blüte, über die Blätter und Stängel bis hin zur Wurzel verwendbar.

Für deinen Löwenzahnhonig wurdest du sogar beim Garden & Home Blog Award in Berlin ausgezeichnet. Wie kam es dazu?

Die Organisatoren sind auf mich zugekommen. Nach kurzer Überlegung dachte ich: Warum nicht? Ich habe aber nie geglaubt, dass ich gewinnen könnte. Mein Blog ist erst seit rund einem Jahr online. Doch mein Honig hat wohl überzeugt. Ich freue mich wirklich sehr über diese renommierte Auszeichnung.

Du schreibst auf deiner Homepage: “Die Natur beginnt direkt vor der Haustüre und jeder kann das nutzen!” Gibt es auch in der Stadt Salzburg ein paar besondere Kräuterplätzchen?

Wir sind in Salzburg, besonders auch in der Stadt, gesegnet, was die Pflanzenvielfalt angeht. Wenn du Augen offen hältst, findest du an jeder Ecke ein paar grüne Flecken. Gerade die Josefiau, aber auch Aigen mit seinen Wäldern und Wiesen bieten sehr vieles an. Auf jeder kleinen Fläche, etwas abseits von Autos und Hunden, findet man von Spitzwegerich, über Klee, Gänseblümchen und Löwenzahn wunderbare Heilkräuter. Ich rate aber immer dazu, nur Pflanzen zu verwenden, die man auch zu 100 Prozent erkennt. Stichwort: Bärlauch. Denn Gifte gibt es überall, auch in unseren Wiesen.

Und noch ein Tipp für Anfänger: Man sollte sich pro Jahr drei Pflanzen vornehmen und diese über die Jahreszeiten begleiten und immer mehr über sie in Erfahrung bringen. Nach wenigen Jahren hat man sich so ein breites Repertoire angeeignet und ist für alle Fälle gerüstet.

Hast du denn auch abseits der Stadt Salzburg einen Lieblingsplatz?

Der Hintersee! Das ist für mich ein absoluter Ruhepol, den liebe ich sehr.

Zum Abschluss haben wir noch ein paar Entweder-Oder-Fragen parat.

Kaffee oder Tee? Da sollte ich eigentlich Tee sagen, aber es ist einfach der Kaffee zum Munterwerden.

Fleisch oder Veggie? Fleisch

Süß oder Sauer? Sauer

Auto oder Fahrrad? An viele Orte komme ich mit meinem Hund leider nur mit dem Auto, aber wenn ich mich entscheiden müsste, dann lieber das Fahrrad.

Hund oder Katze? Definitiv Hund!

Handgeschrieben oder getippt? Handgeschrieben. Ich habe immer schon alles mit der Hand geschrieben, auch meine Ideen sammle ich handschriftlich in einem Büchlein.

Strand oder Berge? Das eine schließt das andere für mich nicht aus. Ich liebe beides!

 

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an: nicole.schuchter@salzburg24.at.

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