Frankreich greift nach dem zweiten Stern

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Frankreich hat Grund zum Feiern
Frankreich hat Grund zum Feiern - © APA (AFP)
Frankreich hat eine Welle der Euphorie erreicht. Zehntausende feierten am Dienstagabend auf der Pariser Prachtstraße Champs Elysees oder am Eiffelturm den Finaleinzug der “Equipe Tricolore” bei der Fußball-WM in Russland. Nach dem 1:0-Sieg in Halbfinale von St. Petersburg gegen Belgien hat die Mannschaft im Finale am Sonntag (17.00 Uhr MESZ) den zweiten Titel im Visier.

20 Jahre nach dem Triumph bei der Heim-WM 1998 fehlt nur noch ein Sieg für den zweiten Stern auf den blauen Trikots. “Das wichtige Spiel kommt erst am Sonntag”, mahnte Didier Deschamps nach dem Halbfinal-Erfolg, den Verteidiger Samuel Umtiti per Kopf (51.) sicherstellte. Frankreichs Teamchef erinnerte an die bitteren Erfahrungen vor zwei Jahren, als die Franzosen bei der Heim-EM im Finale Portugal unterlegen waren. “Die Schmerzen von vor zwei Jahren haben wir noch nicht vergessen. Deshalb müssen wir alles dafür tun, dass es diesmal anders ausgeht”, sagte Deschamps.

Zurückhaltend äußerte sich auch der Kapitän. “Ins WM-Finale einzuziehen, darf man einmal genießen. Aber man darf nicht anfangen zu träumen, sondern muss weiter hart arbeiten, damit die Träume auch wahr werden”, betonte Torhüter Hugo Lloris. “Das alles hier ist ein Lebenstraum. Nicht in meinen wildesten Träumen, und ich bin ein großer Träumer, hätte ich mir das vorgestellt”, meinte Kylian Mbappe. “Wir haben noch einen Schritt vor uns. Wir spüren, dass das ganze Land hinter uns steht”, sagte der Jungstar.

Die französischen Zeitungen stimmten in die Freude ein: “Mit dem Kopf in den Sternen”, titelte das Sportblatt “L’Equipe”. “Le Parisien” sah die Franzosen “an den Toren des Paradieses”, die konservative Zeitung “Le Figaro” schrieb: “Der Traum in Blau geht weiter.” Davon ist auch Staatspräsident Emmanuel Macron überzeugt, der am Dienstag vor Ort war und am Sonntag wieder anreisen wird. “Er hat gesagt, dass er zum Finale wieder kommt, um uns mit dem Pokal zu sehen”, erzählte Mbappe von den Glückwünschen des Präsidenten nach dem Spiel.

Egal ob England oder Kroatien der Gegner ist, Frankreich wird als Favorit in das Endspiel gehen. Dennoch ist Vorsicht geboten. Zwar stellen die Franzosen eine gute Mischung aus Technik, Taktik und Defensivkraft, Zauber-Fußball bieten sie aber nicht. Belgiens Torhüter Thibaut Courtois echauffierte sich gar über “Anti-Fußball” der Franzosen und lästerte: “Ich wäre lieber gegen Brasilien rausgeflogen. Die wollten wenigstens Fußball spielen.” Siegestorschütze Umtiti war dagegen stolz auf die kämpferische Leistung: “Da standen elf Terrier auf dem Platz.”

Der Sieg kann aber auch als taktische Meisterleistung von Deschamps gewertet werden. Dieser hatte die Belgier genauestens analysiert und ihrer Stärken beraubt. “Der Trainer verdient großen Respekt”, sagte Lloris. “Er hat uns schon gegen Argentinien und Uruguay den besten Plan mit auf den Weg gegeben.”

Und so kann der 49-Jährige mit einem Sieg am Sonntag in einen elitären Kreis einziehen. Deschamps, Kapitän der Weltmeister-Mannschaft von 1998, wäre erst der dritte Akteur, der als Spieler und Trainer den WM-Titel holt. Bisher ist das nur dem Brasilianer Mario Zagallo (1958 und 1962 als Spieler, 1970 als Trainer) und dem Deutschen Franz Beckenbauer (1974 als Spieler, 1990 als Trainer) gelungen. Über die Geschichte will Deschamps aber nicht so gerne sprechen. “Man muss mit der Zeit gehen. Meine Spieler waren (1998) vielleicht noch nicht geboren, aber sie haben Fotos gesehen. Ich will mit ihnen eine neue Seite der Geschichte schreiben, eine schöne Seite”, erklärte er.

(APA/Ag./dpa)

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