Russland sieht Durchbruch im Kampf um Aleppo

Akt.:
Aleppo: Syrische Armee auf dem Vormarsch
Aleppo: Syrische Armee auf dem Vormarsch - © APA (AFP)
Im Ostteil der syrischen Stadt Aleppo zeichnet sich eine Entscheidungsschlacht ab. Nach russischen Angaben hat die syrische Armee fast die Hälfte des bisher von Rebellen und Extremisten beherrschten Stadtteils zurückerobert. In den vergangenen 24 Stunden sei ihr ein Durchbruch in dem Kampf gelungen, erklärte das Verteidigungsministerium in Moskau. Tausende Menschen sind auf der Flucht.

Die Kämpfe hielten nach Angaben der Rebellen auch am Dienstag unvermindert an. In der Nacht gab es neue Luftangriffe, bei denen nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens 18 Menschen getötet wurden.

Für die Zivilbevölkerung bedeutet die Schlacht immenses Leid. Wo es möglich ist, versuchen die Menschen, den Kämpfen zu entfliehen. Nach UNO-Angaben wurden bereits bis zu 16.000 vertrieben. In Ost-Aleppo gebe es keine funktionierenden Krankenhäuser mehr, sagte der UNO-Koordinator für humanitäre Hilfe, Stephen O’Brien. Die Reserven an Nahrungsmitteln seien weitgehend aufgebraucht.

Zudem droht der nahende Winter die Not hunderttausender Kinder weiter zu verschärfen. “Wir brauchen eine sofortige Waffenruhe und uneingeschränkten, sicheren Zugang für die Helfer, um Trinkwasser, Medikamente und Essen zu den Menschen in Not zu bringen”, sagte der Geschäftsführer des Deutschen UNICEF-Komitees, Christian Schneider.

“Der Winter steht vor der Tür, die Lage wird sich noch weiter verschlechtern.” Dem UN-Kinderhilfswerk zufolge leben derzeit eine halbe Million Kinder unter ständigem Beschuss oder unter schwierigen humanitären Bedingungen. Das wenige Essen, dass es noch gebe, sei für die Familien nicht mehr bezahlbar.

Trotz großer Gebietsgewinne der Regierungstruppen in der nordsyrischen Großstadt wollen die Rebellen nicht aufgeben. “Der Kampf geht weiter”, sagte Usama Abu Seid, Berater der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA), am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Der Vormarsch des Regimes sei das Ergebnis von “massivem militärischem Druck” gegen Rebellen, die nur leichte Waffen besäßen. “Das bedeutet nicht, dass die Schlacht zu Ende ist.” Abu Seid warf dem Westen vor, die belagerten Rebellen in Aleppo im Stich gelassen zu haben. Stattdessen unterstützte er die Kurdenmiliz YPG und damit auch das Regime, da beide in Aleppo gemeinsame Sache machten.

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier warnte die syrische und russische Regierung vor der Annahme, mit der Einnahme Aleppos einen entscheidenden Sieg zu erringen. “Dieser Konflikt wird nicht zu Ende gehen – unabhängig davon was gegenwärtig in Ost-Aleppo militärisch passiert”, sagte er in Berlin. Steinmeier verwies darauf, dass viele regionale Akteure “in diesen Konflikt investiert” hätten. In dem 2011 ausgebrochenen Bürgerkrieg verfolgen die Türkei, der Iran, Saudi-Arabien, die USA und Westeuropa sowie Russland unterschiedliche Interessen und unterstützen verschiedene Gruppen.

Frankreichs Außenminister Jean-Marc Ayrault forderte unterdessen wegen der Lage in Aleppo eine Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrates. “Mehr als jemals zuvor müssen wir dringend Maßnahmen ergreifen, um die Feindseligkeiten zu beenden und humanitäre Hilfe ungehindert durchzulassen”, erklärte Ayrault.

(APA/ag.)

Leserreporter
Feedback


0Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann.

noch 1000 Zeichen