Macron steigt in Rennen um französische Präsidentschaft ein

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Macron ist für viele ein Hoffnungsträger
Macron ist für viele ein Hoffnungsträger - © APA (AFP)
Nach fast einem Jahr voller Andeutungen und vager Aussagen ist es schließlich doch schneller gegangen als gedacht: Der parteilose Polit-Jungstar und frühere Wirtschaftsminister Emmanuel Macron hat am Mittwoch in der Pariser Vorstadt Bobigny sein Antreten bei der französischen Präsidentenwahl im Frühjahr 2017 angekündigt.

Eigentlich war diese erst für Jahresende erwartet worden, nachdem Macron bereits im August aus der Regierung von Noch-Staatschef Francois Hollande ausgeschieden war. Zu stark hatten die Spannungen zwischen ihm und seinem sozialistischen Mentor Hollande zugenommen, nachdem Macron im April seine Bewegung “En Marche!” (Vorwärts) gegründet hatte und dessen Ambitionen um das Präsidentenamt immer deutlicher wurden.

“Mein Ziel ist es nicht, die Rechte zu vereinen oder die Linke zu vereinen, sondern die Franzosen zu vereinen”, gab der 38-jährige Wirtschaftsliberale am Mittwoch dann auch seine politische Linie vor, die ansonsten noch relativ unscharf ist. “Das heutige Frankreich ist vom Weg des Erfolgs abgekommen, der Zweifel hat sich festgesetzt, wir haben es nicht geschafft, das Problem der Massenarbeitslosigkeit zu lösen”, monierte der frühere Wirtschaftsminister.

Er wolle dem Land wieder “Hoffnung” geben, in einer Zeit, in dem das politische System lediglich “für sich selbst lebt, mehr beschäftigt mit seinem eigenen Überleben, als mit den Interessen des Landes”, erklärte Macron. “Ich bin Kandidat für die Präsidentschaft der Republik, weil ich mehr als irgendetwas anderes glaube, dass wir erfolgreich sein können, dass Frankreich erfolgreich sein kann.”

Macrons Kandidatur kommt nur wenige Tage vor dem ersten Durchgang der Vorwahlen der französischen Konservativen am Sonntag. Damit ist das Vorpreschen des 38-jährigen früheren Investmentbankers auch als ein Versuch zu sehen, dem laut Umfragen konservativen Favoriten Alain Juppé die politische Mitte streitig zu machen. Anders als der ebenfalls antretende Ex-Präsident Nicolas Sarkozy, der immer wieder Ideen von der rechtspopulistischen Front National aufnimmt, versuchte sich Juppé zuletzt betont als vereinender Faktor zu präsentieren.

Zugleich wollte Macron wohl auch einer eventuellen Präsidentschaftskandidatur Hollandes zuvorkommen, der im Dezember bekannt geben will, ob er sich noch einmal um das höchste Amt im Staat bewirbt. Bereits jetzt wird er von vielen Sozialisten als “Verräter” betrachtet, weil sie fürchten, Macrons Antreten könnte ihrer eigenen Partei stimmen kosten. Premier Manuel Valls, der bei einem Verzicht Hollandes antreten könnte, kritisierte Macron am Mittwoch umgehend: Um zu regieren brauche es “Erfahrung”, er selbst lehne “Alleingänge” ab.

Aktuell liegen die Beliebtheitswerte des 38-Jährigen in allen Umfragen klar vor dem notorisch unbeliebten sozialistischen Staatspräsidenten. Doch auch wenn der frühere Wirtschaftsminister mittlerweile 96.000 registrierte Anhänger und drei Millionen Euro an Wahlkampfspenden vorweisen kann, könnte das Rennen um die Präsidentschaft angesichts des fehlenden Parteiapparats hinter ihm schwierig werden. Die Chancen, dass Macron im Rennen zwischen der rechtspopulistischen FN-Kandidatin Marine Le Pen, einem konservativen, einem sozialistischen und einem Linkskandidaten aufgerieben wird, bestehen.

(APA/dpa/ag.)

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