Akt.:

Fröhliches Planschen mit Piranhas

Mit dem Kanu auf dem Orinoco unterwegs Mit dem Kanu auf dem Orinoco unterwegs - © VN-srt/J.Rothhaas
Venezuela ist ein Land für Abenteurer: Termitenessen und Python-Streicheln gehören im Orinoco-Delta dazu.

Korrektur melden

Victor, eine eigentlich zierliche Person mit erstaunlich dickem Bauch, sitzt auf der Spitze seines kleinen Bootes auf dem Orinoco. Mit geschickten Handgriffen zieht der Indio rasch einen Bindfaden aus dem Wasser. Wo vorher noch ein Stück Hühnerfleisch hing, funkelt jetzt das Metall des Angelhakens in der Sonne. „Da war der Fisch wohl schneller“, scherzt er.

Ein 2140 Kilometer langer Fluss

Ein bisschen enttäuschend, schließlich wollten wir unseren ersten Piranha sehen. Doch schnell ist der Fisch vergessen, Victor fährt uns den Fluss ein paar hundert Meter weiter und ermutigt zum erfrischenden Abendbad. Wir springen ins Wasser, doch kurz vorm Untertauchen schießt es uns in den Kopf: Haben wir hier nicht eben nach Piranhas gefischt?

Der Orinoco ist einer der längsten Flüsse Südamerikas: Auf 2140 Kilometern windet er sich quer durch Venezuela in Richtung Atlantik. Vierzig Hauptarme, mehr als 300 Seitenarme und unzählige kleine Kanäle schlängeln sich in Richtung Meer durch das 40.000 Quadratmeter umfassende Delta. Mangrovenbäume und Moriche-Palmen säumen die Ufer und stehen dabei so dicht gedrängt, dass sie wie ein Zaun wirken, der den Urwald vor unerwünschten Besuchern schützen will.

Geschickt manövriert Victor das Boot auf dem Flussarm Caño Manamo immer tiefer in das Delta. Während er behutsam in einen ruhigen Flussarm steuert, verrät er uns, dass sich Piranhas am liebsten zwischen den Wurzeln verstecken, die in das braune Wasser hängen.

Viele Piranhas als Vegetarier

„Die Fische warten nicht darauf, in eure Beine zu beißen“, beruhigt er uns. „Ganz im Gegenteil, die meisten Piranhas sind Vegetarier.“ Die wenigen Fische, die auch Fleisch in ihren Speiseplan einbauen, fressen nur kranke und alte Tiere. Wie eine Art Gesundheitspolizei. Während wir durch das Delta tuckern, ziehen am Ufer die mit Palmwedeln gedeckten Hütten der Warao-Indianer vorbei. Rund 30.000 leben heute noch am Rand der Kanäle.

Ihr Name bedeutet so viel wie „die, die auf dem Wasser leben“. Auch Victor gehört zu ihnen. Dann taucht hinter einer Flussbiegung unser Quartier auf, das Camp Mis Palafitos. Die fünfzig Pfahlbauten sind nur über Brücken zu erreichen. Zwei Äffchen hüpfen zur Begrüßung um uns herum, bunte Papageien buhlen mit krächzenden Rufen um die Aufmerksamkeit der Besucher. Doch zum Gucken bleibt kaum Zeit, schließlich wollen wir Urwaldluft schnuppern – wie so viele Touristen, die an den Badeurlaub auf der Isla Margarita vor der venezolanischen Küste ein paar Tage Dschungel-Abenteuer dranhängen.

Schlamm und Moskitos

Minuten später waten wir mit Gummistiefeln durch den Dschungel. Wer nicht gerade versucht, die Stiefel aus dem Schlamm zu ziehen, der klatscht sich hektisch auf Hals oder Hand, um die Moskitos zu vertreiben. Während wir nervös vor uns hinstapfen zeigt uns Victor, was der Dschungel alles Essbares zu bieten hat. Aus einem offenen Baumstamm lässt er sich Termiten auf den Arm laufen, die er dann genüsslich verspeist, und hackt geschickt ein Palmherz aus einem Ast.

Die Moriche-Palme ist die Allzweckpflanze des Dschungels: Dächer und Boote werden aus ihrem Holz gemacht, Hängematten und Körbe aus den Blättern, die Herzen verzehrt. Und auch ihre Früchte sind essbar. Es wird dunkel im Delta. Hektisch bewegt sich der Lichtkegel der Taschenlampe von links nach rechts durch den nächtlichen Blätterwald. Brüllaffen kreischen in den Baumwipfeln, Ochsenfrösche quaken in allen Tonlagen. Andächtig sitzt die Gruppe im Boot, während Victor das Ufer nach Kaimanen und Schlangen absucht. Dann ein Platschen. Blätter rascheln, Äste knacken. Plötzlich steht Victor mit einer faustdicken Python vor uns. Wir gucken verdutzt. Doch für den Indio ist das Alltag. „Ein eher kleines Exemplar“, sagt er.

Sternenklarer Nachthimmel

Wir sind zurück im Camp. Draußen zirpt und quakt es, die Sterne funkeln am Firmament. Der sternenklare Nachthimmel hat für Victor eine ganz besondere Bedeutung: Nach dem Glauben der Warao sind die Sterne die Lagerfeuer der verstorbenen Indianer. Welch Zufall, dass genau in diesem Moment das passende Lied der Rockband Guns n‘Roses aus den blechernen Lautsprechern des Camprestaurants tönt: „Knocking on heaven‘s door.

 

42 Nationalparks und dazu Naturschutzgebiete

Venezuela kann mit 42 Nationalparks und 20 weiteren Naturschutzgebieten aufwarten. Das kommt noch aus der Zeit der Reisen von Alex-ander von Humboldt (1769-1859), der bei seinen zahlreichen Südamerikareisen auch mehrfach Venezuela bereist hat. Besonders vom Osten und dem extremen Süden hat Humboldt sagenhafte biologische Reiseberichte verfasst und durch seinen Einfluss für die Schaffung der Nationalparks gesorgt. Er war es, der die Verbindung zwischen Orinoco und Amazonas, durch den Rio Negro und den Rio Casiquaire entdeckte und darüber berichtete.

Unglaubliche Artenvielfalt

In Venezuela gibt es 1250 Vogelarten (z.B. Tukane, Reiher, Papageien, Flamingos, Pelikane, Kolibris und Kondore), 250 Arten von Säugetieren (z.B. Jaguar, Gürteltier, Puma, Ozelot, Ameisenbär), zahlreiche Arten von Reptilien (Kaimane, Leguane, Geckos, Krokodile) und eine Vielfalt von Schlangen.

 

Unzählige Inseln und Sandbänke

Der Orinoco misst an seiner breitesten Stelle über 16 Kilometer! Die Flussarme im Mündungsgebiet verzweigen sich in alle Richtungen, wodurch sie unzählige kleine Inseln und Sandbänke ausbilden. Durch das tropisch feuchte Klima bildet sich hier eine üppige Vegetation aus und eine reiche Tierwelt findet hier beste Lebensbedingungen. Die meisten Eingeborenen gehören zum Stamm der Waraos, sie leben zum Teil noch in ihren traditionellen Pfahlbauten, den Palafitos.

 

REISEINFOS

Anreise: Fast alle großen europäischen Linienfluggesellschaften fliegen mehrfach die Woche nach Caracas.
Einreise: Für den Aufenthalt bis zu 90 Tagen benötigt man eine Touristenkarte, die von der Linienfluggesellschaft ausgehändigt wird. Für einen längeren Aufenthalt muss ein Visum beim venezolanischen Konsulat im Herkunftsland beantragt werden.
Impfungen: Gegen Hepatitis A/B und Gelbfieber, auch eine Malaria-Prophylaxe ist angebracht – weitere Infos bei Ihrem Hausarzt bzw. einem Tropenmediziner.
Währung: Die venezolanische Währung ist der Bolivar. Euro und USD können in offiziellen Wechselstuben problemfrei gewechselt werden. Venezolanische Bolivares können problemlos auch direkt mit EC- oder Kreditkarte an einem Bankautomaten bezogen werden.
Sprache: Offizielle Landessprache ist Spanisch. Unter den Indianerstämmen sind außerdem noch uralte, eigene Stammessprachen gebräuchlich.
Klima/Reisezeit: Regenfälle sind saisonabhängig, die Trockenzeit dauert theoretisch von Dezember bis April. Das hat sich die letzten Jahre, so wie das gesamte Weltklima auch, alles sehr verändert und man kann sich auf keine festen Regen- bzw. Trockenzeiten mehr einstellen. Aber auch in der Regenzeit kann man Venezuela durchaus gut bereisen.
Infos zum Camp: Camp Mis Palafitos, Street Petión, Centro Comercial Delta Center, Local No. 16, Tucupita, Venezuela, Tel. 0058/287/7211733, info@deltaorinocomispalafitos.com, www.deltaorinocomispalafitos.com;
Weitere Infos: Venezolanisches Fremdenverkehrsamt c/o Botschaft der Bolivarischen Republik Venezuela, Schillstr. 9-10, 10785 Berlin, Tel. 030/832240-0, embavenez.berlin@botschaft-venezuela.de, www.botschaft-venezuela.de.



Kommentare 0

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann.

Kommentare von registrierten Usern werden sofort freigeschaltet - hier registrieren!

 
noch 1000 Zeichen
 

Mehr auf Salzburg24.at
World Travel Awards: Hilton Hotels in Wien haben Auszeichnung erhalten
Zwei Hilton-Hotels in Wien haben heuer bei den "World Travel Awards" Erfolg gehabt. Während das Hilton Vienna Danube [...] mehr »
vienna.at/austria.com Sommertour: Alpengasthof Grüner
Gewinnen Sie Ihren Traumurlaub in den schönsten Hotels und Regionen Österreichs! Diesmal im Alpengasthof Grüner im [...] mehr »
Boeing 787 Dreamliner von Qatar Airways landet ab September täglich in Wien
Ab Anfang September bietet die arabische Fluggesellschaft Qatar Airways eine tägliche Verbindung zwischen Wien und Doha [...] mehr »
Technische Panne: Nachtzug von Rom nach Wien stark verspätet
Reisende mussten auf Busse umsteigen, bzw. warten und eine achtstündige Verspätung in Kauf nehmen: Am Freitagabend gab [...] mehr »
Airbnb, Wimdu und Co.: Jeder Fünfte hat Wohnung schon untervermietet
Jeder fünfte Österreicher hat seine Wohnung schon einmal an Touristen untervermietet. Nicht immer ist die Rechtslage [...] mehr »
Mehr Meldungen »

Sie sind bei Facebook? Wir haben etwas Besonderes für Sie ...

Wenn Sie jetzt Ihren Facebook-Account mit %s verknüpfen, haben Sie einfachen Zugang zur beliebten Kommentar-Funktion auf %s, können Artikel einfach mit Ihren Freunden teilen - und auch selbst Fotos und Artikel auf %s hochladen.

{username}


Passwort vergessen?
{username}

Bitte max. 32 Zeichen verwenden

Ihren Benutzernamen können Sie hier ändern. Wir schlagen vor, dass Sie Ihren richtigen Namen verwenden, um an Diskussionen teilzunehmen.

Muss eine gültige E-Mail-Adresse sein

Benachrichtigungen und Newsletter (falls gewollt) werden an diese Emailadresse versendet. Ihre Privatsphäre ist uns wichtig

{username}%s antworten

OK, {username} - nun ist alles eingerichtet.

OK

Der Benutzer mit dem Sie sich einlochen wollen ist noch nicht aktiviert. Bitte klicken Sie auf den Aktivierungslink den wir Ihnen an %s gesendet haben. Aktivierungsmail erneut schicken OK

Anmelden

Facebook-Benutzer?

Sie können Ihren Facebook-Account zum Anmelden verwenden:

Mit Facebook verbinden



Passwort vergessen?
Neu registrieren

Anmelden - oder ohne Registrierung diskutieren

Als SALZBURG24.AT User anmelden:




Passwort vergessen?

Unregistrierter User:

Bei unregistrierten Benutzern wird der Kommentar erst nach einer Prüfung freigeschaltet. Beleidigende, rassistische, ausfällige oder nicht themenbezogene Kommentare werden nicht veröffentlicht. Kommentare von eingeloggten Usern werden sofort veröffentlicht.

Neu registrieren