Fünf Ex-Sportfunktionäre der ASKÖ und ASV in Salzburg vor Gericht

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Die Angeklagten beteuerten am Mittwoch ihre Unschuld (Archivbild).
Die Angeklagten beteuerten am Mittwoch ihre Unschuld (Archivbild). - © Neumayr
Der 2016 begonnene Prozess gegen ein Ex-Führungstrio des Sportverbandes ASKÖ Salzburg wegen Untreue und Betruges ist am Mittwoch in Salzburg neu durchgeführt worden, wobei das neue Verfahren gegen den Ex-ASKÖ-Präsidenten und zwei weitere Ex-Funktionäre der Salzburger Sportvereinigung ASV einbezogen wurde.

Der Schaden soll mehrere Hunderttausend Euro zulasten der Vereine betragen.

ASKÖ und ASV: Angeklagte beteuern Unschuld

Die fünf Angeklagten beteuerten vor dem Schöffensenat am Landesgericht Salzburg unter Vorsitz von Richter Christian Hochhauser ihre Unschuld. Bis einschließlich Jänner sind rund zehn Verhandlungstage anberaumt. Die Vorwürfe betreffen einen Zeitraum von 2003 bis 2012, in dem Vereinsgelder zweckwidrig verwendet worden seien. Die Hauptfakten drehen sich um einen überhöhten Baurechtszins für einen Sportbauernhof im oberösterreichischen Innviertel, nicht gerechtfertigte, private Installationen auf dem Hof, zu Unrecht bezogene Fördergelder und zwei “Geheimkonten”. Im Fokus stehen auch ein Wohnmobil und ein Pkw. Die Fahrzeuge wurden offenbar privat genutzt.

Verteidiger: Keine persönliche Bereicherung

Die fünf Beschuldigten hätten sich weder persönlich bereichert noch hätten sie wissentlich ihre Befugnisse missbraucht, erklärten ihre Verteidiger und forderten einen Freispruch für ihre Mandanten. Der Baurechtsvertrag für den Sportbauernhof Waldzell sei geprüft worden, auch vom Präsidium der ASKÖ, und “für in Ordnung befunden worden”, erklärte der Ex-Präsident der ASKÖ Salzburg.

Die Idee, einen Baurechtszins und nicht einen Pachtzins für den Sportbauernhof zu verlangen, sei von einer Bank gekommen, mit dem Argument, der Baurechtszins sei im Grundbuch besser abgesichert, erklärte Rechtsanwalt Klaus Perner, der den Ex-Präsidenten und den Ex-Landesgeschäftsführer der ASKÖ sowie die Sportwissenschafterin verteidigt. Der verlangte Zins sei sehr wohl angemessen gewesen. Viele Leute hätten dem zugestimmt, auch politische Funktionäre und eine Wirtschaftsprüfungskanzlei. “Im Nachhinein so zu tun, als sei das alles heimlich passiert und der Sportbauernhof sei über Nacht vom Himmel gefallen, ist für mich unverständlich.”

Geld in Goldbarren angelegt und in Schließfach verwahrt

Es habe auch kein Geheimkonto gegeben, betonte Perner. Man habe zwecks Vorauszahlung des Bundes für die Sportplatznutzung ein eigenes Konto eröffnet, “damit man den Betrag nicht hin und her schieben muss”. Das Geld sei auch nicht einfach beiseitegeschafft, sondern in Goldbarren angelegt und in einem Schließfach verwahrt worden. Das könne der damalige Kontrollreferent bezeugen, der allerdings schon verstorben sei. Die Goldbarren seien verkauft und das Geld dem Konto wieder zugeführt worden. Der ASV habe für die laufenden Abdeckungen schließlich mehr Geld benötigt, als die Stadt Salzburg die Betriebskostenzahlungen eingestellt habe, weil der ASV in Ungnade gefallen sei.

“Statutenschlamperei” begründe kein strafbare Handlung

Dass Aufwandsentschädigungen für Sportbetreuer in Untreue-Vorwürfe mündeten, sei nicht nachvollziehbar, sagte Perner. Es gebe Belege für diese Entschädigungen, und es habe sehr wohl auch Beschlüsse dafür gegeben. Wegen der Faktendichte sei die Dokumentation im Verein nicht immer ausreichend verlaufen. Eine gewisse “Statutenschlamperei” begründe aber noch lange nicht eine strafbare Handlung, meinte der Verteidiger. Das Wohnmobil habe sehr wohl einen Vereinszweck erfüllt, es sei für gesundheitsbezogene Projekte zur Förderung des Breitensportes eingesetzt worden und zur Präsentation unterwegs gewesen. Auch der geleaste Opel sei für den Verein verwendet worden.

Die wegen Beihilfe zur Untreue angeklagte Sportwissenschafterin habe als Mitarbeiterin des ASV im Laufe der Jahre viele erfolgreiche Projekte betreut, erklärte Perner. Das monatliche Gehalt von rund 400 Euro sei ihr auch zweifelsfrei zugestanden. “Wie hätte sie erkennen können, dass das unrechtmäßig ist? Sie hat tatsächlich etwas gearbeitet, auch wenn sich jetzt viele nicht mehr erinnern können.” Was den Betrugsvorwurf gegen den Ex-ASKÖ-Geschäftsführer betrifft, so handle es sich dabei um einen “buchhalterischen Betriebsunfall”.

Freispruch gefordert

Wie Perner forderte auch Rechtsanwalt Leopold Hirsch einen Freispruch für seinen Mandanten, den Ex-Finanzreferenten des ASKÖ. Dieser sei der Ansicht gewesen, dass der mit Hilfe eines Steuerberaters “professionell vorbereitete” Baurechtsvertrag in Ordnung gewesen sei. “Es gibt aber kein Protokoll der Beschlussfassung mehr.” Dieses müsse im Laufe der Jahre entsorgt worden sein. Bei nachträglichen Prüfungen sei an dem Vertrag nichts beanstandet worden. “Mein Mandant wollte den ASKÖ nicht schädigen.”

Der Verteidiger des Ex-ASV-Finanzdirektors, Rechtsanwalt Franz Essl, erklärte, dass dieser sehr viel für den Verein gearbeitet habe. Der Lehrer habe unzählige E-Mails geschrieben und zahlreiche Volleyball-Turniere organisiert und ausgerichtet, da habe es auch jede Woche “Bankgänge” gegeben. Der jetzige ASV-Präsident habe alles getan, um die ehemalige Führungsriege anzuschwärzen. Die pauschale Abgeltung seines Mandanten von monatlich 609 Euro für Aufwandsentschädigungen im Laufe von sieben Jahren “sind mit Sicherheit angemessen”. Dem Mann seien in dessen Privathaus ein Büro und Lagerräumlichkeiten zur Verfügung gestellt worden.

Vorwurf des Geheimkontos stimme nicht

Der Vorwurf eines Geheimkontos stimme nicht, es sei für Interessierte einsehbar gewesen, sagte Essl. “Er hat sich nirgendwo unrechtmäßig bereichert, ihm ist kein Befugnismissbrauch vorzuwerfen.”

Der ASV schloss sich dem Verfahren als Privatbeteiligter an. Rechtsanwalt Kurt Jelinek forderte vom Ex-Präsidenten 220.942 Euro, vom Ex-ASV-Finanzchef 382.925 Euro und von der Sportwissenschafterin 23.640 Euro Schadensersatz. In dem Verfahren sind zahlreiche Zeugen geladen. Detail am Rande: Die ASKÖ will den Sportbauernhof schon seit Jahren verkaufen, um rund 1,7 Millionen Euro.

(APA)

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