GBV wollen von neuer Regierung günstige Grundstücke für Wohnbauten

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Die gemeinnützigen Wohnbauträger wünschen sich von der neuen Regierung Maßnahmen zur Baulandmobilisierung.
Die gemeinnützigen Wohnbauträger wünschen sich von der neuen Regierung Maßnahmen zur Baulandmobilisierung. - © APA/HELMUT FOHRINGER
Die gemeinnützigen Wohnbauträger wünschen sich von der neuen Regierung Maßnahmen zur Baulandmobilisierung und gegen den starken Anstieg der Grundpreise. Denn der Mangel an günstigen Liegenschaften sei das Hauptproblem in den Ballungsräumen, um leistbares Wohnen realisieren zu können, sagte GBV-Obmann Karl Wurm am Dienstag mit Blick auf die auf 15. Oktober vorgezogene Nationalratswahl.


Dem Ziel von mehr leistbarem Wohnraum müsse Rechnung getragen werden, das sei das Gebot der Stunde.

Mehr günstige Mietwohnungen

Hauptsegment dabei müssten Mietwohnungen sein. Derzeit halte das Bauvolumen mit dem Bevölkerungswachstum nicht stand: Früher sei auf zwei Haushalte eine geförderte Wohnung gekommen, jetzt betrage die Quote nur noch 37 Prozent, “wir schleppen eine Lücke von 7.000 Wohnungen mit”, erklärte der Obmann des Verbands der gemeinnützigen Bauvereinigungen (GBV), deren Mitglieder rund 30 Prozent der Neubauleistung im Wohnbau erbringen, im Mehrgeschoßwohnbau sogar 40 Prozent.

Da Bauland zu vertretbaren Preisen immer mehr Mangelware werde, seien Instrumente zur Grundstücksbeschaffung nötig, verwies Wurm im GBV-Jahrespressegespräch auf die Vorhaben im überarbeiteten Regierungsprogramm, deren Umsetzung jetzt freilich fraglich ist. Neben der geplanten Reservierung von Vorbehaltsflächen für den geförderten Wohnbau bei der Grundstücksumwidmung – und verfassungsrechtlichen Klarstellungen, um Ländern mehr Kompetenzen zu geben -, geht es dabei auch um Pläne einer Rückwidmung von länger als zehn Jahren unbebauten Grundstücken.

Gleiche Problematik in Salzburg, Wien, Garz und Linz

Der Ballungsraum Wien strahle preislich weit nach Niederösterreich hinein stark aus, berichtete GBV-Vizeobmann Alfred Graf. Im Tullner Feld etwa würden die Grundpreise jährlich um 15 Prozent steigen – gemeinnützige Bauträger könnten da oft nicht mehr mithalten und würden von Privaten und Gewerblichen “hinauslizitiert”, auch aufgrund der Bestimmungen im Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz (WGG). Graz, Salzburg oder Linz stünden vor einem gleich gelagerten Problem.

Zahl der neugebauten Wohnungen in Österreich./APA Zahl der neugebauten Wohnungen in Österreich./APA ©

Politiker in Normenprozess einbinden

Auch zum Thema baurelevante Normen – 6.000 an der Zahl – sollte sich die neue Regierung stärker einbringen, forderte Wurm. Die Politiker sollten sich von Anfang an in den Normenprozess einklinken und sich vor allem der Frage widmen, “wer das dann bezahlt”, wenn man die Leistbarkeit beim Wohnen im Blick behalten wolle. Zur Fokussierung auf die Fragen der Leistbarkeit und Sinnhaftigkeit sollte eine eigene Stelle im Kanzleramt oder im Wirtschaftsministerium geschaffen werden, verlangte der GBV-Obmann. Das gelte auch für das Thema Energieeffizienz, denn es reiche aus, nach Niedrigenergiestandard zu bauen anstelle in Passivhaus-Qualität: “Beim Wohnen ist das Ende der Fahnenstange schon ziemlich erreicht.”

Rasche Umsetzung des WBIB

Dass in dieser abrupt zu Ende gehenden Legislaturperiode noch ein neues Mietrecht kommt, schließt Wurm aus, “weil nichts Akkordiertes am Tisch liegt”. Rasch umgesetzt werden sollte hingegen unbedingt die als Gelddrehscheibe für eine größere Wohnbauinitiative gedachte Wohnbauinvestitionsbank (WBIB). Mit Verspätung laufe dazu nun die EU-Notifikation, und man hoffe, dass bis Frühsommer, zur Jahresmitte, grünes Licht aus Brüssel komme. Manche gingen jedoch erst von Frühherbst oder Herbst von einem Okay aus. Wichtig sei die WBIB jedenfalls, weil sich die Zeit billiger Finanzierungen am Bau dem Ende zuneige: “Die Zinsen, auch am langen Ende, bewegen sich schon nach oben.” Die WBIB wäre ein weiteres Instrument, um die entstandene Lücke bei Wohnungen im niedrigen und mittleren Preissegment zu schließen. Das Argument, dass die WBIB anderen Banken Geschäft wegnehme, wie es selbst in Kreisen der WBIB-Aktionäre heiße, stimme nicht, betonte Wurm; durchgerechnet werde die WBIB ohnedies nur 20 bis 30 Prozent finanzieren, der Rest werde durch ganz normale Bankdarlehen, Wohnbaufördergelder oder Eigenmittel der Wohnbauträger aufgebracht.

16.100 neue Wohnungen durch GBV in Österreich

Der GBV-Sektor wird heuer mit 16.100 neuen Einheiten wieder mehr Wohnungen fertigstellen. Auch für 2018 rechnet er mit einem derartigen Neubauvolumen. Punkten können die Gemeinnützigen vor allem mit günstigeren Mieten als bei privaten und gewerblichen Errichtern. Mit im Schnitt 6,8 Euro pro Quadratmeter und Monat liegt die Miete in Bauten gemeinnütziger Träger um rund 20 Prozent unter dem Niveau von privaten und gewerblichen Vermietern (8,2 Euro/m2), jeweils samt Betriebskosten und Umsatzsteuer. Bei ganz neuem Wohnraum ist der Unterschied noch größer: Bei den rund 60.000 Neu-und Wiedervermietungen 2015 fielen bei GBV-Einheiten 7,6 Euro je m2 und Monat an, bei Privaten/Gewerblichen mit 9,7 Euro um 28 Prozent mehr. Und dort, wo alles ausfinanziert sei, komme man bei GBV-Einheiten bei 1,75 Euro/m2 Grundmiete und 2 Euro/m2 Erhaltungs-und Verbesserungsbeitrag (EVB) samt Betriebskosten/USt auf knapp über 5 Euro/m2, “das ist einfach konkurrenzlos günstig”, so der GBV-Obmann.

Jeder Fünfte lebt in GBV-Wohnung

Jeder fünfte Bewohner in Österreich lebt in einer von Gemeinnützigen verwalteten Wohnung – insgesamt umfasst der Verwaltungsbestand rund 610.000 eigene Miet- und Genossenschafts-sowie 300.000 Eigentumswohnungen.

Die Bauleistung der Gemeinnützigen lag 2016 – nach dem Spitzenjahr 2015 mit rund 18.300 Wohnungen – wieder im langjährigen Schnitt: Die 186 GBV-Mitglieder stellten 14.839 Wohnungen fertig, um 19 Prozent oder 3.500 weniger Einheiten als 2015. Für 2017 kündige sich aber wieder ein Anstieg um fast neun Prozent an. 2017/18 werden die Fertigstellungen somit wieder im mehrjährigen Schnitt von rund 16.000 liegen (um 1.000 pro Jahr mehr als im Zeitraum 2000-2014).

GBV-Wohnung für rund 600 Euro pro Monat

Die durchschnittliche Neubauwohnung bei GBV – errichtet nach 2011 und 71 Quadratmeter groß – kostete voriges Jahr 600 Euro an Monatsmiete (samt Finanzierungsbeitrag 624 Euro). Bei privaten Anbietern bekomme man um 725 Euro nur 58 m2, also um 13 m2 weniger für 100 Euro monatlich mehr. Noch stärker gehe die Kostenschere in Wien auf: 725 Euro für 72 m2 bei den GBV, wobei es für eine gleich hohe Miete bei den Privaten dafür nur eine 48-m2-Wohnung gab.

Insgesamt werde man im Wohnbau eine “Billig-Schiene” benötigen, betonte Vizeobmann Graf. Das lasse sich daran ablesen, dass es für jede ältere und damit günstigere Genossenschaftswohnung, die wieder neu vergeben werde, 40 bis 50 Bewerber gebe. Und Obmann Wurm betonte, das Thema “Billig-Schiene” müsse wieder in die Köpfe hinein.

(APA)

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