Gerard Es im Sonntags-Talk: „Ich find das gut, nicht nur ausschließlich mit Theatermenschen zusammen zu sein“

Von Bernadette Mauracher
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Gerard Es ist Regisseur und Schauspieler aus Leidenschaft.
Gerard Es ist Regisseur und Schauspieler aus Leidenschaft. - © Alessandra Carta/SALZBURG24
Der Schauspieler und Regisseur Gerard Es wurde 1960 in Linz geboren, er lebt mit seiner Familie in der Stadt Salzburg. Gemeinsam mit Reinhold Tritscher leitet Gerard Es das Theater ecce und wirkt als freier Schauspieler und Regisseur im ganzen Bundesland.




Wir haben uns mit dem passionierten Schauspieler und Theatermacher zum Sonntags-Talk getroffen und mit ihm über seine Leidenschaft, Familie und Pläne gesprochen.

SALZBURG24: Für viele ist es ein großer Traum Schauspieler zu werden. War das bei dir auch so oder bist du über Umwege zum Theater gekommen?

GERARD ES: Naja, es war schon immer so, was heißt immer. Als Kind wechseln ja die Wünsche, vom Mechaniker bis hin zum Doktor. Ich überlegte auch kurz, Medizin zu studieren. Hab‘ dann aber mit Publizistik und Englisch begonnen, weil ich früher als Ferialpraktikant schon beim Linzer Tagblatt geschrieben habe und über den Journalismus bin ich zum Schreiben gekommen und hab‘ festgestellt, dass die Schriftstellerei meins ist.

Ich war auch schon immer vom Film fasziniert und zum Teil auch vom Theater. Ich habe mit einem Kollegen eine Theatergruppe im Studentenheim gegründet, er war damals schon bei der Elisabethbühne.

Später wohnte ich in einer WG mit dem Harald Krassnitzer und einer Südtiroler Schauspielerin, der Gabi Langes. Wir haben in der Neutorstraße gewohnt und auf der Elisabethbühne gespielt. Dann bekam ich ein Stipendium nach Amerika und ich wollte mich sowieso wieder weiterentwickeln.

Hast du im Sinn gehabt, in Amerika zu bleiben und dort Karriere zu machen?

Naja, ich hätte dort bleiben können, wenn ich ein PhD (Anm. Doktor der Philosophie) mache und mich für vier Jahre verpflichte auf der Uni zu unterrichten und auch eine Doktorarbeit zu schreiben. Ich schloss dort das Masters Programm ab, dann hab ich mir gedacht, ich muss wieder zurück.

So ein paar Monate, oder ein paar Wochen im Jahr wären sicher reizvoll nach Amerika zu gehen, aber im Theaterbereich ist es drüber schwierig, die sind sehr auf private Sponsoren und Mäzene angewiesen. 

Du hast immer viele Projekte parallel laufen.

Ja, im Moment mit dem Theater ecce den „Gulliver“. Das ganze Jahr lang haben wir mit dem Gulliver-Projekt geworkshoppt, es waren 14 Schulen zum Thema im ganzen Land Salzburg dabei und es gab auch schon Präsentationen. Da sind ganz viele verschiedene Schichten rausgekommen. Ab Oktober gibt es das Theaterstück, wo auch Menschen mit Behinderung und Schauspieler aus verschiedenen Ländern dabei sind. Und Musik, Live-Musik. Eh die, die beim Jedermann auch spielen, der Robert Kainer. Er ist ein extremer Musiker und super Theatermusiker. Also ganz, ganz toll.

Dann mach ich mit dem Theater Anthering die Weibervolksversammlung, das ist eine antike griechische Komödie von Aristophanes, wo die Frauen die Macht übernehmen und alles verändern, weil die Männer bringen einfach nichts mehr weiter (lacht). Es wird alles ganz anders.

Und dann mach ich in der ARGEkultur ein Stück über Cybermobbing. Es wird ein Jugendstück von Dominik Nießl, er hat auch mal bei den Historienspielen (Anm. in Laufen) mitgespielt. Der erzählte mir damals, dass er gern ein Stück über Computersucht schreiben möchte. Dann hab ich das wieder vergessen. Später bin ich gefragt worden, ob ich denn nicht in der ARGEkultur ein Jugendstück machen möchte. Da ist mir wieder eingefallen, was der Dominik gesagt hat. Und so ist es dazu gekommen, dass wir vor zwei Jahren „After Sunset“, ein Stück über Computersucht gemacht haben. Es spielen Jugendliche und Profis, also eine Mixtur, das ist extrem gut angekommen.

Und eben die Stille-Nacht-Historienspiele in Laufen stehen auch wieder an.

Das sind ja alles sehr konträre Stücke, gibt es eine Richtung, die du bevorzugst?

Ja, sie sind sehr unterschiedlich. Aber genau das macht für mich den Reiz vom Theater aus. Ich spiele sehr gerne eher klassische Stoffe, aber es gibt auch sehr gute moderne Autoren.

Und inszenieren (überlegt), ja, es gibt sehr gute Autoren, die eigentlich als Heimatdichter gelten, so wie der Anzengruber oder der Ganghofer, die aber doch einige sehr gute Stücke hinterlassen haben. Die konnten das schon gut, so menschliche Schicksale zu beschreiben. Das mag ich sehr gern. Aber das ist einfach das schöne bei dem Beruf, das es nie ganz zum Alltag wird, sondern jedes neue Stück eine Herausforderung ist.

Du hast vorher erwähnt, dass ihr mit dem Theater ecce immer wieder inklusive Produktionen macht, das heißt es stehen auch Menschen mit Behinderung auf der Bühne, wie erlebst du die Zusammenarbeit?

Genau, das machen wir sehr oft. Eine unserer ersten Produktionen war im Volksgarten in einem Zelt, “Das Leben ist ein Traum”. Das war die erste große Produktion mit Inklusion. Ist schon lange her, das war  1997 oder 1998. Und jetzt auch immer wieder.

Sie sind sehr spontan und sehr impulsiv. Beim Proben muss man sich darauf einlassen. Sie bringen ganz wunderbare Ideen und sind auch der Bühne ganz toll. Als Profi schaut man halt mehr, dass der Text und der Ablauf stimmen. Aber manchmal kommen so Sachen von ihnen, wo man auch reagiert. Es ist ein Zusammenfügen. Es ist sehr bereichernd für beide Seiten und das soll es auch sein. Das Ziel ist ja, dass man Leute besetzt nach, wer passt am besten und nicht nach wer ist behindert und wer nicht.

Du arbeitest auch sehr viel mit Amateurtheatergruppen aus dem ganzen Land zusammen. Gibt es einen Unterschied zur Zusammenarbeit mit Profis? Ist die Leidenschaft eine andere?

Ja, das mit den Amateurtheatern hat sich so ergeben. Ich hab im TOI Haus nach sechs Jahren gekündigt, weil mir das viel zu klein und eng geworden ist. Und am Tag darauf kamen die ersten Regieanfragen.

Matthias Hochradl hat mich dann gefragt, ob ich Regiekurse gebe für den Amateurtheaterverband und habe so immer mehr Gruppen kennengelernt.

Ich bin wirklich begeistert, mit welcher Leidenschaft die Menschen da einsteigen, auch wenn sie am nächsten Tag um 5 Uhr aufstehen müssen und doch drei Monate lang ziemlich viel Proben und Vorstellungen sind. Mit welcher Leidenschaft die sich in diese Geschichten hineinbegeben. Ich finde das gut, nicht nur ausschließlich mit Theatermenschen zusammen zu sein, sondern mit Leuten, die auch verschiedene Berufe ausüben und mitten im Leben stehen.

Im freien Theaterbereich spielen alle mit Leidenschaft, weil sonst macht man das nicht. Aber Schauspieler wollen spielen, sie sind wie Rennpferde. Und das ist bei Profis, würde ich sagen, wie bei Amateuren so. Also höchstens es ist jemand ganz frustriert, weil er in einer Institution feststeckt und nicht weiterkommt. Mich persönlich hält es ja nicht in Institutionen.

Also du arbeitest an ganz vielen verschiedenen Orten, mit vielen verschiedenen Menschen zusammen, kommt da das Privatleben nicht zu kurz?

Es gibt schon Phasen, wo wir uns relativ wenig sehen. Andererseits haben wir unter der Woche tagsüber Zeit füreinander, wo jemand anderer nicht da wäre. Es ist halt nicht ganz so alltäglich, kein Job der von 8-18 Uhr geht, sondern eigentlich rund um die Uhr. Da muss man sich selber disziplinieren bei der Arbeit. Sie ist Lehrerin und unterrichtet Englisch und Französisch und ist sehr interessiert an Fotografie und macht auch fürs Theater immer wieder Fotos.

Und deine Tochter? Würdest du sie unterstützen, wenn sie auch eine Laufbahn als Schauspielerin einschlagen möchte.

Ja klar. Sie tanzt gerne. Und sie hat schon einen Zugang. Vielleicht wird sie jetzt ein bisschen mithelfen beim Theater ecce, mal so reinschnuppern. Aber man muss schon, wenn man das machen will, eine große Leidenschaft haben. Es gibt auch viele, die die Ausbildung gemacht haben, aber dann abgebrochen haben, als es nicht weiterging.

Das hat mir einmal der Georges Ourth [Anm. künstlerischer Leiter der Elisabethbühne 1973-1988] auch gesagt: „Ist dir klar, dass über 80% der ausgebildeten Schauspieler nicht in diesem Beruf arbeitet, sondern Taxi fahren, oder Regalschlichten?“ Man muss schon sehr unbedingt wollen. Also ich würde nie jemanden dazu verführen, aber andererseits, wenn jemand eine extreme Leidenschaft hat, würd ich auch sagen, versuch es mal.

Hast du jemals bereut, diesen Beruf ergriffen zu haben?

Theater ist so eine originäre Kunst. Es ist sehr befreiend, wenn man den Alltag verlassen und in Rollen, in eine andere Geschichte schlüpfen kann. Letzen Endes ist es die richtige Entscheidung gewesen.

Gibt es einen Ort in Salzburg, an dem du dich besonders wohl fühlst?

Ja, bei mir zu Hause. Wir haben es bei den Salzachseen sehr schön erwischt. Der Ausblick auf das Wasser, also ganz nah am Wasser. Da ist für mich ein Wunsch in Erfüllung gegangen, wie wir das Haus gekauft haben, überhaupt bekommen haben. Ich mochte Wasser schon immer. Als kleiner Bub sind meine Eltern immer nach Italien auf Urlaub gefahren. Sie erzählten, als ich das Meer gesehen habe bin ich – ich hab eine Lederhose angehabt, eine kurze, damals war das halt so – sofort reingeschossen ins Meer. Schnurstracks. Das hat mich gleich total fasziniert. Bis ich zum ersten Mal eine Krabbe gesehen habe, dann war einmal ein paar Tage Pause. (lacht)

Gerard, vielen Dank für das Interview. Zum Schluss gibt es noch ein paar Entweder-Oder Fragen:

Tee oder Kaffee: Kaffee

Spontan oder durchgeplant: Spontan

Bier oder Wein: Bier

Lederhose oder Anzug: Anzug

Margarine oder Butter: Butter

Buch oder Hörbuch: Buch

Schokolade oder Gummibärchen: Schokolade

 

Ab sofort veröffentlichen wir jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an: nicole.schuchter@salzburg24.at

 

 

 

 

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