Geschworene im Cosby-Prozess vertagten Beratungen

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Jury konnte sich nicht auf Urteil in Missbrauchsfall einigen
Jury konnte sich nicht auf Urteil in Missbrauchsfall einigen - © APA (AFP)
Im Missbrauchsprozess gegen die US-Fernsehlegende Bill Cosby haben sich die zwölf Geschworenen auch am zweiten Tag ihrer Beratungen nicht auf ein Urteil einigen können. Die sieben Männer und fünf Frauen der Jury vertagten ihre Beratungen auf Mittwoch, wie das Gericht in Norristown im US-Staat Pennsylvania am Dienstagabend mitteilte.

Dem 79-jährigen Cosby drohen bei einem Schuldspruch bis zu 30 Jahre Haft sowie eine hohe Geldstrafe. Trotz 15-stündiger Beratungen über zwei Tage konnten sich die Geschworenen aber noch nicht darauf einigen, ob Cosby schuldig ist oder nicht. Die Jury will nun am Mittwochmorgen wieder zusammenkommen.

Verteidigung bezweifelt Glaubwürdigkeit

In ihrem Abschlussplädoyer am Montag hatte die Verteidigung die Glaubwürdigkeit der Frau in Zweifel gezogen, die dem Schauspieler vorwirft, sie sexuell missbraucht zu haben. “Lassen Sie nicht zu, dass sie sich als Opfer bezeichnet”, sagte Cosbys Anwalt Brian McMonagle zu den Geschworenen.

Cosby selbst hat in dem Strafprozess nicht ausgesagt. Zwischenzeitlich hatte es in den vergangenen Tagen Spekulationen gegeben, dass der 79-Jährige entgegen früherer Ankündigungen vielleicht doch in den Zeugenstand treten könnte. Er entging damit einem Kreuzverhör, verzichtete aber auch auf die Chance, der Jury selbst seine Sicht der Dinge vorzutragen und sie möglicherweise so für sich einzunehmen.

Sein Verteidiger hob angebliche Widersprüche in den Aussagen von Andrea Constand hervor, die Cosby beschuldigt, sie im Jahr 2004 in seinem Haus nahe Philadelphia mit Tabletten betäubt und sich anschließend an ihr vergangen zu haben. Constand hatte anfangs abweichende Angaben zum Datum des Vorfalls und zu den vorhergehenden und nachfolgenden Ereignissen gemacht.

Cosby soll 60 Frauen sexuell belästigt haben

In seinem 90-minütigen Plädoyer unterstrich McMonagle auch, dass Constand seinerzeit bereits mit Anwälten gesprochen habe, bevor sie erstmals ihrer Mutter davon erzählt habe. Das Hauptargument der Verteidigung lautet, dass Cosby zwar sexuellen Kontakt mit der damaligen Universitätsmitarbeiterin hatte – dieser sei aber einvernehmlich gewesen.

Insgesamt wird der Schauspieler von rund 60 Frauen beschuldigt, sich in früheren Jahrzehnten an ihnen vergangen zu haben. Da die meisten Anschuldigungen aber verjährt sind, beschränkt sich der Strafprozess in Norristown auf einen einzigen Fall. Am Montag saß erstmals auch Cosbys Ehefrau Camille unter den Zuschauern im Gerichtssaal, das Paar ist seit 53 Jahren verheiratet.

Nur wenige Größen der US-Entertainmentbranche sind im öffentlichen Ansehen derart tief abgestürzt wie Cosby. Jahrzehntelang wurde der Afroamerikaner als “Amerikas Dad” verehrt. In der Rolle als liebenswürdiger Arzt und gutmütiger Familienvater in seiner “Cosby Show” war er einer der beliebtesten TV-Stars des Landes. Inzwischen haben sich auch die meisten Kollegen aus dem Show-Business von ihm abgewandt.

(APA/ag.)

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