Gesundheitsstandards für Flüchtlingskinder vorgestellt

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Es geht um medizinisch-therapeutisch-pädagogische Standards
Es geht um medizinisch-therapeutisch-pädagogische Standards - © APA (dpa)
Rund 90.000 Asylanträge sind laut Innenministerium im Vorjahr österreichweit eingegangen. Etwa ein Drittel betraf Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, denen laut UNO-Kinderrechten ein besonderer Schutz zukommen soll. Bis dato fehlen aber medizinisch-therapeutisch-pädagogische Standards. Die Kinderliga hat diese interdisziplinär ausgearbeitet und am Donnerstag in Wien präsentiert.

Geflüchtete Minderjährige brauchen in vielfacher Hinsicht eine besondere Betreuung. Gerade im Jahr 2015 habe sich die Politik in der Asylkrise “eher planlos” gezeigt, sagte Kinderliga-Präsident Klaus Vavrik.

Mit der Praxis vertraute Spezialisten haben daher eine umfassende, interdisziplinär-konkrete Zusammenstellung klarer medizinisch-therapeutisch-pädagogischer Standards formuliert, die einen Beitrag für eine gesunde Entwicklung und Entfaltung ermöglichen sollen. Dabei gilt es, alle Schritte von der Geburt bzw. der Erstversorgung bei der Ankunft im Land an zeitnah so optimal wie möglich zu begleiten. Oft mangelt es aber an Zeit, Experten für Trauma-Behandlung oder auch Dolmetschern.

Die Expertengruppe forderte nachdrücklich eine frühest- und bestmögliche Integration ins Sozial-, Bildungs- und Gesundheitssystem, damit diese Kinder nicht zu einer chronisch kranken “verlorenen Generation” am Rand der Gesellschaft heranwachsen. Die Vorarbeit sei geleistet, eigentlich müsste man die Richtlinien nun einfach nur umsetzen.

Allerdings scheitere es oft an Zuständigkeiten oder den Kosten. “Alles, was wir jetzt unterlassen, wird uns später auf den Kopf fallen”, zeigte sich Vavrik überzeugt. Das zivilgesellschaftliche Engagement ist am Limit.

Anlässlich des Internationalen Tages der Kinderrechte am Sonntag kritisierte die Juristin und Aktivistin Elisabeth Schaffelhofer-Garcia-Marquez die jüngste Asylnovelle, die am 1. Juni 2016 in Kraft getreten ist und sprach von einer klaren Verletzung der Konvention. Regelungen zum Familiennachzug wurden massiv verschärft: Subsidiär schutzberechtigte Jugendliche dürfen jetzt erst nach drei Jahren eine Zusammenführung beantragen. Der Artikel 10 der UNO-Kinderrechtskonvention fordere, dass die Vertragsstaaten “zwecks Familienzusammenführung gestellte Anträge wohlwollend, human und beschleunigt bearbeitet.”

Die “Konvention über die Rechte des Kindes” wurde am 20. November 1989 von der UNO-Generalversammlung angenommen. In Österreich ist die Konvention der Vereinten Nationen am 5. September 1992 auf Stufe eines einfachen Bundesgesetzes in Kraft getreten, seit 16. Februar 2011 sind einzelne Teile im Verfassungsrang, was eine unmittelbare Anwendbarkeit durch Gerichte und Verwaltungsbehörden bedeutet.

(APA)

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