Gibt es das Fett-Gen?

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Gibt es das Fett-Gen wirklich?
Gibt es das Fett-Gen wirklich? - © APA/dpa/Boris Roessler
Viele Menschen wenden sich enttäuscht von Diäten ab und akzeptieren ihr Übergewicht schweren Herzens. Der Abnehmerfolg bleibt aus – egal, was sie dafür tun. Tritt doch ein Erfolg ein, ist er alsbald wieder verschwunden. Ihr Kummer wird von Freunden, die scheinbar essen können, was immer sie wollen, ohne zuzunehmen, noch verstärkt. Was macht den Unterschied zwischen ihnen aus? Forscher sind der Meinung, das Geheimnis des Übergewichts entschlüsselt zu haben. Sie machen das Gen crtc3 verantwortlich.


Die aus den USA stammenden Forscher zeigten, dass das Gen crtc3 den Energieumsatz in den Fettzellen beeinflusst. Wer eine besonders aktive Variante des Gens in sich trägt, spart Energie. Er verbrennt weniger Fett und neigt aus diesem Grund dazu, dick zu werden. Der Zusammenhang zwischen crtc3 und Fettleibigkeit konnte sowohl bei Mäusen als auch beim Menschen erfolgreich nachgewiesen werden. Mäuse, bei denen das Gen ausgeschaltet wurde, entwickelt trotz sehr energiereicher Nahrung kein Übergewicht. Eine Ausschaltung des Gens würde somit auch beim Menschen neue Behandlungsansätze gegen Adipositas ermöglichen.

crtc3 steuert Stoffwechsel

Bereits in früheren Studien wurde deutlich, dass crtc3 eine zentrale Rolle in der Steuerung von Stoffwechselvorgängen einnimmt. Die US-Forscher wollten den Einfluss des Gens auf den Fettstoffwechsel untersuchen und schalteten das Gen zu diesem Zwecke in einigen Mäusen ab. Diese Mäuse durften anschließend so viel essen, wie sie wollten. Als Vergleichstiere wurden Mäuse mit einem unveränderten crtc3-Gen verwendet.

Die Mäuse, deren Gen abgeschaltet wurde, blieben schlank. Ihre Artgenossen hingegen nahmen bei gleicher Nahrung stark zu. Auch hinsichtlich des entstandenen Fettgewebes zeigten sich unterschiede. Mäuse ohne crtc3 verfügten vorwiegend über braunes Fettgewebe. In diesem findet ein schneller Energieumsatz statt. Die gespeicherten Fettsäuren werden dort bei Bedarf verbrannt.

Mäuse mit normalem ctrc3-Gen hingegen bildeten vorwiegend weißes Fettgewebe aus. In diesem wird Energie in Form von Fetten und Fettsäuren eingelagert. Andere Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass schlanke Menschen ebenfalls überdurchschnittlich viel braunes Fettgewebe besitzen, während dicke Menschen zu weißem Fettgewebe neigen.

Aktives Gen macht Übergewicht – auch beim Menschen

Zur Übertragung der Forschungsergebnisse auf den Menschen suchten die Wissenschaftler Patientendatenbanken ab. Sie wollten Träger des Gens ausfindig machen. Bei einer Gruppe mexikanischstämmiger US-Amerikaner fanden sie den erwarteten Zusammenhang – Träger der aktiven Variante des Gens neigten deutlich häufiger zu Übergewicht.

Es bleibt jedoch noch zu klären, auf welchem Wege crtc3 den Stoffwechsel und die Menge des braunen Fettgewebes beeinflusst. Die Hinweise darauf, dass falsche Ernährung und Bewegungsmangel nicht alleine für das Übergewicht mancher Menschen verantwortlich gemacht werden können, mehren sich. Die genetische Ausstattung scheint ebenfalls eine zentrale Rolle einzunehmen. Die Forscher indes erklären das Vorhandensein der aktiven ctrc3-Variante mit der Evolution. In der Entwicklungsgeschichte unserer Spezies hatten Energiesparer einen klaren Vorteil. Sie waren für „schlechte Zeiten“ gerüstet. In der heutigen Zeit, in der wir in einem Überfluss von Nahrung leben, haben Energiesparer jedoch einen Nachteil. Sie werden fettleibig und neigen zur Entwicklung zahlreicher Zivilisationskrankheiten, die direkt mit dem Übergewicht in Verbindung stehen.

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