29. September 2012 16:48; Akt.: 29.09.2012 16:48

Gott als kiffender Rastaman – Schrilles Musical “Moses” in München

"Super, ich war noch nie am Meer! Aber ich kann nicht schwimmen". Nicht nur wegen seiner eigenwilligen Dialoge sorgt das Musical für Aufsehen. "Super, ich war noch nie am Meer! Aber ich kann nicht schwimmen". Nicht nur wegen seiner eigenwilligen Dialoge sorgt das Musical für Aufsehen. - © Youtube
Die Bibel – ein aktuelles Buch? Wenn es nach Regisseur Simon Solberg geht, finden sich jede Menge Bezüge zwischen dem Alten Testament und der Gegenwart.

alt Korrekturen melden

Das zeigte er mit seiner kraftvollen, stürmischen und dichten Inszenierung des “Moses”-Stoffes als Mash-up-Musical im Volkstheater München. Mit der Premiere am Freitagabend startete das Haus erfolgreich in die neue Saison – die Aufführung verleitete das Publikum immer wieder zu begeistertem Szenenapplaus.

“Herr, wir haben hier ein Problem”

“Mash up” meint Vermischung, und das ist dem Regisseur in jeder Hinsicht gelungen: Er mischt das Theater mit Musical und Filmeinspielungen, die originale Textvorlage des Alten Testaments mit Interpretationen und flotten Sprüchen, wechselt zwischen Rap und Popmusik, tauscht die Wüste gegen eine Müllhalde und lässt Gott als kiffenden Rastaman erscheinen. Die verfolgten Hebräer freuen sich auf ihrer Flucht, endlich einmal ans Meer zukommen: “Super, ich war noch nie am Meer! Aber ich kann nicht schwimmen – Herr, wir haben hier ein echtes Problem!”

Die Geschichte des biblischen Moses – als Rapper dargestellt von Johannes Schäfer – verliert Solberg in seinem “Mash up” jedoch nicht aus den Augen: das Baby im Schilfkörbchen, das von der ägyptischen Pharaonen-Tochter aufgenommen wird, die Erscheinung Gottes im brennenden Dornbusch, die sieben Plagen, die Wanderung durch die Wüste, die Verkündung der zehn Gebote, Brudermord und Götzendienst am Goldenen Kalb.

Krieg und Mord im Namen Gottes

Um all diese Ereignisse strickt der Regisseur seine Inszenierung, versehen mit stark überzeichneten, satirischen, irritierenden Elementen und vielen Bezügen zur Gegenwart. Die Suche nach politischen Anführern, Zweifel am System, Kampf gegen Hunger, Durst und Elend, dazu Krieg und Verfolgung. Der Solbergsche “Moses” ist keine Verballhornung, keine Persiflage, sondern vielmehr eine kritische Auseinandersetzung, die zeigen soll, wie aktuell Themen des Alten Testaments sein können.

Auch die Rolle Moses’ stellt Solberg in Frage. Er sieht ihn als “historisch fragwürdige Persönlichkeit: Er veranlasste Krieg und Völkermord – und das im Namen Gottes!”, sagte der Regisseur vor einigen Tagen in einem Interview mit der Zeitung “Die Welt”. Die Inszenierung soll ein “poppiger Versuch sein, sich ethisch-politischen Grundfragen zu stellen”.

Weitere Produktionen des Münchner Volkstheaters in der Saison 2012/13 sind “Die Leiden des jungen Werther” und die von Intendant Christian Stückl selbst inszenierte Aufführung von Georg Büchners “Danton’s Tod”.

(APA)



Kommentare 0

Neuen Kommentar schreiben

 
 
1000
/1000 Zeichen übrig

Mehr auf Salzburg24.at
Deutscher Maler Gotthard Graubner gestorben
Seine Bilder hängen im Berliner Reichstag und beim Bundespräsidenten: Gotthard Graubner war berühmt für seine [...] mehr »
Erste Preise bei Filmfestspielen Cannes vergeben
Im Rahmen der 66. Filmfestspiele Cannes sind die ersten Auszeichnungen vergeben worden. Der französische Filmemacher [...] mehr »
Besucherrekord bei der 9. “Langen Nacht der Kirchen”
Sie ist das größte ökumenische Ereignis des Jahres in Österreich: Die "Lange Nacht der Kirchen". Mehr als 330.000 [...] mehr »
Sommerspiele Schloss Sitzenberg zeigen Schnitzler
Die Sommerspiele Schloss Sitzenberg im Bezirk Tulln setzen 2013 zum zehnjährigen Jubiläum auf Arthur Schnitzler. [...] mehr »
“Dancing Stars”-Finale bescherte ORF Rekord-Quoten
Das Finale der achten Staffel der Tanzshow "Dancing Stars" hat am Freitagabend dem ORF Rekord-Quoten beschert. Bis zu [...] mehr »
Mehr Meldungen »

Sie sind bei Facebook? Wir haben etwas Besonderes für Sie ...

Wenn Sie jetzt Ihren Facebook-Account mit %s verknüpfen, haben Sie einfachen Zugang zur beliebten Kommentar-Funktion auf %s, können Artikel einfach mit Ihren Freunden teilen - und auch selbst Fotos und Artikel auf %s hochladen.

{username}


Passwort vergessen?
{username}

Bitte max. 32 Zeichen verwenden

Ihren Benutzernamen können Sie hier ändern. Wir schlagen vor, dass Sie Ihren richtigen Namen verwenden, um an Diskussionen teilzunehmen.

Muss eine gültige E-Mail-Adresse sein

Benachrichtigungen und Newsletter (falls gewollt) werden an diese Emailadresse versendet. Ihre Privatsphäre ist uns wichtig

{username}%s antworten

OK, {username} - nun ist alles eingerichtet.

OK

Der Benutzer mit dem Sie sich einlochen wollen ist noch nicht aktiviert. Bitte klicken Sie auf den Aktivierungslink den wir Ihnen an %s gesendet haben. Aktivierungsmail erneut schicken OK

Anmelden

Facebook-Benutzer?

Sie können Ihren Facebook-Account zum Anmelden verwenden:

Mit Facebook verbinden



Passwort vergessen?
Neu registrieren