Feuerpause in Syrien zu Ende

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Syrien liegt in Schutt und Asche
Syrien liegt in Schutt und Asche - © APA (AFP)
Die Waffenruhe in Syrien ist am Montag ausgelaufen. Um Mitternacht verstrich die Frist für das von der Armee ausgerufene “Regime der Ruhe”, ohne dass eine Verlängerung bekannt wurde. Rebellenvertreter sagten der Nachrichtenagentur Reuters, die Waffenruhe sei faktisch gescheitert. Damit deutete sich an, dass auch Hilfslieferungen für Aleppo die belagerte Stadt nicht erreichen würden.

Die Friedensbemühungen wurden von einem US-geführten Angriff belastet, bei dem Dutzende syrische Soldaten ums Leben kamen. Die USA und Russland hatten sich vor etwa einer Woche auf ein Ende der Kämpfe in dem seit mehr als fünf Jahren anhaltenden Bürgerkrieg verständigt. Dies galt als Chance zur Versorgung der Bevölkerung und für Verhandlungen über einen dauerhaften Frieden.

Waffenruhe in Syrien “praktisch gescheitert”

Allerdings sagte der Rebellenkommandeur Sakaria Malahifji Reuters, die Waffenruhe sei “praktisch gescheitert und am Ende”. Er deutete an, dass die Aufständischen die Kämpfe wieder aufnehmen könnten: “Ich kann mir vorstellen, dass die Gruppen in nächster Zukunft handeln.” Auch der Kommandant Fares al-Bayush von der Freien Syrischen Armee sagte, die Waffenruhe könne in ihrer jetzigen Form nicht fortbestehen. Die Regierung in Damaskus und die Rebellen haben sich in den vergangenen Tagen gegenseitig einen Bruch der Waffenruhe vorgeworfen.

Während der Feuerpause sollten zwei Konvois Hilfsgüter nach Aleppo bringen, wo im Osten der Stadt bis zu 275.000 Menschen von der Versorgung abgeschnitten sind. Die Lastwagen hängen jedoch an der türkisch-syrischen Grenze fest. Der für humanitäre Hilfe zuständige UNO-Vertreter Stephen O’Brian zeigte sich am Montag enttäuscht. Es schmerze ihn, dass die Hilfe ihr Ziel nicht erreicht habe. Den UN zufolge hat die syrische Regierung weder Sicherheitsgarantien gegeben noch Genehmigungen für eine Weiterreise erteilt.

Luftangriff auf Stellungen der syrischen Armee

An dem Luftangriff auf die syrische Armee-Stellung am Samstag waren auch Kampfjets aus Großbritannien, Dänemark und Australien beteiligt. Während das US-Militär sein Bedauern ausgedrückt hatte, erklärte der dänische Verteidigungsminister Peter Christensen, es würden zunächst “glaubwürdigere Quellen” zu den Angaben benötigt. Bisher liege nur ein russischer Bericht vor, sagte er der Nachrichtenagentur Ritzau.

Die Türkei kündigte an, sie werde bei ihrem Kampf gegen die Extremisten-Miliz Islamischer Staat in Syrien weiter nach Süden vorstoßen. Bisher habe die Armee ein Gebiet von etwa 900 Quadratkilometern unter ihre Kontrolle gebracht, sagte Präsident Recep Tayyip Erdogan vor seinem Abflug zur UNO-Vollversammlung in New York. “Wir werden dieses Gebiet als Teil einer Sicherheitszone möglicherweise auf 5.000 Quadratkilometer ausweiten”, kündigte er an.

Mindestens 470.000 Tote bei Krieg in Syrien

Der Krieg in Syrien habe bisher mindestens 470.000 Todesopfer gefordert, 400.000 Personen seien unmittelbar durch Kampfhandlungen gestorben, weitere 70.000, weil es keine ausreichende medizinische Versorgung mehr im Land gebe. Das sagte der Nahost-Experte Stefan Maier von der Caritas-Salzburg am Montag in Salzburg im Rahmen der Jahrestagung der Initiative Christlicher Orient (ICO), wie Kathpress meldete.

11,5 Prozent der syrischen Bevölkerung sei bisher getötet oder verletzt worden, so Maier. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Syrer sei von 2010 auf 2015 von 70,5 auf 55,4 Jahren gesunken. Die Lebensbedingungen der syrischen Flüchtlinge seien katastrophal. Maier sprach von einer “verlorenen Generation” – Millionen Kinder ohne ausreichende Bildungsmöglichkeiten. Die Caritas bemühe sich daher in ihren Hilfsprogrammen inzwischen vor allem, Flüchtlingskindern den Schulbesuch zu ermöglichen.

2,7 Millionen syrische Flüchtlinge in der Türkei

Allein die Türkei habe 2,7 Millionen syrische Flüchtlinge aufgenommen. Die Türkei sei damit weltweit das Land mit den meisten aufgenommen Flüchtlingen. Im Libanon gebe es mehr als eine Million offiziell registrierte syrische Flüchtlinge. Die Dunkelziffer werde von Experten und Behörden auf bis zu zwei Millionen geschätzt. Der Libanon sei damit mit einer eigenen Bevölkerung von rund vier Millionen mit Abstand jenes Land, das weltweit die höchste Flüchtlingsbelastung.

Die Lage in Syrien sei so schlimm, dass 250.000 Menschen sogar im selbst vom Krieg gebeutelten Irak Zuflucht gesucht hätten. Auch Jordanien habe mit 657.000 Flüchtlingen eine ungeheure Belastung zu tragen, berichtete Maier.

(APA/ag.)

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