Grödig überraschte und war doch fast enttäuscht

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Für Grödig war sogar mehr drin
Für Grödig war sogar mehr drin
In den Jubel über den ersten Punkt gegen RB Salzburg im sechsten Anlauf hat sich bei Grödig am Sonntag sogar leichte Wehmut gemischt. Denn angesichts des Spielverlaufs träumte der Dorfclub lange vom Sieg, den erst Marcel Sabitzer in der 81. Minute verhinderte. Das späte 2:2 für die 60 Minuten lang dezimierten “Bullen” sorgte schließlich dafür, dass beide Seiten zumindest zufrieden sein durften.


Vor dem Hintergrund der bisherigen fünf Niederlagen gegen die haushohen Favoriten (Torverhältnis 2:24) konnte Grödig-Coach Michael Baur ein klar positives Fazit ziehen. “Wir sind mit dem 2:2 glücklich. Ich bin sehr stolz auf die Truppe. Das war eine großartige Leistung”, sagte der Tiroler, auch wenn er angesichts der langen Führung von einer gewissen “Enttäuschung in der Kabine” berichtete.

Baur hatte aus der 0:8-Pleite im ersten Saisonduell seine Schlüsse gezogen und eine sehr defensiv ausgerichtete Aufstellung gewählt. “Wir wollten das Zentrum heute dicht machen”, erklärte er zu den drei defensiven Mittelfeldakteuren, die vor der Viererkette postiert waren. Der Plan, aus dieser Bastion heraus den schnellen Konter zu suchen, ging nicht zuletzt dank Salzburg-Leihgabe Yordy Reyna (“Wir wissen dass der Yordy mit seiner Schnelligkeit vielen Teams Probleme bereiten kann”) auf.

Der Peruaner düpierte schon in der siebenten Minute nach einem Konter Salzburg-Goalie Peter Gulacsi. “Das war ein absolut haltbarer Treffer”, musste sich Salzburgs Coach Adi Hütter just an seiner ehemaligen Wirkungsstätte ärgern. Und auch beim zweiten Grödiger Tor wurde die Defensive blitzschnell ausgehebelt – mit folgenschwerer Wirkung: Gulacsi sah für den Torraub an Reyna Rot, und Huspek versenkte den Elfer gegen den neuen Tormann Alexander Walke (37.).

“Die Rote Karte und der Elfer haben den Ausschlag gegeben. Da waren wir gut im Spiel, und dann darf uns das nicht passieren, dass sich Reyna den Ball im Mittelfeld mitnimmt und dann mit einem Doppelpass durchkommt”, befand Kevin Kampl, der Schütze des zwischenzeitlichen 1:1 (22.). Er trieb sein Team auch in Unterzahl und Rückstand an, erst die Einwechslung der frischen Offensivkräfte Jonatan Soriano, den Hütter vorerst geschont hatte, und Bruno gaben dem Spiel aber die Wende.

Der etatmäßige Kapitän Soriano bediente in der 81. Minute Sabitzer, dessen Schuss Grödigs Tormann Cican Stankovic noch berührte und mit etwas Glück sogar halten hätte können. “Leider haben wir die Sensation nicht über die Runden gebracht”, meinte der 21-jährige Schlussmann, der im Sommer zu Red Bull wechselt. “Es ist aber ein Riesenerfolg, wird sind zuletzt von Salzburg immer abgeschossen worden.”

Baur, dessen Rezept gegen Salzburg u.a. in einer “harten, aber nicht unfairen” Spielweise liegt, suchte die Erklärung für zwei verlorene Punkte auch in der nachlassenden Aggressivität nach dem Seitenwechsel. “Hätten wir die Bissigkeit auch in der zweiten Hälfte beibehalten können, wäre sich vielleicht sogar der Sieg ausgegangen”, mutmaßte der 45-Jährige.

So oder so war für ihn eines klar: “Auf solche Spiele kann man aufbauen.” Baur, dessen Truppe am Mittwoch im Cup-Achtelfinale bei Zweitligist St. Pölten bzw. am kommenden Wochenende in Wr. Neustadt gastiert, hofft freilich, dass der gezeigte Biss nicht nur angesichts von “Übermannschaften” wie Salzburg vorhanden ist: “Wir müssen auch gegen kleinere Gegner solche Leistungen abrufen.”

Hütter konnte nach “ereignisreichen 90 Minuten mit dem Punkt gut leben”, er führte auch die Belastung in der Europa League ins Treffen. “Nach dem schweren Spiel am Donnerstag hat man immer wieder gesehen, dass wir uns nicht schlagen lassen wollen. Was meine Mannschaft mit einem Mann weniger gezeigt hat, war schon sehr gut”, erklärte der Vorarlberger, dessen Team am Mittwoch im Cup bei Zweitligist Wacker Innsbruck antritt.

Wirklich enttäuscht war Hütter nur über das vorzeitige Aus von Alan, der in der 73. Minute mit einer Knöchelverletzung vom Platz getragen werden musste. Es besteht der Verdacht auf einen Bänderriss. “Das ist der einzige Wermutstropfen, hoffentlich fällt er nicht länger aus. Das wäre in unserer Situation absolut bitter”, sagte der Trainer, dem mit Nils Quaschner bereits ein weiterer Stürmer bis Jahresende verletzt fehlt.

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