Große Zustimmung zu geplanter Primärversorgung

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Ambulanz für viele erste Anlaufstelle
Ambulanz für viele erste Anlaufstelle - © APA (dpa/Symbolbild)
Die Österreicher begrüßen mit großer Mehrheit die geplante medizinische Primärversorgung. Das geht aus einer am Mittwoch präsentierten GfK-Umfrage im Auftrag des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger hervor. Hauptverbands-Chefin Ulrike Rabmer-Koller liest daraus den Auftrag heraus, verstärkt neue Versorgungsformen anzubieten.

Die geplante Primärversorgung befürworten 88 Prozent der Befragten, im Vorjahr waren es noch fünf Prozentpunkte mehr. GfK-Meinungsforscher Rudolf Brettschneider gesteht allerdings zu, dass die meisten Menschen die Primärversorgung nur aus den Medien kennen. Die gleichzeitig geplante telefonische, webbasierte Erstauskunft für Patienten begrüßen 77 Prozent. Als größten Vorteil der Primärversorgung nennen 53 Prozent kürzere Wartezeiten. Die Wartezeiten sind gleichzeitig aus der größte Kritikpunkt an den praktischen Ärzten und einer der Hauptgründe, warum Menschen einen Wahlarzt aufsuchen.

Für die derzeit im Probebetrieb in Deutschlandsberg laufende E-Medikation interessieren sich 69 Prozent der Österreicher. Von den 31 Prozent, die kein Interesse daran zeigen, geben 53 Prozent an, dass sie dem Arzt oder Apotheker vertrauen. 50 Prozent haben Bedenken wegen dem Datenschutz. Immerhin 19 Prozent haben sich generell gegen alles entschieden, was mit ELGA zu tun hat.

Als erste Anlaufstelle bei einem medizinischen Problem geben 47 Prozent den Hausarzt an. Das sind um fünf Prozentpunkte weniger als vor zwei Jahren. 48 Prozent gehen direkt zum Facharzt. Immerhin neun Prozent wenden sich direkt an eine Spitalsambulanz (2015 zehn Prozent, 2014 sieben Prozent), vor allem junge Menschen. Ob Migranten überproportional vertreten sind, konnte Bretschneider nicht sagen. Als Grund dafür geben zwar zwei Drittel dieser neun Prozent einen Notfall an, rund ein Drittel nennt aber auch medizinische Gründe – 33 Prozent eine bessere Ausstattung mit Geräten und 30 Prozent eine bessere bzw. umfassendere Versorgung.

Einen Wahlarzt suchen 43 Prozent der Österreicher auf. Als Hauptgrund dafür wird der Zeitfaktor anführt. 48 Prozent sagen, weil er sich mehr Zeit für das Gespräch mit dem Patienten nimmt, 44 Prozent weil die Wartezeiten kürzer sind. Die Wahlarztrechnung eingereicht haben knapp drei Viertel derjenigen, die bei einem solchen Arzt waren. Vor den 26 Prozent oder rund 833.000 Personen, die das nicht gemacht haben, sagt fast die Hälfte (48 Prozent), dass sich der Aufwand nicht lohne, weil der refundierte Betrag so gering sei.

An den praktischen Ärzten stören die Österreicher am meisten die langen Wartezeiten (31 Prozent). Die Zufriedenheit mit den Leistungen der Krankenkassen bei praktischem und Facharzt liegt bei 76 Prozent. Im Vorjahr waren es noch 80 Prozent.

Rabmer-Koller sieht in den Ergebnissen den Auftrag, die Gesundheitsreform umzusetzen und verstärkt neue Versorgungsformen anzubieten. Dass für den Ausbau der Primärversorgung im neuen Finanzausgleich insgesamt 200 Millionen Euro vorgesehen sind, freut die Hauptverbands-Chefin. Zur relativ hohen Inanspruchnahme der Wahlärzte stellte sie klar, dass dafür keine Einschränkungen geplant seien, auch nicht bei den Kostenersätzen. Rabmer-Koller strebt eine Stärkung der Vertragsärzte an, will aber gleichzeitig auch eine engere Anbindung der Wahlärzte an das System. An die Ärztekammer richtete sie in diesem Zusammenhang das Angebot, gemeinsam das System weiterzuentwickeln und das Versorgungsangebot für die Patienten zu verbessern.

GfK hat für die Studie 2.000 Österreicher ab 15 Jahren befragt, durchgeführt wurde die Befragung bereits im Mai.

(APA)

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