Großvenediger: Pächter der Kürsingerhütte gekündigt

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Undatierte Archivaufnahme der Kürsinger-Hütte mit Blick auf den "Grossen Geiger".
Undatierte Archivaufnahme der Kürsinger-Hütte mit Blick auf den "Grossen Geiger". - © APA/ÖAV/Sektion Salzburg/Archiv
Der Pächter der Kürsingerhütte am Großvenediger (Pinzgau) ist im 175-Jahr-Jubiläum der Erstbesteigung des höchsten Berges Salzburgs (3.666 Meter) vom Alpenverein gekündigt worden. Die Sektion Salzburg wirft ihm Zahlungsrückstände vor und schrieb die Hütte zur Pacht aus. Der Vater von fünf Kindern kämpft um seine Existenzgrundlage. Er kritisiert den Abrechnungsmodus und beeinspruchte die Kündigung.

Emil Widmann erhielt die Kündigung des Pachtvertrages am 16. September. Der Bergführer und Bergretter steht schon seit längerem im Konflikt mit dem Besitzer der auf 2.558 Meter Seehöhe gelegenen Alpenvereinshütte, der Sektion Salzburg. Es geht um Abrechnungsmodalitäten und offenbar um den – bisher nicht erfüllten – Wunsch des Wirten, für die Materialseilbahn eine Genehmigung für einen eingeschränkten Personenverkehr zu erhalten, damit vor allem bei Schnee das Personal leichter auf die Schutzhütte kommt, die nur über einen schmalen Steig erreichbar ist. Die Hütte bietet 150 Schlafplätze. Sie wurde 1886 errichtet, seither mehrmals vergrößert und modernisiert.

Alpenverein Salzburg – Kürsingerhütte ab 25.09. geschlossen!

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Die Kündigung sei ohne Vorwarnung nach Ende der Feierlichkeiten und der Jubiläumstour auf den Großvenediger ausgesprochen worden, schilderte Widmann im Gespräch mit der APA. Er möchte die Hütte weiterhin pachten. “Ich habe mich sehr engagiert in den letzten Jahren. Du brauchst 120 Prozent Energie als Hüttenwirt.” Als er die Hütte vor neun Jahren übernommen habe, seien rund 3.000 Nächtigungen im Jahr verbucht worden, jetzt liege man bei 5.500. Zudem habe er den Gästetransport mit dem Venedigerbus aufgebaut, der die Bergsteiger bis zum Beginn des Hüttenanstieges bringt. Weiters betreibe er ein Bergführerbüro in Neukirchen, das zahlreiche Bergführer für Touren in der Venediger-Gruppe in den Hohen Tauern engagiere, und es sei ihm gelungen, das Bundesheer und den Alpenverein für Ausbildungskurse auf der Hütte zu gewinnen.

Für den Shuttle mit dem Venedigerbus gilt ab …

Für den Shuttle mit dem Venedigerbus gilt ab sofort der Sommerfahrplan: http://www.kuersinger-huette.at/anreise/venedigerbus/ Parkplatz Hopffeldboden, Eingang Obersulzbachtal 08.45 Uhr 09.45 Uhr 14.45 Uhr 15.45 Uhr Talstation Materialseilbahn, Oberer Keesboden 09.15 Uhr 10.15 Uhr 15.15 Uhr 16.15 Uhr

“Alpenverein Salzburg hatte keine andere Wahl”

Als Kündigungsgrund führte die Sektion Salzburg “Probleme mit der Erfüllung des Pachtvertrags und ausständigen Zahlungen” an, wie Vorsitzender Ulrich Mühlthaler auf APA-Anfrage erklärte. “Der Alpenverein Salzburg hatte keine andere Wahl, als den Pachtvertrag mit dem Hüttenwirt auslaufen zu lassen und nicht mehr zu verlängern.” Die Sektion habe mehrfach das Gespräch mit Widmann gesucht und Zahlungsfristen gesetzt. “Leider hat er darauf nicht reagiert. Wir bedauern diese Entwicklung, sahen uns allerdings gezwungen, die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen.” Die Hütte sei auf der Homepage ausgeschrieben, “es gibt jede Menge neue Bewerber”.

Der Zahlungsrückstand betreffe einen Zeitraum von mehreren Monaten. Dass die Hütte besser gehe als vor der Zeit von Widmann, stimme nicht, meinte der Vorsitzende. Generell seien mehr Bergsteiger und Wanderer in den Bergen unterwegs, das liege derzeit im Trend. Die Sektion bemühe sich auch schon seit Jahren um einen Werksverkehr für die Seilbahn, man wisse nur noch nicht, was das kostet.

Personen-Seilbahn zur Kürsingerhütte verweigert

Der Wirt entgegnete, dass sein Ansuchen um einen eingeschränkten Personenverkehr strikt verneint worden sei, mit dem Argument, das würde zu viel kosten. “Meine Idee, ein Ingenieur aus Vorarlberg, ein für den Alpenverein tätiger Sachverständiger, soll sich die Seilbahn ansehen und Vorschläge machen, wurde abgelehnt. Mit der derzeitigen Bahn ist die Hütte im Winter fast unmöglich zu bewirtschaften, man bringt die Leute nicht herauf.” Laut Vertrag liege die gesamte Haftung für den Betrieb der Seilbahn beim Pächter. Derzeit ist nur der Materialtransport erlaubt.

Es stimme, dass die Abrechnungen von Juli, August und September noch ausständig gewesen seien, sagte der langjährige Pächter. Der Abbrechungsmodus samt dem Online-Reservierungssystem sei immer komplizierter geworden, in der Hochsaison gebe es auf der Hütte viel zu tun. Um das alles zu bewältigen, müsste man auf der Hütte eine eigene Rezeptionistin beschäftigen, sagte Widmann. “Ich weiß nicht, ob das die Zukunft ist.”

Konflikt um Kürsingerhütte schwelt seit 2014

Die Zahlen würden im Büro der Sektion in ein Computersystem gespeist, “und dann fordern sie nach”, so der Wirt. “Mit dem Abrechnungssystem setzen sie mich unter Druck. Der Konflikt schwelt schon seit 2014. Sie wollen mich jetzt einfach loswerden.” Den Pachtvertrag bezeichnete Widmann als “sehr einseitig”. Die Haftungen für den Betrieb würden großteils beim Pächter liegen. Bei der Abrechnung könne die Sektion ihre Forderungen gegenüber dem Pächter direkt in Abzug bringen.

Der Wirt einer hochalpinen Schutzhütte der Kategorie I ist praktisch “Mädchen für alles”. Er kümmert sich nicht nur um die Bewirtschaftung seiner vorangemeldeten und nichtangemeldeten Gäste – vergangenes Wochenende wurde die Hütte bei schönem Wetter mit rund 110 Nächtigungen regelrecht gestürmt. Er rückt auch aus, wenn Bergsteiger vermisst werden oder verletzt sind, legt eine Leiter über eine Gletscherspalte, damit die Bergsteiger den Gipfel erreichen können, springt selbst als Bergführer ein, wenn ein Kollege kurzfristig absagt und der Gast schon auf der Hütte wartet, und kümmert sich auch um die Instandhaltung der technischen Anlagen der Hütte. Nicht zuletzt ist seine Persönlichkeit auch ausschlaggebend für eine freundliche Hüttenatmosphäre, in der sich die Bergsteiger und Bergführer wohlfühlen können.

(APA)

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