4. Juli 2012 17:57; Akt.: 4.07.2012 17:57

Gutachten beschreibt Esti C. als in Turm gesperrte “Prinzessin”

Die mutmaßliche Doppelmörderin soll sich wie eine in einen Turm gesperrte Prinzessin gefühlt haben. Die mutmaßliche Doppelmörderin soll sich wie eine in einen Turm gesperrte Prinzessin gefühlt haben. - © APA
Das psychiatrische Gutachten beschreibt die unter Doppelmord-Verdacht stehende Estibaliz C. wörtlich als “Prinzessin”, die “sich erhofft, von einem Mann ‘gerettet’ zu werden”. Die 33-Jährige leide weiters  unter einer “kombinierten Persönlichkeitsstörung mit abhängigen, narzisstischen, histrionischen und disozialen Komponenten.” Einen Grund für diese Störung sieht die Psychiaterin in der schweren Kindheit der Verdächtigen.

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Wie berichtet liegt das psychiatrische Gutachten zu Estibaliz C. vor. Die psychiatrische Sachverständige Adelheid Kastner führt die persönlichkeitsstörung vor allem auf eine äußerst schwierige Kindheit mit einem dominanten, teilweise brutalen Vater zurück. Seither sei es Estibaliz C. “praktisch nicht möglich, sich in der direkten Konfrontation gegenüber Männern (…) zu positionieren oder gar durchzusetzen”.

Esti C.: Eine Prinzessin, die gerettet werden will?

Die Gutachterin beschreibt die Frau wörtlich als “Prinzessin”, die “sich erhofft, von einem Mann ‘gerettet’ zu werden”. Sie habe sich ihren jeweiligen Partnern völlig untergeordnet, sei dabei aber nicht glücklich geworden: “Um im Bild zu bleiben, findet sich die ‘Prinzessin’ eingeschlossen in einen Turm, den sie durch ihr eigenes Verhalten mit errichtet hat und dessen einziger von ihr wahrgenommener Ausgang durch den mittlerweile zu bedrohlichen Dimensionen angewachsenen Partner blockiert wird, dessen Bedrohlichkeit hauptsächlich darin liegt, dass er das Verlassen des Turms, also das Beziehungsende, nicht zulässt und sie nicht freigibt, ihr damit aber den Weg zu lohnenderen Partnerschaften versperrt”.

Beziehungen konnte sie auf anderem Wege nicht beenden

Da Estibaliz C. nicht imstande sei, von ihr nicht mehr erwünschte Beziehungen zu beenden, “bleiben im Wesentlichen nur mehr deviante Auswege”, hält die Gerichtspsychiaterin fest. Selbstmord komme für Estibaliz C. nicht infrage, weshalb der Ausweg in der “Elimination desjenigen Hindernisses” bestünde, “das einer neuen und erhoffterweise vorteilhafteren Beziehung im Weg steht”.

Die Ehe mit dem Deutschen Holger H. beschrieb Estibaliz C. der Gutachterin als zunehmend unerträglich, zumal dieser ihren Kinderwunsch ignoriert hätte. Auch nach dem Übersiedeln nach Wien sei sie als Ehefrau “dauernd gekränkt, oft wütend, voller Frust und Hass, allerdings ohne die Fähigkeit, ihre unterwürfigen Muster zu verlassen und sich offen zu konfrontieren” gewesen.

Mutmaßliche Doppelmörderin begann mehrere Affären

Die Affäre mit Manfred H. erschien Estibaliz C. als Befreiung aus dieser Misere. Sie drängte ihren Mann zur Scheidung, blieb jedoch aus wirtschaftlichen Gründen mit ihm verbunden, da sie sich keinen Angestellten in ihrem Eissalon in Wien-Meidling leisten konnte und auf die Arbeitskraft ihres Ex-Mannes angewiesen war.

Laut psychiatrischem Gutachten war die Tötung von Holger H. im Frühjahr 2008, der sich geweigert haben soll, “die Trennung faktisch durchzuziehen”, über Monate geplant. Nach mehreren anderen Liebschaften widmete sich Estibaliz C. dann wieder dauerhaft Manfred H., der sie aber zunehmend schlecht behandelt, beschimpft und sexuell nicht mehr interessant gefunden haben soll. Selbst als sie eine Affäre begann, um Manfred H. eifersüchtig zu machen, konnte Estibaliz C. nicht dessen Interesse wiedererwecken.

Anfang 2010 machte Esti C. den Waffenschein

Der Wunsch, diesen Mann zu erschießen, soll aufgetreten sein, als Estibaliz C. von anderen “Frauengeschichten” ihres Partners, bei dem sie sich zudem Geld ausgeborgt hatte, erfuhr und sein Profil auf einer Internet-Partnerbörse entdeckte. Anfang 2010 machte sie den Waffenschein und hielt Schießübungen ab. Auch diese Tat – Manfred H. kam im November 2010 ums Leben – dürfte demnach über Monate hinweg geplant gewesen sein.

Gutachterin: Weitere Tötungsdelikte möglich

Die Gerichtspsychiaterin attestiert der 33-Jährigen “massive Defizite, was die Fähigkeit zum emotionalen Einfühlen in andere betrifft”. Kastner geht in ihrem Gutachten davon aus, dass Estibaliz C. auch zukünftig “Tötungsdelikte an Beziehungspartnern” zuzutrauen sind, “die den an sie gestellten Anforderungen nach emotionaler Befriedigung und weitreichender emotionaler Versorgung nicht bzw. zunehmend nicht entsprechen, die sich aber weigern, den Weg frei zu machen für potenziell ergiebigere andere”.

Grundsätzlich gefährdet seien hauptsächlich jeweilige Partner der 33-Jährigen, “aber auch sämtliche relevanten missliebigen Anderen”, hält Kastner fest, die aufgrund dieser ungünstigen Zukunftsprognose eine “gut strukturierte und gesicherte Behandlung” im Maßnahmevollzug empfiehlt, sollte die 33-Jährige für die ihr angelasteten Verbrechen gerichtlich verurteilt werden. (APA)



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