Präsidentschaftswahl in Haiti mit einem Jahr Verspätung

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Haiti wählt ein neues Staatsoberhaupt
Haiti wählt ein neues Staatsoberhaupt - © APA (AFP)
Nach einer monatelangen Hängepartie haben die Haitianer einen neuen Präsidenten gewählt. Interimspräsident Jocelerme Privert gab seine Stimme am Sonntag in der Ortschaft Petit-Trou-de-Nippes im Westen des Landes ab und rief die Bürger dazu auf, wählen zu gehen. Das Wahlamt zog am Mittag (Ortszeit) eine positive Zwischenbilanz des Wahltages.

Bei früheren Wahlen war es immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen. Mit einen Ergebnis wird erst Anfang Dezember gerechnet. Sollte in der ersten Runde kein Kandidat die absolute Mehrheit erreichen, findet im Jänner kommenden Jahres eine Stichwahl statt. Rund 5,8 Millionen Haitianer waren aufgerufen, ihre Stimme abzugeben.

Der völlig verarmte Karibikstaat leidet unter einer politischen Dauerkrise. Die Wahl vom vergangenen Jahr war wegen Manipulationsvorwürfen annulliert worden. Die EU und die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) hielten die Wahl hingegen für grundsätzlich frei und fair. Sie vermuteten, dass die Opposition durch ihre Proteste das für sie ungünstige Ergebnis kippen wollte.

Seit der frühere Staatschef Michel Martelly im Februar ohne gewählten Nachfolger aus dem Amt schied, regiert Übergangspräsident Jocelerme Privert das Land. “Wenn das Land politisch blockiert bleibt, werden die dringendsten Bedürfnisse der Menschen weiterhin vernachlässigt”, sagte Astrid Hasfura von dem Analyseunternehmen Global Risk Insights.

Haiti leidet unter bitterer Armut, Gewalt und Korruption. Seit dem schweren Erdbeben 2010 ist das Land von internationaler Entwicklungshilfe abhängig. Erst vor wenigen Wochen zog Hurrikan “Matthew” über Haiti hinweg und richtete schwere Schäden an. Die eigentlich schon für Anfang Oktober geplante Präsidentenwahl war erneut verschoben worden.

27 Kandidaten bewarben sich am Sonntag um das höchste Staatsamt. Gute Chancen haben der vermögende Agrarunternehmer Jovenel Moise, der erfahrene Politiker Jude Celestin von der Partei Lapeh und die Ärztin Maryse Narcisse.

(APA/dpa)

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