15. Juni 2011 10:15; Akt.: 15.06.2011 10:15

Hallstatt Kopie sorgt weiter für Aufregung

Durch den kleinen idyllischen Ort Hallstatt (OÖ) geht derzeit eine Welle der Empörung. Durch den kleinen idyllischen Ort Hallstatt (OÖ) geht derzeit eine Welle der Empörung. - © APA
Dass der Weltkulturerbe-Ort Hallstatt im oberösterreichischen Salzkammergut in der chinesischen Provinz Guangdong als Wohnprojekt und Tourismus-Attraktion nachgebaut werden soll, schlägt weiter Wellen der Empörung im 864-Einwohner-Ort.

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Hallstatt ohne Kirchen ist nicht Hallstatt”, betonte der katholische Pfarrer Richard Czurylo im APA-Gespräch am Mittwoch. Aber er hält das Kopieren eines Gotteshauses als Attraktion für bedenklich. In dasselbe Horn stößt sein evangelischer Amtskollege Iven Benck: “Es hängt davon ab, wie die Kirche präsentiert wird. Ich würde mir wünschen, dass zumindest die Funktion des Gebäudes erklärt wird.”

Hallstatt mit dem charakteristischen Spitzturm der evangelischen Pfarrkirche direkt am See, oder das schmucke katholische Gotteshaus eingebettet im historischen Häusermeer – beide Bauten ziehen Touristen-Massen in den Salzkammergut-Ort. Zum Leidwesen der Geistlichkeit: “Immer wieder kommen während der Messen Menschen kurz in die Kirche, gehen umher und ziehen wieder weiter”, schilderte Benck die Lage. Ähnliches erzählte Pfarrer Czurylo. Nur wenige verharrten zumindest einige Minuten im Gebet. Man habe aber mit dem Umstand leben gelernt: “Man gewöhnt sich dran”, sagten beide.

Dass jetzt chinesische Architekten Gotteshaus-Kopien ins Land der aufgehenden Sonne holen wollen, löst gehöriges Unbehagen bei den Geistlichen aus: “Für Touristen sind es vielleicht Kunstwerke. Für uns sind es Bauwerke zur Ehre Gottes, und die sollen sie auch bleiben”, sagt Czurylo zur APA. Wenn man ein solches Gebäude aufstelle, sollten sich Menschen zumindest fragen, was der Sinn war oder ist.

Ähnlich denkt der evangelische Pfarrer Benck: “Es hängt für mich ab, wie es präsentiert wird. Wenn ich nur ein Museum daraus mache, dann geht es einfach an der Sache vorbei. Es muss ein Ort des Gebets bleiben oder zumindest soll man darauf in China dann hinweisen.” (Schluss) fob/ver/gl

“Wie wenn jemand eingebrochen hat”

 

Monika Wenger, Eigentümerin des Seehotels “GrünerBaum“, hat ein “unangenehmes Bauchgefühl”. Zu wissen, dass zwei oder drei Jahre lang immer wieder Menschen im Ort herumgelaufen seien und die Häuser fotografiert hätten, hinterlasse einen Eindruck “ein bisschen wie wenn jemand eingebrochen hat”. Andererseits finde sie es ehrenhaft, dass Hallstatt es wert sei, kopiert zu werden. “Es ist eine zweischneidige Geschichte.”

Sie werde keine konkreten Schritte gegen das Projekt unternehmen, so Wenger, um die rechtlichen Belange sollen sich Gemeinde und Land kümmern. Allerdings: “Man hätte uns einbeziehen können”, findet sie. Die Betroffenen sollten wissen, was vorgeht. Daher habe sie sich an die Medien gewandt, als sie von den chinesischen Plänen erfahren habe.

Für Sepp Zauner, Wirt des betroffenen gleichnamigen Gasthofs im Ortszentrum, ist es bereits das zweite Mal, dass sein Haus im asiatischen Raum kopiert wird: Sein Gasthof sei vor mehr als 20 Jahren schon einmal in Sapporo in Japan nachgebaut worden, ist er stolz. Damit, dass Gebäude abgezeichnet wurden, hat er kein Problem: “Ja, wie oft unser Haus fotografiert wird…”. Da störe ihn das “diktatorische” Vorgehen von Denkmal- und Naturschutz schon wesentlich mehr. Die Pläne des Denkmalamtes, das rund 150 Gebäude – darunter zahlreiche Privathäuser – in Hallstatt unter Ensembleschutz stellen wollte, sind nach heftigen Protesten von Bürgern, die sich in ihrer Privatsphäre beeinträchtigt fühlten, vorerst vom Tisch. (APA)



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