Harald Spring im Sonntags-Talk: “In Salzburg zählt mehr die Kultur”

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Wir haben Harald Spring zum Sonntags-Talk gebeten.
Wir haben Harald Spring zum Sonntags-Talk gebeten. - © privat
Als Kicker war er in den 80er-Jahren unter anderem im Dress von Austria Salzburg unterwegs, mittlerweile führt Harald Spring den Salzburger Volleyballverband als Präsident. In stürmischen Zeiten rund um die Causa Hypo Tirol spricht der 51-Jährige im Sonntags-Talk über seine große Leidenschaft, den endlosen Kampf um Sponsoren und einen Wunsch an die Politik. 




Der gebürtige Salzburger hat seine Zelte mittlerweile in Oberndorf (Flachgau) aufgeschlagen. 25 Jahre lang war er im Salzburger Fußball aktiv, seit zwei Jahren ist Spring Präsident des Salzburger Volleyballverbands. Insbesondere Beachvolleyball erfreut sich in Österreich großer Beliebtheit, heuer findet die Weltmeisterschaft auf der Wiener Donauinsel statt. Bereits im Juni steigt die World League in Linz, doch beim Hallenvolleyball drückt der Schuh. Neben geringem Zuschauerinteresse knallte es erst kürzlich in der österreichischen Szene: Serienmeister Hypo Tirol verlässt nach einem Sponsor-Streit mit dem Österreichischem Volleyballverband (ÖVV) die Liga und startet künftig in der deutschen Bundesliga.

In Salzburg tummeln sich mit dem PSVGB (Damen/Herren), TV Oberndorf, Seekirchen (beide Damen) und den Toros (Herren) fünf Vereine in den beiden höchsten Spielklassen. Doch der beliebte Sport fliegt unter dem Radar.

SALZBURG24: Vom Fußball zum Volleyball, wie ist das denn passiert?

HARALD SPRING: Meine Tochter hat bereits in ihrer Jugend Volleyball gespielt und war bei Bundesliga-Spielen als Ballmädchen eingeteilt. Ich war selbst als Zuschauer in der Halle, als eine Werbebande auf sie gefallen ist. Plötzlich stand das Spiel still und Spieler beider Mannschaften kümmerten sich um sie. Das hat mir sehr imponiert und meine Leidenschaft für den Volleyball entfacht, die bis heute nicht erloschen ist.  

Ist die Causa Hypo Tirol imageschädigend für den Volleyball in Österreich?

Das Thema ist aus sportlicher und wirtschaftlicher Sicht extrem brisant. Die Verkleinerung der Liga war auch Grund für den Abstieg der Toros vom VC Salzburg. Als Achtplatzierter hätten sie normalerweise den Klassenerhalt fixiert, so ging es in die Abstiegs-Playoffs. Unter Druck der Spitzenclubs wurde die 1. Bundesliga im letzten Sommer von zehn auf acht Teams reduziert. Umso verwunderlicher ist es, dass Meister Hypo Tirol künftig in der deutschen Bundesliga startet.

Ich kann den Wechsel nach Deutschland auf der einen Seite verstehen, weil sich der Verein dadurch mehr Zuschauer erhofft – auf der anderen Seite ist es schade um unseren Sport, wenn die beste Mannschaft Österreichs künftig in Deutschland spielt. Mögliche Sponsoren könnten sich denken: Wenn der stärkste Verein des Landes auswandert, warum soll ich mich dann mit den Kleinen abgeben?

Warum werden Sponsoren nicht auf Volleyball aufmerksam?

Der Sport ist wahnsinnig schön und kann überall gespielt werden, nur findet man keine Sponsoren. Ich habe 14 Jahre lang den TV Oberndorf geführt und es war immer ein Kampf finanzielle Mittel aufzutreiben. Jeder der fünf Salzburger Bundesligisten sucht händeringend nach Sponsoren, aber findet keinen Geldgeber. Es ist nicht so wie im Fußball, wo man Landesliga-Trainer hauptamtlich zahlen kann und ein vielfach höheres Budget zur Verfügung hat. In Oberndorf mussten wir sogar in der Bundesliga mit 15.000 Euro pro Jahr haushalten.

Wie kommt der Salzburger Volleyballverband an Geld?

Durch Mitgliedsbeiträge, Lizenzgebühren der Vereine und die Förderung der Landessportorganisation (LSO). Es ist ein stetiger Kampf und wir sind klar am Minimum – die LSO hilft eh wo sie kann, doch in Salzburg zählt einfach mehr die Kultur.

Aber Salzburg bzw. Österreich ist doch das viel zitierte Sportland?

Viele Österreicher sind sportbegeistert und aktiv. Doch Österreich ist nicht das Sportland, in dem viele Menschen ins Stadion oder in die Hallen gehen. Das beste Beispiel dafür ist der FC Red Bull Salzburg. Die haben Geld, machen viel Werbung, spielen erfolgreichen Fußball und haben einen Schnitt von knapp 8.000 Zuschauern. Darum darf man Österreich nicht mit Deutschland vergleichen: Borussia Dortmund verkauft 55.000 Heimspiel-Dauerkarten, so viele Menschen gehen in ganz Österreich am Spieltag nicht in die Bundesliga-Stadien.

Warum ist das so?

Das ist Teil der Mentalität des österreichischen Zuschauers, denn wir sudern und jammern gern. Und dann fragt man sich, warum soll ich in die Sporthalle gehen und meine Zeit opfern? Dadurch bekommst du als Verein keinen Sponsor, das ist ein Teufelskreis. Sponsoren wollen sich präsentieren und von der Masse gesehen werden. Da muss ich auch die Medien in die Pflicht nehmen, die nur sehr überschaubar über Volleyball berichten.

Was kann man vom deutschen Volleyball lernen?

Ich glaube nicht, dass der deutsche Volleyballverband besser arbeitet als wir. Die haben ähnliche Probleme, aber ein vielfaches mehr an sportverrückten Einwohnern. Bei Bundesligaspielen ist dort volles Haus und in Österreich schaffen wir es gerade mal, dass die eigenen Leute kommen. Das ist das Hauptproblem. Dafür werden einige Volleyball-Bundesligaspiele in Österreich live auf ORF Sport+ übertragen, in Deutschland nur kostenpflichtig im Internet.

Ist es vielleicht ein Problem, dass ORF Sport+ ein Nischensender ist?

Wahrscheinlich auch, aber Fernsehübertragungen benötigen zudem einen speziellen Boden. Der wird zwar kostengünstig vom ORF geliehen, aber muss trotzdem aufwendig aufgebaut werden. Wir haben in Österreich keine einzige Halle mit fernsehgerechtem Volleyball-Boden. In Deutschland gibt es in fast jeder großen Stadt Hallen, die explizit für eine Sportart wie Volleyball oder Basketball gebaut wurden. Hier herrscht unbedingt Nachholbedarf.

Wie steht das Nationalteam im europäischen Vergleich da?

Seit Michael Warm Herren-Nationaltrainer ist, hat das Team einen enormen Sprung gemacht. Kaum einer der Teamspieler ist noch in Österreich aktiv, sondern fast alle spielen bei verschiedenen europäischen Clubs. Dort spielen sie auf hohem Niveau und entwickeln sich toll weiter. Das Nationalteam ist auf einem sehr guten Weg. 

Als Förderung für heimische Talente ist der Cup gedacht, der heuer mit Salzburger Beteiligung im Final Four in Amstetten stattfand. Warum ist der Cup trotzdem ein Problem?

Im österreichischen Volleyball-Cup dürfen die Teams nur mit inländischen Spielern antreten. Jedoch gibt es seitens des Verbands keinerlei Förderungen oder Prämien für das Antreten und Weiterkommen. Jeder Verein macht damit finanzielles Minus. Das ist aber die falsche Einstellung, denn so geht überhaupt nichts weiter. Der ÖVV muss Anreize bieten, dass den Viertelfinalisten beispielsweise die Fahrt- und Schiedsrichterkosten erlassen werden.

Warum gibt es dann keine Österreicher-Quote in der Bundesliga?

Ich denke, dass die großen Vereine wie Hypo Tirol und Aich Dob so etwas verhindern wollten. Dort spielen bis auf wenige Ausnahmen ausschließlich teure ausländische Spieler. Tirol hat kein einziges Saisonspiel verloren und die Bundesliga komplett dominiert. In der restlichen Liga tummeln sich Amateure und Halb-Profis. Wie stark sie wirklich sind, werden wir in Deutschland sehen. Beim VC Salzburg spielen übrigens ausschließlich Österreicher.

Warum werden die Salzburger Volleyballvereine nicht zusammengelegt, um mit starken Herren- und Damen-Mannschaften in der Bundesliga anzutreten?

Es wird keiner bereit sein, seinen Verein zu opfern. Aber jeder nimmt sich die Spieler gegenseitig weg, weil die Gemeinden auch nah beieinander liegen. Das Ziel sollte sein, jeweils eine starke Herren- und Damen-Mannschaft in der Bundesliga zu haben. In der zweiten Liga wird dann der Nachwuchs gefördert. Doch es darf kein Verein finanziell benachteiligt werden oder Nachwuchs verlieren, das ist die große Herausforderung. Ein Verein wird sonst groß und die Kleinen sterben. Wir müssen also eine Lösung finden, dass die lokalen Vereine mehr untereinander kooperieren und sich aushelfen. Wenn eine Firma Geld in den Salzburger Volleyball stecken würde, hätten wir fix eine erfolgreiche Bundesliga-Mannschaft. 

Der Salzburger Beachvolleyball hat bei den letzten Staatsmeisterschaften mächtig abgeräumt. Was kann man davon mitnehmen?

Beachvolleyball ist eine Trendsportart. Es gibt überall Plätze und es lässt sich besser vermarkten als Hallen-Volleyball. Es sieht cool aus, die Körper sind braun und durchtrainiert. Und jeder in Österreich kennt Klagenfurt. Barbara Hansel hat ihre eindrucksvolle Karriere im letzten Jahr beendet und Florian Schnetzer studiert nebenbei und lebt den Volleyball gemeinsam mit seinem neuen Partner Peter Eglseer. Auch Toros-Kapitän Heli Moser ist erfolgreich auf dem Sand. Ich finde, starke Beachvolleyballer sollten auch in Bundesliga-Mannschaften spielen, denn dadurch können sie sich weiterentwickeln.

Auf Facebook seid ihr sehr aktiv. Wie wichtig ist Social Media für einen Sportverband bzw. Vereine?

Extrem wichtig, denn fast jeder nutzt heutzutage Facebook oder Instagram und man kann sich kostengünstig so präsentieren wie man es will. Medien kürzen Inhalte, in sozialen Medien passiert das nicht. Vereine müssen verstärkt darauf nutzen, denn auch so können Sponsoren aufmerksam werden.

Bei so viel Stress, wo entspannst du dich?

Daheim in Oberndorf, auf dem Mönchsberg oder beim Spaziergang mit meiner Frau Eva durch Maria Plain. Ich würde gern mehr Skitouren gehen, doch dafür fehlt mir die Zeit. Wir leben in Salzburg in einem Schlaraffenland und haben viele tolle Möglichkeiten. Nur übersieht man die kleinen Dinge im Leben leider schnell.

Wünschst du dir mehr Zeit?

Man hat immer die Zeit, die man sich nimmt. Ich bin einfach volleyballverrückt und versuche darin so viel Zeit wie möglich zu investieren. Hätten wir im Volleyball nicht so viele Sorgen, dann hätte ich auch mehr Zeit (lacht).

Zum Abschluss ein Blick in die Glaskugel: Was wäre dein Wunsch an die Politik?

Man könnte sich etwas vom Bonus-Krankenkassensystem in Deutschland abschauen: Bei beispielsweise einer Mitgliedschaft in einem Sportverein oder Vorsorgeuntersuchungen beim Facharzt gibt es Punkte, für die es per Jahresende Prämien gibt. Das ist ein System, das auch den Vereinen hilft. Die Bevölkerung wird aktiv und bleibt gesund, die Vereine bekommen mehr Mitglieder. Ich frage mich, warum niemand in Österreich diese erfolgreiche Idee aufgreift.

Vielen Dank für das Interview.

Sonntags-Talk auf SALZBURG24

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an: nicole.schuchter@salzburg24.at.

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