“He Mu” und Prinzenfeuer: Was Fasching in Salzburg bedeutet

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Die Gardemädchen der Salzburger Faschingsgilde.
Die Gardemädchen der Salzburger Faschingsgilde. - © FMT-Pictures/MW
Sie prägt den Fasching in der Stadt Salzburg wie sonst kein anderer: Gegründet im Jahr 1948 ist die Salzburger Faschingsgilde die älteste Gilde Österreichs. Der Brauch an sich ist aber schon weit älter. Im Land Salzburg reichen die Belege bis ins Jahr 1557 zurück. Wir begeben uns auf Spurensuche und versuchen zu ergründen, warum die Mozartstadt trotz der langen Geschichte dennoch keine wirkliche Faschingshochburg ist.




Einen eigenen Faschingsgruß haben die Salzburger aber allemal. Während man in Villach “Lei lei” und im deutschen Rheinland “Helau” ruft, begrüßen sich die Narren hierzulande mit “He Mu”, wie Heinz Sperl, Präsident der Salzburger Faschingsgilde im Gespräch mit SALZBURG24 erläutert. “He Mu” steht dabei für Heiterkeit und Muße.

Wenn die Faschingsgilde ruft, wird getanzt!

Bis zu 40 Auftritte legt seine Gilde pro Jahr hin, in der “Hauptsaison” sind das schon an die fünf Auftritte am Tag. Als Faschingshochburg könne man Salzburg aber keinesfalls bezeichnen, meint Sperl, “die Salzburger sind zwar keine Faschingsmuffel per se, aber richtige Narren sind sie auch nicht”.

Nichtsdestotrotz, wenn die Faschingsgilde zum Sturm auf das Schloss Mirabell ruft, um der Stadtpolitik die Leviten zu lesen und am Tag danach im Müllner Bräu feiert, dann ließen sich auch die meist eher verhaltenen Salzburger nicht lange bitten. “Da wird dann auf den Tischen getanzt”, weiß der Präsident der Faschingsgilde zu berichten.

 

Sturm auf das Schloss Mirabell

Uploaded by S24 – SALZBURG24 on 2016-01-02.

Salzburger Faschingsgilde kürt Prinzenpaar

Repräsentiert wird die Gilde zumeist von seinem Prinzenpaar. Dieses Jahr haben Sabrina I. vom Schlumberger und Seine Tollität Harald I. von der Roten Stiege die Ehre. Die eher ungewöhnlich klingenden Beinamen kommen übrigens von den Sponsoren der Faschingsgilde, so lässt sich auch der Titel “Von der Roten Stiege” allen voran für Bierfreunde leicht entschlüsseln.

“Jeder kann sich bewerben, man soll einfach lustig und gesellig sein – und wenn möglich auch im echten Leben ein Paar”, lässt Sperl wissen. Alljährlich werden neue Faschingsadelige gekürt, denn vor allem die Lebenszeit des Prinzen ist begrenzt. Zum Abschluss des Faschings wird er nämlich verbrannt. “Zu Tode kommt er durch eines seiner Hobbys”, verrät Sperl. So sei ein früherer Prinz – im echten Leben im Tiergarten angestellt – von maskierten Löwen attackiert worden. Wie Harald I. das Zeitliche segnen wird, dürfe aber noch nicht verraten werden. Die Verbrennung findet jedenfalls am Faschingsdienstag im Müllner Bräu statt.

Fasching: Ein Fest mit christlichem Ursprung

Diesen Ritus gibt es in Salzburg bereits seit etwa 60 Jahren. Gegründet wurde die Salzburger Faschingsgilde als erste ihrer Art in Österreich im Jahr 1948. Genau zu dieser Zeit erlebte das närrische Treiben wieder eine Blüte. Aber blicken wir etwas weiter in die Geschichte zurück.

Trotz christlich-religiöser Prägung aus dem Mittelalter wurde der Fasching oder Karneval im 16. Jahrhundert zu einem internationalen Kulturereignis. Die Bezeichnung Fasching geht dabei auf “vaschanc” zurück. Das bezeichnete im 13. Jahrhundert in unseren Breiten die letzte Ausschank von Alkoholika vor der einst viel strenger eingehaltenen Fastenzeit. “carne vale” wurde im Übrigen frei aus dem Lateinischen als “Abschied vom Fleisch” übersetzt.

Wie Ulrike Kammerhofer-Aggermann, Leiterin des Salzburger Landesinstituts für Volkskunde, berichtet, datiert für das Land Salzburg der älteste Bericht zu einem Faschingsfest vom 20.2.1557, als “ein großer Mummenschanz bei Hof” stattfand.

Faschingstreiben im 18. Jahrhundert verboten

Erzbischof Markus Sittikus brachte schließlich den italienisch geprägten Fasching nach Salzburg. Er baute zwischen 1612 und 1619 den Karneval ausgehend von den Faschingstagen zu einem 15-tägigen Spektakel mit genauen Regievorgaben für alle Bevölkerungsschichten aus. Zur gleichen Zeit entwickelten sich Faschingläufe der “maschara” im Gebirge, nachgewiesen sind sie laut Kammerhofer-Aggermann im Pon- und Pinzgau.

Während die höfischen Feste allerdings auf Markus Sittikus begrenzt waren, wirkten die ländlichen Faschingsläufe fort. Ähnlich wie der Krampusbrauch wurde auch dieses Treiben im Laufe der Zeit verboten. Erst durch den aufkommenden Tourismus im 19. Jahrhundert lebte es langsam wieder auf.

Eine Frage, die zum Schluss noch bleibt: Was hat es mit dem 11.11. eigentlich auf sich?

Dieses Datum gilt als Tag, an dem “die Narren geweckt” werden. Es beginnt also nicht der Fasching an sich, sondern es starten die Vorbereitungen für die kommende Saison. Die Elf spielt als “Narrenzahl” übrigens bei den Faschingsgilden generell eine große Rolle – zu sehen auch im Elferrat.

Historisch beginnt die Faschingszeit erst ab dem Dreikönigstag, dem Ende der engeren Weihnachtszeit. So hält es auch die Salzburger Faschingsgilde. Sowohl der Krönungsball, als auch der Sturm auf das Schloss Mirabell und der Frühschoppen im Bräustübl finden in diesen Tagen statt.

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