4. Juni 2012 06:33; Akt.: 4.06.2012 06:33

Herzstillstand statt Rausch: Jugendliche konsumieren vermehrt Legal Highs

Legal Highs: Den Durchbruch schafften die neuen Drogen mit "Spice". Legal Highs: Den Durchbruch schafften die neuen Drogen mit "Spice". - © EPA
von VN/Iris Burtscher - Dornbirn – Sie werden als Badesalz oder Kräutermischungen getarnt im Internet verkauft, sind aber eigentlich Partydrogen. Viele Vorarlberger Jugendliche haben Erfahrung mit Legal Highs und Research Chemicals, wie eine aktuelle Umfrage zeigt.

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Sie heißen „Fizzy Bubble“, „Charlie Sheen“ oder „Manga“. Die kleinen Tütchen sind für meist 20 bis 30 Euro im Internet erhältlich. Sie versprechen Badesalz, Pflanzendünger oder eine Duftmischung als Inhaltsstoff. In Wahrheit stecken Drogen dahinter: Legal Highs oder die härtere Variante der Research Chemicals als Alternative zu Cannabis, Ecstasy, Speed und Kokain.

Legal Highs jahrelang legal

Das Gesetz hinkte lange hinterher. Die Designerdrogen wurden jahrelang legal verkauft und von Konsumenten geraucht, geschluckt und geschnupft. Bis eine Substanz verboten wurde, war schon längst eine neue entwickelt. Seit Anfang des Jahres ist das in Österreich anders: Mit dem „Neue-Psychoaktive-Substanzen“-Gesetz sind die Substanzen auch dann illegal, wenn ihre Zusammensetzung leicht abgeändert wird. Der Verkauf ist damit verboten, der Konsum ist aber weiter erlaubt. Das Problem ist also längst nicht gelöst, weiß Monika Valentin vom Koordinationsbüro für Offene Jugendarbeit (KOJE). Valentin hat das Konsumverhalten der Vorarlberger Jugendlichen untersucht und stellt die Ergebnisse bei einem Symposium am Montag vor.

300 Jugendliche befragt

In einer Umfrage wurden über 300 Jugendliche befragt. Fast alle haben bereits Alkohol konsumiert (98,4%). Über 60 Prozent haben Cannabis probiert und jeder Fünfte hat Erfahrung mit Speed oder Amphetaminen. Ein Drittel der Jugendlichen hat schon Legal Highs konsumiert, fünf Prozent Research Chemicals. Die meisten waren beim Konsum jünger als 18 Jahre alt. Die Zahlen sind hoch. „Allerdings war es eine Umfrage unter Partygängern, also keine repräsentative Studie“, weist Valentin hin. „In der Gesamtbevölkerung ist der Schnitt wohl niedriger. Die Zahlen sind aber ein Hinweis darauf, dass Partydrogen in Vorarlberg eine unterschätzte Größe angenommen haben.“ Übers Internet könnten Legal Highs und Research Chemicals zudem weiterhin recht unkompliziert erworben werden. „Auch am Schwarzmarkt werden sie verkauft“, erklärt Valentin. „Das ist nicht leicht in den Griff zu bekommen.“

Um Wissen zu vermitteln und zu vernetzen, lädt die KOJE am Montag zum Symposium „Research Chemicals & Legal Highs“ ins Conrad Sohm in Dornbirn. Auch die Anmeldezahlen zeigen, wie groß das Problem mittlerweile ist: Die 100 Plätze sind längst ausgebucht, es gibt lange Wartelisten. Vor allem Fachleute der Drogenhilfe, der Polizei und der Notfallmedizin haben Interesse. „Sie nehmen in Vorarlberg vermehrt Konsumenten dieser neuen Substanzen wahr“, weiß Valentin.

Gesundheitsschädigend

Viele sind verunsichert. Die Polizisten, die beim Aufgreifen von Konsumenten oft nicht wissen, ob diese nun legale oder illegale Substanzen bei sich haben. Die Ärzte, die die Jugendlichen dann zu sehen bekommen, wenn nach dem Konsum nicht der gewünschte Rauschzustand eintritt, sondern ganz andere Nebenwirkungen: Herzstillstand, zum Beispiel. Valentin warnt vor den gesundheitlichen Folgen. „Die Konsumenten von psychoaktiven Substanzen können gar nicht wissen, was sie genau konsumieren. Immer wieder sind aktiv gesundheitsgefährdende Substanzen enthalten.“ Ihr Wunsch: dass mehr Präventionsmaßnahmen und Angebote für die Konsumierenden gesetzt werden. „Da gibt es Aufholbedarf.“

Research Chemicals und Legal Highs

Es sind chemische psychoaktive Substanzen, die von der Struktur völlig neu sind, in der Wirkung aber bereits bekannten Drogen ähneln. Früher fielen sie nicht unter das Betäubungsmittelgesetz, konnten dadurch leichter im Internet vermarktet werden. Sie werden als Ersatz für bekannte illegale Drogen verkauft, allerdings unter anderen Begriff en, etwa Badesalz oder Kakteendünger.



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