Historische Bücher aus Salzburg am “Operationstisch”

Sabrina Schaller bei der Arbeit an der Heftlade.
Sabrina Schaller bei der Arbeit an der Heftlade. - © Land Salzburg/Melanie Hutter
Bücher. Bücher. Bücher. Alt und noch dazu sehr wertvoll. Das Salzburger Landesarchiv ist eine wahre Schatzkammer für historische Schriften und Dokumente, manche gehen bis ins Mittelalter zurück. 30.000 Regallaufmeter an Archivgut sind das “Gedächtnis Salzburgs”, wie sie Leiter Oskar Dohle bezeichnet. Um das zu bewahren, gibt es eine eigene Handbuchbinderei. Ihr könnt Sabrina Schaller bei der Restauration über die Schulter blicken.

Es ist das Protokoll der Domkapitelbücher aus dem Jahre 1786. Sabrina Schallers Hände sind geschickt mit Nadel und Faden, genau gesagt ist es ein Hanffaden, der das historische Werk zusammenhalten wird. Die Buchbinderin weiß genau, was sie tut. Die Mitarbeiterin des Archivs bringt jahrelange Erfahrung mit, ist eine der wenigen übrig gebliebenen ihrer Zunft und spricht nach wie vor mit einem Funkeln in den Augen über ihre Arbeit: “Ein Buch in der Hand zu halten, das ist etwas ganz Besonderes, fast Magisches.”

“Ich lese ganz gerne, aber keine Romane”

Roman-Typ sei sie keiner, “die lese ich nicht”, schmunzelt sie, “aber dafür Fachbücher umso lieber”. Die Buchbinderin geht voll und ganz in ihrem Job auf. “Für mich ist das mehr. Es ist mein absoluter Traumberuf”, betont sie. Ob ihre Arbeit manchmal eintönig ist, diese Frage drängt sich auf. “Nein, nie. Ich freue mich jedes Mal über ein neues Projekt, klemme mich dahinter, genieße die fast schon meditative Arbeit. Keine Restauration ist gleich, das macht es abwechslungsreich”, betont Sabrina Schaller.

Handwerk als Kunstwerk

Das Wissen der Handbuchbinderin ist so umfangreich wie der Schatz, den sie bewahrt. Industriell gefertigte Ausbesserungsstreifen kommen nur für Werke in Frage, die jünger als hundert Jahre sind. Das sogenannte “Japan-Papier” ist für Reparaturen von Rissen und kleinen Löchern meist ideal. Welcher Leim verwendet wird, ist die Entscheidung der Expertin. Oft ist es eine Mischung aus Weizenstärke und Wasser, früher wurde Knochenleim verwendet. “Wir experimentieren unter anderem auch, welche Materialen für welches Buch geeignet sind. In dieser Hinsicht ist die Zusammenarbeit mit den Archivrestauratoren-Kollegen besonders wichtig”, betont Sabrina Schaller, während sie aus einzelnen Bögen ein Buch gestaltet, alles in Handarbeit versteht sich.

In den Büchern wird das Gedächtnis Salzburgs gewahrt./Land Salzburg/Melanie Hutter In den Büchern wird das Gedächtnis Salzburgs gewahrt./Land Salzburg/Melanie Hutter ©

Das Gedächtnis Salzburgs wird gewahrt

Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) jedenfalls ist von der Arbeit in den Werkstätten beeindruckt: “Dieses außergewöhnliche Handwerk und die hohe Professionalität unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Landesarchiv ermöglichen es, das unschätzbare Wissen auch für nachfolgende Generationen in Buchform zu bewahren.”

“Meine Arbeit ist real, ich habe etwas Fertiges in der Hand”

Die Liebe zu ihrer Arbeit kann die Handbuchbinderin erklären: “Ich habe danach etwas Fertiges in der Hand, meine Arbeit ist real. Das Buch, das ich gerade restauriert habe, werde ich zumindest bis zu meiner Pensionierung nicht mehr sehen”, beschreibt sie die Zufriedenheit, wenn die “Operation” gelungen ist, das Werk wieder im Regal steht. Aber ist es nicht frustrierend, wenn die Arbeit kein Ende nimmt, Sisyphos lässt grüßen. “Nein, ganz und gar nicht”, sagt Schaller und fügt hinzu: “Es ist völlig unrealistisch, alles im Salzburger Landesarchiv restaurieren zu können, es sind so viele Bücher und Dokumente. Ich arbeite mich von Projekt zu Projekt, das motiviert mich. Und es geht ja nicht nur um Werke, die schon im Archiv sind, es kommen fast täglich neue dazu.”

Der Traum von einem Prunkeinband

Obwohl schon so viele historische Schätze durch Sabrina Schallers Hände gegangen sind, hat sie nach wie vor einen Traum, professionell gesehen. “Einen Prunkeinband zu restaurieren, das wäre es. Ich finde die Leistungen der Buchbinder von damals einfach fantastisch, sie waren ihrer Zeit voraus. Das sieht man daran, dass sich an meinem Handwerk in einigen Jahrhunderten nicht wirklich viel verändert hat. Was damals funktionierte, tut es auch heute noch.”

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