20. August 2011 17:31; Akt.: 29.08.2011 10:02

Hollywoodstars bei den Salzburger Festspielen

Topstars Jacqueline Bisset und Gabriel Byrne zu Gast bei den Salzburger Festspielen am Samstag. Topstars Jacqueline Bisset und Gabriel Byrne zu Gast bei den Salzburger Festspielen am Samstag. - © Wildbild
Beim Wiener Philharmoniker Konzert am Samstag waren die Hollywoodstars Jacqueline Bisset und Gabriel Byrne zu Gast.

Der lettische Dirigent Mariss Jansons gehört zu den ganz großen seiner Zunft. Abseits jeder vorhersehbaren und auch bei den Salzburger Festspielen nicht vermeidbaren Konzert-Routine leitete Jansons die Wiener Philharmoniker in ihrem vierten Konzert dieses Festspielsommers heute, Samstag, Vormittag zu einem konzertanten Highlight. Das Klangkonzept, das Jansons als Folie unter Igor Strawinskys Ballettmusik “Petruschka” und “La Valse” von Maurice Ravel legte, ist plausibler, analytisch korrekter und zugleich mitreißender kaum denkbar. Riesen-Applaus im Großen Festspielhaus.

Der Mann ist 69 Jahre alt und nicht gesund am Herzen. Am Pult aber trägt er seine Musiker und gibt jeden denkbaren Einsatz mit außergewöhnlicher Klarheit und Logik. Jansons’ Dirigat ist nicht bloß emotional aufgeladenes Taktschlagen, sondern musikalische Charakterisierung, mit der die Partituren gestisch sichtbar wurden, ohne dass sich der Dirigent auch nur ein einziges Mal zu Effekt oder Show verführen ließe. Die Philharmoniker begriffen diese körperlichen und zugleich geistigen Haltungen und verwandelten in rhythmisch pulsierenden Klang, was Jansons’ alter Körper an Idee von Strawinsky in den Konzertsaal zeichnete – grandios.

Nicht weniger mitreißend “La Valse” von Ravel, der in diesem 15-minütigen, groß und orchestral angelegten Wienerwalzer eine Art Abgesang und Schlusspunkt komponierte auf die morbide Lebensfreude der zerstörten Donaumonarchie. Auch hier bewährte sich Jansons als genialer Fäden-Zieher in einem von den Wiener Philharmonikern farbenprächtig gewobenen Teppich im Dreivierteltakt.

So euphorisch diese Konzert-Beschreibung auch ist, für die Begegnung des Orchesters unter Mariss Jansons und dem Starpianisten Lang Lang gilt sie nur partiell. Denn da lief vom ersten Takt an vieles nicht zusammen. Natürlich perlten die Läufe in Liszts Es-Dur-Konzert sagenhaft rund und virtuos. Der Chinese ist ein Ausnahme-Pianist, der einen Steinway allein mit seinem himmlischen Anschlag zum Singen bringen kann, das ist ebenso wenig verhandelbar. Aber Lang Langs Eigenheiten bei den Tempo-Schwankungen und den meist vorgezogenen Akzenten konnten vom Orchester und seinem Dirigenten in der offensichtlich zu knappen Probezeit nur unvollständig aufgegriffen und mitgetragen werden. Nein, mannschaftsdienlich ist Lang Lang nicht unterwegs, also befriedigte die pianistische Brillanz in dieser Matinee eher das Bedürfnis nach virtuosem Schmelz und praller Virtuosität als das Bedürfnis nach organisch atmendem und strukturell kommunizierendem Liszt. Dem Applaus nach zu urteilen, ist ersteres aber ohnehin deutlich stärker vertreten.

(APA)


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