Hongkong für Österreichs Firmen wichtiges Tor nach China

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Millionenmetropole Hongkong
Millionenmetropole Hongkong - © APA (AFP)
Hongkong mag klein sein – mit sieben Millionen Einwohnern sogar kleiner als Österreich. Als Tor zum Geschäft mit dem riesigen chinesischen Markt bleibt es aber ganz groß, sagt Österreichs Wirtschaftsdelegierter Franz Rössler. 92 Prozent der Wirtschaftsleistung des Stadtstaates, der noch 30 Jahre eine Sonderstellung innerhalb Chinas garantiert hat, fallen auf Dienstleistungen.

Überhaupt solle man bei China rasch umdenken. Denn das Land setzt voll auf hochwertige Produkte – bis 2025 soll “made in China” für hohe Qualität stehen. Und bis 2048 will China überhaupt “der modernste Produktionsstandort der Welt” sein. In diesem Umfeld konkurrieren österreichische Firmen mit Unternehmen aus der ganzen Welt um Aufträge. Was den heimischen Firmen weh tut: in Hongkong wird alles ausgeschrieben, es gilt aber grundsätzlich das Billigstbieterprinzip. Hier hilft am ehesten, wenn man in der frühen Phase des Projekts mitreden und die Ausschreibungskriterien mitgestalten kann – dazu braucht es aber eine starke Präsenz vor Ort, weiß der Wirtschaftsdelegierte für Hongkong und Südchina.

In China zählen derzeit zehn Prozent der Bürger zur Mittelklasse – das sind über 100 Mio. Menschen. In wenigen Jahren sollen es 400 Millionen sein. In diesem Umfeld machen Luxusmarken gute Geschäfte. Swarowski etwa, Red Bull oder Northland, die in China über 500 Stores haben. Aber ohne eigene E-Commerce Angebot geht nichts mehr, die Menschen wollen sich vorher informieren – probieren dann aber gerne im Geschäft.

Punkten kann auch die Hallstadt-Kopie in China, die vor allem als Kulisse für Hochzeitsfotos Furore macht. Pro Tag lassen sich hier hundert Paare für den schönsten Tag des Lebens abbilden – der Hintergrund kann zwischen Marktplatz und Prunksaal gewählt werden. Der chinesische Investor hinter dem Projekt überlegt schon, ob Kopien aus Innsbruck oder Salzburg dazugebaut werden können. Das entspricht den Touristenströmen der Chinesen in Österreich, die diese Städte bevorzugt besuchen. Auch wenn es vorerst keine eigene Statistik dazu gibt: die Direktverbindungen der AUA nach Hongkong und Shanghai helfen sicher, den Tourismus anzukurbeln, ist Rössler überzeugt.

Auch wenn sich Österreich davor fürchte, dass China Innovationen abzieht, insbesondere durch den Kauf von Firmen: Inzwischen könnten sich Österreicher in der Region schon einiges abschauen. So werden in Hongkong Touristen von Hotels smartphone-artige Geräte zur Verfügung gestellt, auf denen sie einen Stadtplan mit Führung in ihrer Muttersprache ebenso finden wie Restaurant-Tipps und Einkaufsgelegenheiten – Werbung inkludiert. Damit könne man Sprachbarrieren überwinden und vor allem bessergestellte Touristen gewinnen.

Österreich werde die Aufbruchstimmung und Technologieorientierung der Region nutzen und zehn österreichische Start-ups mit ausgegorenen Geschäftsmodellen auf drei Wochen nach Hongkong bringen. Die Ausschreibung soll im Jänner erfolgen – übrigens auch für Tel Aviv und Silicon Valley. “Wir wissen zu wenig von Asien”, sagt Rössler. Hier müsse man nachhelfen.

Rössler geht davon aus, dass die Einkaufstour chinesischer Investoren in Europa weitergeht. Chinesen sind vor allem an Firmen interessiert, die Technologie anbieten können. Und wollen eine Mehrheit. Sie lassen aber in der Regel die Firma dann weiter arbeiten, wollen allenfalls in China mit der Technologie zusätzlich produzieren. Ein spezieller Fonds (CAI) bemüht sich, im DACH-Raum Firmen an chinesische Investoren zu vermitteln. Bevorzugt werden Unternehmen, die schon in China tätig sind. Auch für heimische Skifirmen gibt es – im Vorfeld der Winterolympiade – großes Interesse. Inwieweit es aber zu Abschlüssen kommen wird, vermag Rössler nicht abzuschätzen.

Interesse gäbe es auch an Ausbildungs-Knowhow, meint Rössler. Universitätsausbildung, allerdings auf Englisch und Top-Niveau, ist in der wachsenden Mittelklasse sehr gefragt. Gut im Geschäft sei da die Modul-Tourismusschule, wo 100 der 600 Schüler aus Hongkong kommen. Aber auch das duale Ausbildungssystem für Lehrlinge ist sehr begehrt. Firmen wie Palfinger oder Alpla praktizieren es in China schon, solange sie aber als Insellösungen tätig sind, laufen sie Gefahr, dass ihnen die Mitarbeiter nach der Ausbildung abgeworben werden. Regionale Netzwerke für eine Lehrlingsausbildung stehen aber erst ganz am Anfang.

“Hongkong produziert nichts”, spitzt es Rössler zu. Dafür wird um jede U-Bahnstation herum ein Bürokomplex errichtet – und gewinnbringend verleast. 40 Prozent der Einnahmen Hongkongs stammen aus der Vergabe von Grund und Boden. Die Stadt mischt sich kaum ein – was zu dramatisch steigenden Immobilienpreisen und nur geringen Umwelt-Investitionen führt. Aber man müsse auch die Region rundherum und die damit verbundenen gewaltigen Investitionen bedenken. Alleine in Hochgeschwindigkeitszüge, mit denen die 10-Millionen-Städte der Region verbunden werden, werde groß investiert. Es geht aber nicht darum ein paar Minuten schneller zu werden: Die Fahrt nach Shenzen soll von 60 auf 14 Minuten fallen, jene nach Guangzhou von 2,5 Stunden auf 45 Minuten.

Wie das Wachstum der Region aussieht kann man auch an der Börsenaktivität ablesen: Während in Wien laufend Firmen die Börse verlassen, werden in Shenzen pro Woche fünf neue Firmen aufgenommen, vergleicht Rössler, um auch gleich wieder für den Standort Hongkong zu werben: Von hier aus könne man bald auch auf die Börsen in China zugreifen.

(APA)

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