Hundeschule der besonderen Art: Nußdorfer Verein bildet “Partner Hunde” aus

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Elisabeth Färbinger (re.) und Hundetrainerin Marisa Stöckl mit vier ihrer Schützlinge.
Elisabeth Färbinger (re.) und Hundetrainerin Marisa Stöckl mit vier ihrer Schützlinge. - © SALZBURG24/Berger
Blindenführhunde unterstützen sehbehinderte Menschen, damit sich im Alltag besser zurecht zu finden. Aber auch für Rollstuhlfahrer, Gehörlose und Menschen mit Autismus, Diabetes oder Epilepsie können die Vierbeiner eine wahre Bereicherung sein. Seit knapp 30 Jahren bildet Elisabeth Färbinger in Nußdorf (Flachgau) ihre “Partner Hunde” aus.





Färbingers Hunde können beispielsweise das Leben von Menschen mit Diabetes retten, indem sie auf ihre Unter- oder Überzuckerung aufmerksam machen. “Es gibt viele Diabetiker, die eine beginnende Unterzuckerung nicht spüren”, weiß die Gründerin des Vereins “Partner Hunde Österreich”, “dadurch kommt es regelmäßig zu gefährlichen Situationen, so dass sie sich alleine nicht mehr sicher fühlen”. Der Hund wird darauf trainiert, zu bellen oder anzustupsen, wenn der Blutzuckerwert nicht mehr im Normalbereich ist. Die Tiere können das über die Haut erschnüffeln. “Hunde haben ein derartiges Riechvermögen, dass man sie auf bestimmte Gerüche trainieren kann. Drogenspurhünde schlagen auf bis zu fünf unterschiedliche Suchtgifte an, Hunde von Brandermittlern erkennen verschiedene Brandbeschleuniger, unsere Hunde erschnüffeln den unterschiedlichen Geruch von ihrer Bezugsperson mit Zuckerwerten im Normalbereich und beginnender Unterzuckerung”, erklärt sie, “wesentlich ist aber, dass der Hund selbstständig arbeiten kann, und nicht auf Anweisung wie ein Drogenhund.”

Assistenzhunde können Menschen mit unterschiedlichsten Handicaps im Alltag unterstützen./Partner Hunde Österreich Assistenzhunde können Menschen mit unterschiedlichsten Handicaps im Alltag unterstützen./Partner Hunde Österreich ©

“Partner Hunde” müssen auch Brückenbauer sein

Etwa zwölf Hunde verlassen jährlich das über 400 Jahre alte erzbischöfliche Gebäude in Weitwörth in Nußdorf als fertig ausgebildete Assistenzhunde. Es werden mehrere Rassen, wie etwa Labrador, Retriever, Wasserhunde und Mischlinge, gezüchtet. Grundsätzlich könnten aber alle Hunde diese Fertigkeiten erlernen, ist Färbinger überzeugt. Es müsse einfach vom Charakter ein sehr menschenfreundliches Tier sein. “Der Hund muss ein Brückenbauer sein. Also eine Rasse, die in der Gesellschaft gut akzeptiert wird. Wenn ich einen Rollstuhlfahrer mit einem Rottweiler oder einem Schäferhund losschicke, fürchten sich viele Menschen und machen einen großen Bogen um die beiden”, so Färbinger, “das wäre der Sache nicht dienlich”. Grundsätzlich rät sie aber dazu, Assistenzhunde im Alltag ihre Arbeit machen zu lassen. Nur wenn das Tier um seinen Besitzer herumtänzle und belle, solle man reagieren.

Die Spezialausbildung der Hunde beginnt ab einem Alter von etwa einem Jahr. Ihre Kindheit verbringen die Vierbeiner bis dahin bei Gastfamilien. Diese sind “das Nonplusultra unserer Organisation, aber auch der schwierigste Punkt”, sagt Färbinger. Die Welpen würden im Alter von zehn Wochen von Familien aufgenommen, um acht Monate lang bei ihnen zu leben. Sie werden dabei vom Verein unterstützt. Dieser übernimmt die Futter- und Tierarztkosten.

Gastfamilie für einen Hund: Haustier auf Probe

“Auch wenn die Trennung dann oft schwer fällt, es ist eine andere Traurigkeit, wenn mein Hund stirbt, als wenn ich weiß, dass er jetzt als Assistenzhund ausgebildet und zukünftig einem anderen Menschen helfen wird und dessen Leben verbessert”, sagt die Vereinsgründerin. Viele Familien würden dies ein bis zwei Mal machen und sich dann selbst einen Hund zulegen, weiß sie zu berichten. Manche würden aber auch durch die Erfahrung mit dem Thema Hund als Haustier abschließen. “Tierheime füllen sich unter anderem auch dadurch, dass sich Leute ganz unbedacht einen Hund nehmen”, so die Hundeexpertin.

Bereits 330 Assistenzhunde in Nußdorf ausgebildet

Danach kommt das Tier zurück, wird medizinisch durchgecheckt und aufgrund seiner Fähigkeiten und charakterlichen Eigenschaften zugeordnet. In der Zwischenzeit hätten Färbinger und ihr Team auch die Bewerber kennengelernt und die Paarungen könnten ausgewählt werden. Im Falle eines Diabetiker-Hundes dienen nun Kleidungsstücke des künftigen Besitzers als Geruchsproben. Bei Hunden für Rollstuhlfahrer gehe es allen voran um physische Unterstützung. Die Hunde lernen, Türen zu öffnen, Lichtschalter zu betätigen oder fallengelassene Dinge wieder aufzuheben. Assistenzhunde für Kinder mit Autismus werden hingegen zum “Fels in der Brandung” für ihre Bezugspersonen. Diese Ausbildung bieten Färbinger und ihr Team erst seit wenigen Jahren an. “Autistische Kinder haben große Probleme im Sozialverhalten. Mit dem Hund lernen sie auf Körpersprache zu achten, an andere zu denken und übernehmen für jemand anderes Verantwortung”, erklärt sie.

Seit der Gründung am 4. Oktober, dem Welttierschutztag, im Jahr 1990 wurden bereits an die 330 Hunde in Nußdorf ausgebildet. Die Ausbildung eines Tieres verschlingt an die 18.000 Euro. Finanziert wird ein Großteil durch Spender und Sponsoren. 2.000 Euro Selbstbehalt müsse der zukünftige Hundehalter beisteuern. “Nur wer diese 2.000 Euro aufbringen kann, kann sich einen Hund auch wirklich leisten”, ist Färbinger überzeugt. Zwar kehren Besitzer und Assistenzhund in regelmäßigen Abständen immer wieder zurück auf den Hof in Nußdorf, doch für den Lebensunterhalt des Tieres müssen die Besitzer selbst aufkommen.

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