IHS-Chef Christian Keuschnigg zurückgetreten

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Widerstand gegen IHS-Restrukturierungskonzept
Widerstand gegen IHS-Restrukturierungskonzept
Das Institut für Höhere Studien (IHS) muss sich einen neuen Chef suchen. Das Kuratorium hat am Donnerstag das Restrukturierungskonzept des seit 2012 amtierenden Leiters, Christian Keuschnigg, abgelehnt. Dieser hat daraufhin um Auflösung des Dienstverhältnisses gebeten. Bis ein Nachfolger gefunden ist, stehe er aber zur Verfügung, sagte Keuschnigg am Nachmittag zur APA.


Das IHS leidet an Geldknappheit und muss mit stark steigenden Mietkosten rechnen. Um mit der Situation umzugehen, sollte Keuschnigg ein Konzept erstellen. Er wollte sich auf sieben Forschungsschwerpunkte konzentrieren: Öffentliche Finanzen; Arbeitsmarkt, Familie und soziale Sicherheit; Gesundheit und Pflege; Bildung und Qualifikation; Innovation und Nachhaltigkeit; Unternehmen, Brachen und Regionen; Konjunktur, Finanzmärkte und Europäische Integration.

Der Widerstand der Belegschaft war heftig, hätten doch bis zu 30 der 120 Arbeitsplätze durch die neue Struktur wegfallen können. Außerdem hätte das IHS damit die Gründungsthemen Soziologie und Politik aufgegeben bzw. stark reduziert. “Das ist schon ein gewaltiger Schritt”, wusste auch Keuschnigg. Die Belegschaft trat mit einem Gegenkonzept an, das die Fortführung des gesamten IHS vorsah. Keuschnigg hielt das für unfinanzierbar. Das Kuratorium konnte sich aber nicht zu einem Verzicht auf bisherige Leistungen und Aktivitäten entschließen und bevorzugte die alternative Lösung, wonach alle bisherigen Bereiche fortgeführt werden sollen.

Das IHS hat eine Sonderposition in Österreich, da es sowohl wie eine Universität Lehre betreibt, als auch wie das Wirtschaftsforschungsinstitut angewandte Forschung. Grob die Hälfte des Budgets von jährlich 9 Mio. Euro entfällt auf die beiden Bereiche. Während aber die Lehre zu 80 Prozent von der öffentlichen Hand pauschal finanziert wird (“Basisfinanzierung”), vergleichbar mit Universitäten, bekommt die angewandte Forschung nur zehn Prozent ihrer Mittel aus einer Basisfinanzierung. 90 Prozent müssen durch Projekte aufgetrieben werden. Dadurch könne das IHS keine selbstständige angewandte Forschung betreiben, ihre Exzellenz sei gefährdet, fürchtet Keuschnigg.

Bisher hat das IHS schwarze Zahlen geschrieben, aber dem Institut fehlen nun akut zumindest 500.000 Euro. Denn die Stadt Wien hat es seit der Gründung vor 50 Jahren ohne Miete beherbergt, das IHS musste nur Betriebskosten zahlen. Dieser Vertrag ist inzwischen ausgelaufen, auch eine Verlängerung, die Keuschnigg erwirkt hat, endet Mitte 2015. Außerdem muss das Gebäude saniert werden. Mit oder ohne Umzug stehen daher höhere Kosten an.

Für Keuschnigg gab es nach der Ablehnung seiner Vorschläge zwar keine Alternative zum Rücktritt, er bedauerte aber das Ende seiner Tätigkeit beim IHS. “Mir hat es großen Spaß gemacht”, sagte er. Auch habe er “viel gelernt auf verschiedenen Fronten. Selbst wenn es nicht so ausgegangen ist wie geplant, möchte ich die Erfahrung nicht missen”. Bevor er sich aber noch einmal für die Führung eines Instituts bewirbt würde er genauer nachfragen, “ob meine Vorstellungen mit der Strategie des Instituts übereinstimmen”.

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