Ingrid Betancourt erwägt Rückkehr in Politik

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Ehrung der früheren FARC-Geisel in Wien
Ehrung der früheren FARC-Geisel in Wien
Rund sechseinhalb Jahre nach ihrer Befreiung erwägt die frühere FARC-Geisel Ingrid Betancourt einen Rückkehr in die kolumbianische Politik. “Die Politik ist eine Kampfarena” für die sie lange keine Kraft gehabt habe, jetzt sei sie aber “zurück”, so die Ex-Präsidentschaftskandidatin am Donnerstag in Wien. Dort wird die 52-Jährige am Abend mit dem “Look!Woman Award” ausgezeichnet.


“Ich werde aber definitiv nicht zurückkommen, wenn ich mich vom politischen System instrumentalisiert fühle,” sagte Betancourt, die nach ihrer Freilassung lange eine Rückkehr in die Politik ausgeschlossen hatte. Sie sei “immer eine Außenseiterin” gewesen und das möchte sie angesichts der aktuellen Politik auch bleiben, betonte die frühere Politikerin. Wichtig sei ihr auch, dass sie ihre Werte “ohne Kompromisse” vertreten und weithin gegen “Korruption, Geldwäsche und soziale Ungerechtigkeit” kämpfen könne. Eine unmittelbare Rückkehr stehe aber nicht bevor.

“Meine Jahre im Dschungel sind noch immer da, und das wird mein Leben lang so sein,” so Betancourt. Manchmal würden auch gewaltvolle Erinnerungen wie Angst oder das Gefühl der Erniedrigung zurückkommen, erzählt die 52-Jährige, die zwischen 2002 und 2008 von der linken Guerilla-Gruppe FARC in Geiselhaft gehalten wurde. “Aber ich habe es in den vergangenen Jahren in Freiheit geschafft, diese Gefühle in etwas Positives zu verwandeln”.

Neben Betancourt ist auch die Menschenrechtsaktivistin Sabatina James unter den Preisträgerinnen. James war als Kind aus Pakistan nach Österreich geflüchtet, weil ihr Vater sie umbringen wollte, nachdem sie sich gegen eine Zwangsheirat wehrte. Später gründete sie in Hamburg eine Organisation, die sich für die Gleichberechtigung muslimischer Frauen einsetzt. Die Verleihung des Friedensnobelpreises an die pakistanische Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai mache sie “sehr stolz”. Dies zeige auch, dass Frauen aus dem Land, in dem es die höchste Rate an Ehrenmorden gebe, besonders stark seien und für ihre Rechte kämpften.

Dass damals von Österreich nach Deutschland gegangen war, liege auch daran, dass dort die Islamdebatte “viel ernsthafter” geführt wurde als in Österreich. “Meine Geschichte wurde hier sehr boulevardesk erzählt,” sagte James. Sie habe sich in Österreich “nicht ernst genommen” gefühlt. Die Pakistani forderte die Politik auf, sich in der Islamdebatte mehr auf den Opferschutz zu konzentrieren.

Am Abend findet im Wiener Rathaus die Preisverleihung des ersten “Look!Women of the Year Awards” statt. Ausgezeichnet werden international und national erfolgreiche Frauen aus verschiedenen Bereichen.

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