Verlässt Ingrid Thurnher “Im Zentrum”?

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Ingrid Thurnher sprach Norbert Hofer im Rahmen des TV-Duells auf seine Tempelberg-Reise an.
Ingrid Thurnher sprach Norbert Hofer im Rahmen des TV-Duells auf seine Tempelberg-Reise an. - © APA/Herbert Neubauer/Archiv
Die bisherige “Im Zentrum”-Moderatorin Ingrid Thurnher wird per 1. Jänner 2017 Chefredakteurin von ORF III. Sie folgt damit Christoph Takacs nach, der im Jänner die Funktion des Landesdirektors beim ORF Salzburg übernimmt. “Im Zentrum” moderiert künftig Claudia Reiterer, teilte der ORF am Freitag in einer Aussendung mit.

Thurnher war zuletzt Moderatorin und stellvertretende Sendungsverantwortliche der Live-Diskussionssendung”Im Zentrum” am Sonntagabend. In ihrer ORF-Laufbahn war sie als Redakteurin, Reporterin und Moderatorin bis 1992 beim Landesstudio Niederösterreich beschäftigt, wechselte dann in die Radio-Innenpolitik und moderierte ab 1995 die “ZiB 2”. Später folgten Stationen beim “Report”, bei der “Zeit im Bild” sowie die Leitung von Wahlkonfrontationen und des “Runden Tisch”.

Thurnher soll ORF III mitgestalten

“Ich freue mich auf eine neue, spannende Aufgabe, die mir viel Gestaltungsspielraum für neue Sendeflächen und Formate einräumt”, erklärte Thurnher in der Aussendung. Konkret soll beispielsweise der “ORF III Themenmontag” durch eine regelmäßige Diskussionsrunde bereichert werden. Angedacht seien auch weitere Talk-Formate, die etwa gesellschaftspolitische Themen ausloten sollen.

Thurnher sei eine der “erfahrendesten Journalistinnen des Landes”, streute ihr Generaldirektor Alexander Wrabetz Rosen. Sie werde künftig den Ausbau des Informationsangebots von ORF III nicht nur vorantreiben, sondern “maßgeblich bestimmen”, so Wrabetz weiter. ORF III-Programmgeschäftsführer Peter Schöber zeigte sich darüber erfreut, dass die Personalentscheidung “breiteste Zustimmung” seitens der ORF III-Redakteursversammlung gefunden habe. Auch ORF-Fernsehdirektorin Kathrin Zechner gratulierte den beiden.

Reiterer seit 1998 beim ORF

Durch Thurnhers Wechsel wurde auch die Nachbesetzung bei “Im Zentrum” nötig, diese Sendung übernimmt Claudia Reiterer. “Aufgrund der starken Veränderung der Debattenkultur durch Social Media ist eine niveauvolle Diskussion und der Austausch von Argumenten, wo man einander zuhört, essenziell”, so Reiterer. Sie werde bis Jahresende die Sendung “heute konkret” moderieren und auch den Österreichischen Klimaschutzpreis begleiten, erklärte sie weiter.

Reiterer absolvierte im zweiten Bildungsweg das Hochschulstudium der Pädagogik und Psychologie an der Karl-Franzens-Universität in Graz. An dieser durchlief sie auch eine Journalistenausbildung. Beim ORF ist Reiterer seit 1998 und seit April 2007 war sie beim täglichen Servicemagazin “heute konkret” Hauptmoderatorin. Reiterer ist mit Lothar Lockl, dem Wahlkampfmanager des Grünen Bundespräsidentschaftskandidaten Alexander Van der Bellen verheiratet.

Reaktion auf Tempelberg-Berichterstattung?

Mitausschlaggebend für Thurnhers Wechsel vom “Zentrum” zur ORF III Chefredaktion dürfte laut einem Bericht der “Presse” auch die Tempelberg-Berichterstattung vor der Bundespräsidentenwahl gewesen sein. Thurnher habe in der TV-Konfrontation im Mai den FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer nicht zu den Einzelheiten seiner Israel-Reise befragen wollen, sei jedoch von der “Zeit im Bild”-Redaktion dazu gedrängt worden. Thurnher hatte danach auf Twitter klargestellt, von niemandem gedrängt worden zu sein. In den sozialen Netzwerken wurde sie jedoch massiv von FPÖ-Sympathisanten angefeindet.

FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl zeigte sich in einer ersten Reaktion “fassungslos” über die Bestellung Reiterers zur Nachfolgerin von Thurnher: “Man stelle sich vor, die Ehefrau eines hochrangigen FPÖ-Politikers würde diesen Posten bekommen.” Reiterer hätte seiner Meinung nach selbst die “Unvereinbarkeit dieses Jobs” erkennen und das Angebot ablehnen müssen. Die Entscheidung zeige jedenfalls “deutlich, wie der ORF tickt und was von seiner angeblichen Objektivität und Unabhängigkeit” im Bundespräsidentenwahlkampf zu halten sei: “Nämlich nichts”, so der Generalsekretär.

(APA)

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