“Intensives” Salzburg hat Schicksal wieder in eigener Hand

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Hwang (links) bei einem seiner Treffer.
Hwang (links) bei einem seiner Treffer. - © APA/AFP/Hache
Für Salzburgs Kicker hat sich das Blatt in der Europa League gewendet. Nach dem 2:0-Erfolg in Nizza am Donnerstag haben die Bullen ihr Schicksal wieder in der eigenen Hand. Mit intensivem Pressing erntete Österreichs Meister auch viel Respekt von Nizza-Trainer Lucien Favre. Matchwinner war schließlich aber Hee-chan Hwang, der seine ersten internationalen Tore gleich im Doppelpack erzielte.

Für den 20-jährigen Südkoreaner, der im Winter 2014/15 aus seiner Heimat verpflichtet wurde, war es der erst zweite internationale Einsatz. Seine aktuelle Form ist beneidenswert. In den jüngsten drei Partien traf er fünfmal, zuvor netzte er schon gegen St. Pölten (2) und die SV Ried (1). Passend dazu verlängerte er erst vor kurzem seinen Vertrag an der Salzach bis 2020. Trainer Oscar Garcia stieg wie gewohnt auf die Euphoriebremse. “Viel individuelle Arbeit” habe den bisher wenig torgefährlichen Offensivmann vorangebracht. Sein Urteil: “Ein junger Spieler, der noch sehr viel Potenzial hat.”

Hwang: In Topform und äußerst beliebt

In puncto Effizienz sprang Hwang für die überraschend aufgebotene Doppelspitze Munas Dabbur und Frederik Gulbrandsen, die viele Meter machte, in die Bresche und belohnte damit die aufopfernde Leistung seiner Kollegen. Valentino Lazaro frohlockte freilich auch, weil “er jetzt irgendetwas zahlen muss”. “Ich freue mich riesig für ihn, ein lustiger Typ, jeder mag ihn”, freute sich Mittelfeldmann Konrad Laimer für den recht zurückhaltenden Hwang.

Laimer: “Das ist einfach stark”

“Wir waren über weite Strecken überlegen, haben nichts zugelassen außer ein paar Distanzschüsse. Auf die Leistung können wir richtig stolz sein. Gegen den ersten der französischen Liga, das ist einfach stark. Wir haben beim Pressing, beim Umschalten, beim Rausspielen das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben”, resümierte Laimer. Ärgerlich für ihn war nur die Gelbe Karte, die ihn im nächsten Spiel zum Zuschauen verdammt. “Das ist schon scheiße für mich”, meinte Laimer.

Schaffen Bullen nach drei Niederlagen den Aufstieg?

Wie seine Kollegen hat der 19-Jährige nun wieder Blut geleckt hat. Gelingt tatsächlich noch der Aufstieg in die K.o.-Phase, wäre das freilich eine Premiere. Noch nie zuvor kam ein Team nach drei Niederlagen in den ersten drei Partien in der EL-Gruppenphase weiter. Umso bemerkenswerter wäre das in einem Pool, den Garcia zu Beginn als durchaus Champions-League-würdig einstufte. Noch stehen aber das Auswärtsspiel in Krasnodar (23. November) und die Heimpartie gegen Schalke (8. Dezember) am Programm, Siege sind notwendig. “Es wird noch richtig schwierig”, gab Laimer zu bedenken.

Nizza bringt gegen Salzburg wenig zustande

Am Donnerstagabend durfte man sich aber durchaus an der eigenen Leistung erfreuen. Das aggressive Spiel gegen den Ball stellte die Hausherren im halb vollen EM-Stadion von Beginn an vor echte Probleme, der Ligue-1-Leader brachte kaum konsistente Aktionen zuwege, Stürmerstar Mario Balotelli war abgesehen von zwei Distanzschüssen völlig abgemeldet. Was aus Salzburger Sicht schon drei Wochen zuvor beim Heim-0:1 gut funktioniert hatte, wurde diesmal auch belohnt.

“Wir sind mit dem Rücken zur Wand gestanden. Uns fällt ein Stein vom Herzen”, sagte Lazaro. “Wir haben heute so viel gegen den Ball gearbeitet, dass wir fast wenig oder gar nichts zugelassen haben, und wir sind geduldig geblieben.” Die Zusammenarbeit am Feld habe trotz einer neuerlich umgestellten Elf mit erstmals fünf Sommer-Zugängen in der Startformation gut geklappt: “Ich habe mich heute sehr oft sicher gefühlt, rauszupressen, weil ich gewusst habe, dass mich die Kollegen unterstützen.” Zugleich gab er aber zu, dass man den Gegner “etwas stärker erwartet habe”.

Nizza-Coach Favre: “Haben gegen starke Mannschaft verloren”

Favre wirkte nach einer Partie, in der sein in Frankreich derzeit dominierendes Team wenig zu melden hatte, gefasst. “Der Gegner hat stark, intensiv gespielt. Wir hatten Probleme, dem Rhythmus zu folgen”, bekannte der 59-Jährige. “Ich bin nicht überrascht, habe viele Spiele von Salzburg gesehen. Wir haben gegen eine wirklich gute Mannschaft verloren.”

Das Pressing der “Bullen” hob er hervor, die durch die Verletzung von Kapitän Paul Baysse nötig gewordene Umstellung von einer defensiven Fünfer- auf eine Viererkette hätte seiner Truppe die Aufgabe erschwert: “Mit fünf Mann hinten konnten wir den Ball leichter rausspielen, weil sie nicht so gut pressen konnten”, vergleich er den Abend mit dem Auftritt in Salzburg.

(APA)

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