Ist Make-Up ein Instrument der Stärke?

Wer sich stark genug fühlt, verzichtet auf Make-up.
Wer sich stark genug fühlt, verzichtet auf Make-up. - © Haus der Schönheit
Für viele Frauen gehört das Auftragen von Lippenstift, Eyeliner und Rouge ganz selbstverständlich zur morgendlichen Routine. Erst mit dem Make-up auf der Haut fühlen sie sich für den Tag gewappnet. Doch verbergen sie ihr Gesicht damit nicht auch hinter einer Maske? Immer häufiger lässt sich daher ein gegenteiliger Trend erkennen: Wer sich stark genug fühlt, verzichtet auf ein geschminktes Äußeres.

Das Ende des Schönheitskults

Wer sich gegen das Make-up entscheidet, mag dafür unterschiedliche Gründe besitzen. Vielleicht gehört an manchen Tagen dazu die Unlust, die ohnehin knapp bemessene Zeit am Morgen der Kosmetik zu widmen. Ebenso wäre es aber denkbar, dass eine Frau durch den Verzicht der Farben und Puder ein starkes Statement setzen möchte: Der Wunsch nach Selbstbestimmung erfordert stets ein Loslösen von gesellschaftlichen Konventionen. Gerade dann, wenn diese durchaus als Instrument zur Unterdrückung der Damen gesehen werden können. Schließlich muss ein Gesicht nicht geschminkt sein, um interessant zu wirken.

Fest in den Alltag integriert

Wir haben uns bereits daran gewöhnt, dass sich Frauen ungeschminkt kaum noch wohlfühlen. Für sie wäre es nicht vorstellbar, das Haus zu verlassen, ohne ein wenig Rouge auf die Wangen getupft zu haben. Darin wiederum wird ein Zeichen von Stärke gesehen: Wer möchte seine zumeist nicht ganz makellose Haut mit ihren Rötungen und Mitessern schon gerne der Öffentlichkeit zeigen? Und doch stellt sich damit auch die Frage, ob wir dem Make-up nicht vielleicht einen zu hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft einräumen.

Eigene Stärken unterstreichen

Dennoch ist um das Tragen der Schminke nunmehr ein Meinungsstreit entbrannt. Ein geschminktes Gesicht muss also nicht zwangsläufig mit einer kaum zu

durchschauenden Maske verbunden werden, hinter der sich die Trägerin komfortabel versteckt. Vielmehr kann dieses auch als Instrument der Selbstbestimmung und der Stärke verstanden werden. Warum sollte es schließlich falsch sein, den eigenen Look ein wenig aufzupeppen?

Persönlicher Wunsch – oder gesellschaftlicher Zwang?

Blickt man einmal in die antiken Kulturen zurück, so war die Schminke bereits unter den Römern, Griechen und Ägyptern bekannt. Dort gehörte jedoch nur den Adelsständen das Privileg, ihr Gesicht zu bemalen. Im 20. Jahrhundert wiederum zählte der rote Lippenstift zu den bevorzugten Mitteln, um für das Wahlrecht der Frauen in New York zu kämpfen. Ist es unter diesen Voraussetzungen überhaupt möglich, das Make-up gänzlich aus freier Entscheidung heraus zu tragen – oder übernimmt die Betroffene damit immer auch eine gesellschaftliche Funktion?

Von allem Druck befreien

Doch gerade das Überwinden der gesellschaftlichen Unterschiede lässt uns heute frei sein. Frei genug, den eigenen Wünschen zu folgen. Ob sich Frauen – vielleicht sogar Männer – am Morgen vor dem Verlassen des Hauses das Gesicht schminken, sei ihnen alleine überlassen. Wer sein Geld für Kosmetikprodukte ausgeben möchte, kann das gerne tun. Wer drauf verzichtet, investiert das Ersparte für ein gutes Essen oder den nächsten Urlaub. Wir sind so frei in unseren Entscheidungen, wie es die Menschheit zuvor kaum war. Und das sollten wir an jedem einzelnen Tag genießen.

 

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