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18. Juli 2012 14:55; Akt.: 19.07.2012 15:33

Jahrhundertealte Klause am Falkenstein entdeckt

Die Fundamente einer längst vergessenen Klause wurden auf der Lichtung unterhalb der Wallfahrtskirche auf dem Falkenstein gefunden. Die Fundamente einer längst vergessenen Klause wurden auf der Lichtung unterhalb der Wallfahrtskirche auf dem Falkenstein gefunden. - © Neumayr
Nahe einer Wallfahrtskirche bei St.Gilgen (Flachgau) entdeckte ein Archäologenteam am Falkenstein die Fundamente einer längst vergessenen Klause, in der einst je zwei Eremiten lebten.

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Eine historisch interessante Entdeckung haben Archäologen bei Ausgrabungen an der Jahrhunderte alten Pilgerstätte am Falkenstein in St. Gilgen am Wolfgangsee im Salzburger Flachgau gemacht: Nahe der Wallfahrtskirche wurden in den Fundamenten einer längst vergessenen Klause zwei bisher unbekannte Kellerräume und eine hölzerne Wasserleitung gefunden.

Das Rohr wird mit dem Wasser aus jener ursprünglichen Quelle gespeist, die der Legende zufolge der Heilige Wolfgang von Regensburg im 10. Jahrhundert mit seinem Stab für seinen durstigen Mitbruder aus dem Felsen geschlagen hatte. Die Eremiten lebten in der Klause auch wohlhabender als historisch überliefert ist.

Siedler am Falkenstein waren gut ausgestattet

“Dieses heilige Wasser wurde über Jahrhunderte von den Pilgern verehrt und begehrt. Mit modernster Lasertechnik wurden die ausgegrabenen Fundamente dokumentiert und in der virtuellen Welt sichtbar gemacht”, erläuterte Grabungsleiter Wolfgang Neubauer von der Universität Wien und Direktor des Ludwig Boltzmann Instituts für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie (LBI ArchPro) am Mittwoch, in Fürberg am Fuße des Falkensteins. Unter der Klause befanden sich zwei Kellerräume. Der eine diente als Vorratskammer, in den anderen mündete die Wasserleitung, aus der die Einsiedler das Wasser für die sogenannten “Wolfgangiflascherl” für die Pilger abfüllten.

Die archäologischen Funde geben einen tieferen Einblick in das tägliche Leben der Eremiten und Pilger. Dieses dürfte wesentlich farbenfroher gewesen sein, als ursprünglich angenommen. Überraschend war für die Archäologen die Üppigkeit an Hausrat und persönlichen Gegenständen der Einsiedler, die ja der historischen Überlieferung zufolge weit einfacher gelebt haben sollen. So fand man eine Unmenge an Fragmenten von tönernem Geschirr, qualitätsvollen Krügen aus Glas und die Bruchstücke von mindestens zwei verschiedenen Kachelöfen mit grün glasierten Kacheln.

Hunderttausende Pilger zogen über Falkenstein

Im Bereich dieser Klause auf der Waldlichtung unterhalb der kleinen Kirche wurden auch mehr als 100 Münzen der Habsburger, aus dem Erzbistum Salzburg, Tirol, Bayern und aus süddeutschen Städten gefunden. Die Münzen sind zum Großteil aus Silber, die ältesten stammen aus dem frühen 17. Jahrhundert und belegen die Herkunft und Spendenfreudigkeit Hunderttausender Pilger, die jährlich über den Falkenstein zogen. Auch persönliche Gegenstände der Eremiten wie eine Maultrommel, Knochenflöte sowie Gürtelschnallen zählen zu den Fundstücken. Gegen Spenden wurden an die Pilger Souvenirs ausgeben, davon zeugen sechs “Wolfgangihackerl”, das sind nachgebildete Miniaturen der Axt zum Gedenken an den Heiligen Wolfgang.

Der Legende nach weilte der Heilige Wolfgang, Bischof von Regensburg, auch selbst an dem stillen Ort am Falkenstein. Dieser wurde in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts von einer keltischen in eine christliche Pilgerstätte umgewandelt. Ab dem 14. Jahrhundert passierten zu Spitzenzeiten jährlich bis zu 300.000 Pilger den steilen Felsen auf dem Weg von St. Gilgen nach St. Wolfgang. Nach der Stiftung der Kirche im Jahr 1626 wurde auch die Errichtung einer Klause bewilligt. In der einfachen Holzhütte wohnten bis zu zwei Laienbrüder. Sie kümmerten sich um die Wallfahrtskirche und die Pilger. Der erste Bewohner lebte ab 1659 in der Klause, der letzte starb 1812. Aber bereits im 1. Jahrtausend vor Christus waren hier Pilger zu einem keltischen Heiligtum unterwegs.

Im Jahr 2009 untersuchten Spezialisten des LBI ArchPro im Auftrag des Heimatkundlichen Museums St. Gilgen mit modernsten Bodenradargeräten den Untergrund auf der Lichtung. Durch Radargramme wurden Fundamente im Boden auf dem Computer sichtbar gemacht. Die im Vorjahr begonnenen Ausgrabungen sind noch nicht abgeschlossen. Es werden noch weitere Erkenntnisse aus der Wallfahrertradition erwartet. (APA)



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