Jeder vierte Junge sieht sich im Job unter Bildungsniveau eingesetzt

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Die Matura ist keine Job-Garantie mehr.
Die Matura ist keine Job-Garantie mehr. - © APA/HANS KLAUS TECHT
Ein Maturazeugnis reicht für einen Job heute nicht mehr aus. Mit der Mobilität hapert es in Österreich im internationalen Vergleich immer noch, und viele junge und jüngere Arbeitnehmer fühlen sich nicht richtig eingestuft und damit auch unterbezahlt, jedenfalls nicht “qualifikationsadäquat” beschäftigt. Das ergab eine Umfrage der Statistik Austria unter jungen Erwachsenen.

Die Statistik Austria hat auf Basis des Mikrozensus (Arbeitskräfteerhebung 2016) in Stichproben 8.250 junge Menschen zwischen 15 und 34 Jahren befragt und danach auf die Bevölkerungszahl hochgerechnet. In Österreich lebten 2016 rund 2,16 Millionen 15- bis 34-Jährige – davon 1,47 Millionen erwerbstätig, 131.000 arbeitslos und 550.000 sind in Ausbildung (Schüler, Studierende). In dieser Altersgruppe liegt die Erwerbstätigenquote bei 68,2 Prozent und die Arbeitslosenrate bei 8,2 Prozent.

Matura nur mehr Zwischenetappe

Die Studie ergab, was de facto schon lang beobachtet wurde: Ein AHS-Abschluss ist keine Berufsausbildung, sondern nur Zwischenetappe, sagte Statistik Austria-Chef Konrad Pesendorfer am Mittwoch im Klub der Wirtschaftspublizisten. “Das Mindeste ist meistens Bachelor oder eine berufsspezifische Ausbildung”.

Ein Arbeitsmarktstatus 18 Monate nach Bildungsabschluss ergab: Nach einem Lehrabschluss seien drei Viertel erwerbstätig, nach der AHS-Matura nicht einmal 10 Prozent. Der weit überwiegende Teil der AHS-Maturanten studiert weiter.

Junge für in ihrem Job überqualifiziert

Bei bereits aktiv im Berufsleben stehenden wurden viele traditionelle geschlechtsspezifische Besonderheiten und zuletzt auch größere Unterschiede zwischen österreichischen und nichtösterreichischen Staatsbürgern (Migrationshintergrund) offenbar. Insgesamt gaben 24 Prozent der erwerbstätigen jungen Erwachsenen an, dass ihre derzeitige Tätigkeit wenig bis gar nicht ihren Bildungsabschlüssen entsprach – das heißt sie sahen sich in der Regel selber höher qualifiziert als eingesetzt.

Junge Menschen mit Migrationshintergrund klagten zu 41 Prozent und damit doppelt so oft wie Österreicher, dass sie am Jobmarkt nicht bildungsadäquat aktiv sind – zum Teil auch noch in der zweiten Generation. Mit steigendem Bildungsniveau ergab sich indes eine zunehmende Übereinstimmung von Bildung und ausgeübter Tätigkeit.

Meisten Abbrecher leben in Wien

167.000 junge Menschen haben nach ihrer höchsten Ausbildung eine weitere Ausbildung zwar begonnen, aber abgebrochen. Laut Statistik Austria sind es 12 Prozent aller 15- bis 34-Jährigen, die derzeit nicht in Ausbildung sind. Menschen mit Migrationshintergrund sind davon wieder stärker betroffen, und österreichweit leben die meisten “Abbrecher” in Wien.

Männer brechen Lehre, Frauen Uni ab

Diese jungen Menschen sind auch fast dreimal mehr von Arbeitslosigkeit betroffen. Bei Männern ist die häufigste abgebrochene Ausbildung die Lehre (45 Prozent), bei Frauen die Universität (47 Prozent). Frauen geben oftmals familiäre Gründe dafür an.

Umzugsbereitschaft bei höherer Ausbildung größer

43 Prozent würden wegen eines Jobs umziehen, knapp 40 Prozent würden länger als eine Stunde pendeln. Wenig überraschend: Die Mobilitätsbereitschaft von Arbeitslosen ist mit 67 Prozent deutlich höher als jene von Erwerbstätigen. Österreich hinkt da in internationalen Vergleichen schon lang hinterher. Bei höherer Schulbildung ist die Umzugsbereitschaft insgesamt größer. Sind indes Kinder im Haushalt, sind Frauen weitaus weniger bereit, für einen Job in eine andere Stadt zu ziehen als Männer. Männer mit Kindern zuhause sind zu 57 Prozent zum Pendeln und/oder Umzug bereit, Frauen mit Kindern nur zu 33 Prozent. Die geschlechtsspezifischen Unterschiede erklären die Statistiker mit Kinderbetreuungspflichten. Mehr als ein Drittel der Befragten hat den Weg in die Arbeit durch soziale Kontakte gefunden, also durch Verwandte, Freunde und Beziehungen (“Vitamin B”).

(APA)

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