JPMorgan-Chef bleibt als US-Finanzminister im Gespräch

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Jamie Dimon von der Großbank auf die Regierungsbank?
Jamie Dimon von der Großbank auf die Regierungsbank? - © APA (AFP/Getty)
In den USA wird nach dem Wahlsieg von Donald Trump über einen Wechsel des Wall-Street-Bankers Jamie Dimon auf den Sessel des Finanzministers spekuliert. Für Aufsehen in US-Medien sorgte dabei vor allem eine Twitter-Nachricht der bekannten Fernseh-Moderatorin Maria Bartiromo, wonach der Chef der Großbank JPMorgan Chase den Posten bereits sicher haben soll.

Die Aktie des Finanzkonzerns fiel daraufhin um über drei Prozent und ging am Mittwoch mit einem Minus von 2,5 Prozent aus dem Handel. Dimon hat bisher keinen Nachfolger aufgebaut. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters ist eine Entscheidung noch nicht gefallen.

Die Signale aus dem Umfeld des designierten US-Präsidenten Trump sind allerdings widersprüchlich. Einige Insider sagten, Dimon wolle den Job, andere betonten, er sei nicht interessiert. Auch Bartiromo schränkte später ein, der frühere Goldman-Sachs-Manager Steve Mnuchin sei ebenfalls noch im Rennen. Klarheit werde es erst Ende der Woche geben.

Bartiromos Kollege Charles Gasparino twitterte, Dimon wolle das Amt nicht, würde der neuen Regierung aber beratend zur Seite stehen. Bartiromo und Gasparino arbeiten für den TV-Sender Fox Business Network. JPMorgan äußerte sich nicht zu den Berichten.

Dimon und Mnuchin sind seit Tagen in der Diskussion. Der JPMorgan-Chef hat zwar wiederholt erklärt, nicht interessiert zu sein. Es kommt in den USA aber selten vor, dass jemand einen Posten im Kabinett eines neuen Präsidenten ausschlägt. Dimon würde damit auch seinen eigenen Konzern in eine schwierige Lage bringen. Denn das Unternehmen würde dann von einer Regierung beaufsichtigt, der er den Laufpass gegeben hat. Sollte Dimon das Amt antreten, ist unklar, wer sein Nachfolger werden könnte.

Fraglich ist auch, welche Berater und Familienmitglieder Trump in sein neues Regierungsteam einbinden will. Das “Wall Street Journal” berichtete, Trump wolle seinen Schwiegersohn Jared Kushner als wichtigen Berater ins Weiße Haus holen. Es sei aber unklar, ob ein Gesetz gegen Freunderlwirtschaft auch für eine derartige Position gelte. Demnach hat der 35-Jährige angedeutet, auf ein Gehalt verzichten und das Problem so umgehen zu können.

Kushner ist mit Trumps Tochter Ivanka verheiratet und war bereits im Wahlkampf ein wichtiger Berater. Trumps Vertraute und frühere Wahlkampfmanagerin Kellyanne Conway sagte aber nun, sie gehe nicht davon aus, dass Kushner einen offiziellen Posten im Weißen Haus anstrebe. Er wolle seinem Schwiegervater nur helfen.

Trumps Team hat mehrfach dementiert, bei den Behörden eine Sicherheitsüberprüfung Kushners beantragen zu wollen. Diese wäre Voraussetzung dafür, dass Trump mit ihm über Fragen der nationalen Sicherheit reden könnte. Kushner ist wie Trump Immobilienunternehmer und lenkt das Familienunternehmen Kushner Companies. Bereits im Alter von 26 Jahren fädelte er den Kauf eines Hochhauses in New York für 1,8 Milliarden Dollar ein.

Trumps Team kämpft neun Wochen vor der Amtsübernahme auch an weiteren Stelle mit Planungsproblemen. Kurz vor einem Treffen mit dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe erklärten Vertreter des asiatischen Landes, es sei unklar, wann und an welchem Ort die Begegnung stattfinde. “Es hat eine Menge Verwirrung gegeben”, sagte ein japanischer Regierungsvertreter. Trump und Abe wollten sich am Donnerstag in New York treffen.

(APA/ag.)

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