Jüdischer Friedhof in Hohenems wird restauriert

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Der Jüdische Friedhof in Hohenems ist die erste jüdische Begräbnisstätte in Österreich, die im Rahmen des 2011 eingerichteten Nationalfonds zur Instandsetzung der jüdischen Friedhöfe in Österreich umfassend renoviert wird. Die Kosten der Restaurierung von Friedhofsmauer, Grabstätten und Einsegnungshalle belaufen sich auf rund 250.000 Euro. Die Hälfte davon stammt aus den Mitteln des Nationalfonds.


Den Rest der Sanierungsgelder muss der Inhaber, der Verein zur Erhaltung des Jüdischen Friedhofs in Hohenems, über Eigenmittel und Eigenleistungen sowie über Förderungen von Stadt, Land, Bundesdenkmalamt und über private Spenden aufbringen.

Getätigt werden sollen vorerst nur die wichtigsten und notwendigsten Arbeiten, betonte Johannes Inama, Aktuar des Trägervereins des Jüdischen Friedhofs, am Montag bei einer Pressekonferenz auf dem Jüdischen Friedhof. Dazu zähle etwa die Friedhofsmauer. Sie habe aufgrund von Sanierungsarbeiten mit falschen Baumaterialien in den vergangenen Jahrhunderten sehr stark gelitten. “Wenn der Steinrahmen das Ganze nicht zusammengehalten hätte, wäre die Mauer sicher schon eingestürzt”, sagte Georg Mack vom Bundesdenkmalamt in Vorarlberg, der das Projekt gemeinsam mit dem Verein zur Erhaltung des Jüdischen Friedhofs in Hohenems durchführt.

Bis Juli 2017, dem 400 Jahre-Jubiläum der Kultstätte, sollen die Arbeiten in wesentlichen Teilen abgeschlossen sein, erklärte Inama. In diesem Monat sei ein Nachkommentreffen jüdischer Familien aus Hohenems geplant.

Die Abwicklung der Förderansuchen, um an Mittel des Nationalfonds zu kommen, beurteilten sowohl Inama als auch Architekt Reinhard Rinderer, dessen Büro die Arbeiten koordiniert, als “äußerst schwierig”. Im “komplizierten Prozedere” vermuten sie auch das Problem, weshalb bisher noch keine größeren Renovierungsprojekte in anderen Bundesländern in Angriff genommen worden seien. Eine Bedingung für Gelder aus dem Nationalfonds sei etwa ein Pflegevertrag mit der betroffenen Gemeinde. Darin muss sich die Kommune verpflichten, 20 Jahre lang für die Pflege und Erhaltung des Friedhofs aufzukommen. Daran würden bereits viele Gemeinden scheitern, berichtete Inama. Mit der Stadt Hohenems sei glücklicherweise ein derartiger Vertrag zustande gekommen.

Die Gründung des jüdischen Friedhofs in Hohenems geht auf das Jahr 1617 zurück. Damals übereignete Graf Caspar von Hohenems zwölf jüdischen Familien das Gelände als Begräbnisstätte, erste erhaltene Grabmäler gehen auf das 18. Jahrhundert zurück. Ab dieser Zeit sind Grabsteine aus allen Jahrhunderten und Kunstepochen bis in die heutige Zeit auf dem Friedhof zu sehen. Erst vor vier Jahren sei das bisher letzte Mal jemand begraben worden, erklärte Inama. Außerdem hätten sich bereits einige Nachkommen von Hohenemser Juden Grabplätze für die Zukunft reserviert.

Der Nationalfonds zur Instandsetzung der jüdischen Friedhöfe in Österreich geht auf das “Washingtoner Abkommen” zurück, das die österreichische Bundesregierung 2001 mit der US-Regierung unterzeichnet hat. Österreich verpflichtet sich darin neben der Restitution und Entschädigung von Opfern des Nationalsozialismus zur Erhaltung jüdischer Friedhöfe. Im Dezember 2010 wurde mit dem Erlass des “Bundesgesetzes zur Errichtung des Fonds zur Instandsetzung der jüdischen Friedhöfe in Österreich” der entscheidende Schritt zur Umsetzung dieser Verpflichtung gesetzt. Über einen Zeitraum von 20 Jahren sollen mit Unterstützung des Fonds insgesamt mehr als 60 jüdische Friedhöfe in ganz Österreich vor dem Verfall bewahrt werden.

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