Juwelierraub-Angeklagter bestritt Mord

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Neun Jahre nach dem Überfall auf den Juwelier Hohensteiner in Eisenstadt muss sich der Mann, der einem jungen Uhrmacher ins Gesicht geschossen haben soll, vor Gericht verantworten. Der Mitarbeiter starb 2013 an den Folgen der Verletzung. Der wegen Mordes Angeklagte wartete am Mittwoch mit einer Neuigkeit auf: Nicht er, sondern ein vierter Räuber sei der Schütze. Zum Raub bekannte er sich schuldig.


Staatsanwalt Christian Petö sprach im Anklagevortrag von einer “brutalen und unmenschlichen Tat”, an deren Folgen der junge Mitarbeiter schließlich am 20. Februar 2013 gestorben sei. Der 27-jährige Angeklagte gehöre zu einer internationalen Bande, die auf Blitzüberfälle in ganz Europa spezialisiert seien. Diese dauerten “nicht einmal eine Minute.”

Der Raub am 28. November 2005 in Eisenstadt sei wie andere Coups zuvor in Deutschland wochenlang vorbereitet worden. Dazu gehörte auch der Diebstahl PS-starker Autos als Fluchtfahrzeuge, die mit Vorrichtungen zum Abwerfen von Eisenkrallen versehen wurden.

Am Tattag stürmten nach Aussage der Frau des Juweliers drei Männer ins Geschäft. “Die waren alle maskiert”, erzählte sie vor dem Geschworenensenat. Einer habe sie mit einer Pistole bedroht und sie mit dem Lauf auf den Brustkorb geschlagen, während er sie mit der anderen Hand festgehalten habe.

Die anderen hätten die Glasvitrinen zerschlagen und die teuren Uhren in die mitgebrachten Taschen gegeben. Die Täter machten laut Anklage Beute im Wert von knapp 450.000 Euro. Der junge Uhrmacher, der in einem rückwärts liegenden Zimmer den Überfall mitbekam, löste akustischen Alarm aus, der das Trio in die Flucht schlug. Mit einem Regenschirm in der Hand lief er ihnen nach und wollte einen der Räuber zurückhalten. Dieser habe ihm “ohne zu zögern und aus kürzester Entfernung” ins Gesicht geschossen, so der Staatsanwalt.

Mit einer sichergestellten Blutspur auf der Rückbank des Fluchtwagens und einem Glassplitter vom Einschlagen der Vitrinen sowie durch Zeugenaussagen sei der 27-Jährige als Schütze zu überführen, stellte der Ankläger fest, der auch die schweren Verletzungen des Opfers erwähnte: Der damals 22-jährige Uhrmacher habe durch den Schuss ein schweres, penetrierendes Schädel Hirn-Trauma mit Blutungen im Schädelinneren und in den Rückenmarkskanal erlitten. Der zweite Halswirbel sei gebrochen, das Halsmark wurde ebenso durchtrennt wie eine Wirbelarterie, was einen Hirninfarkt zur Folge hatte. Der Niederösterreicher war nach dem Schuss bis zu seinem Tod ein Pflegefall und erlag schließlich einer akuten Hirnlähmung.

Der Angeklagte belastete mit seiner Aussage einen Toten: Bei dem Überfall sei ein vierter Mann beteiligt gewesen, der geschossen habe, schilderte er. Dieser sei bei einem Motorradunfall im Jahr 2011 ums Leben gekommen. Seine Mutter und seine Schwester, denen er sich nach der Tat anvertraut habe, wären aber bereit, auszusagen. Beide sind für Donnerstag geladen.

Ebenfalls als Zeuge geladen war jenes bereits wegen des Überfalls in Eisenstadt verurteilte Mitglied der “Pink Panther”-Bande, das nach einer Panne kürzlich um drei Jahre zu früh entlassen und des Landes verwiesen worden war. Am Mittwoch stand der Mann dennoch auf der Zeugenliste. “Ich muss formal einen Aufruf machen”, meinte die Vorsitzende des Schwurgerichts, Birgit Falb und hielt nach kurzem Warten fest, dass er “beim Aufruf nicht erschienen ist” – womit sie aber auch nicht gerechnet habe.

Der 27-Jährige erzählte von seiner Einweisung in ein Erziehungsheim mit 15 Jahren und wie er mit der Bande in Kontakt gekommen sei. “Die haben sich dann immer so gegeben als Beschützer und Helfer”, mittlerweile habe er jedoch Angst vor den Drahtziehern: “Das sind Männer, deren Namen ich nicht nennen möchte.” Er habe immer das gemacht, was man von ihm verlangt hätte und sei “bei keiner Planung für einen Raubüberfall beteiligt” gewesen, “auch nicht bei jenem in Eisenstadt.”

Ihr Mandant wäre nicht links, sondern rechts hinten in das Fluchtfahrzeug gestiegen, erklärte die Verteidigerin des Serben. So sei es auch zu den DNA-Spuren an der rechten hinteren Tür gekommen.

Die Zeugen taten sich mit neun Jahren Abstand zur Tat mit dem Erinnern schwer, weshalb die Vorsitzende öfters aus den Polizeiprotokollen der ersten Befragung nach der Tat verlas. Der Senat bekam unterschiedlichste Aussagen zu hören – ein Zeuge wollte einen, andere zwei bis drei und einer vier Räuber bemerkt haben, die sich nach dem Überfall aus dem Staub machten. Der Prozess soll am Donnerstag mit der Befragung weiterer Zeugen fortgesetzt werden.

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