Kabarett- und Musik-Stars rockten das Orpheum zum Jubiläum

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Resetarits mal zwei zum Jubiläum
Resetarits mal zwei zum Jubiläum - © APA
“Dem Orpheum zum Jubiläum!”, deklamierte Extrem-Schrammler Roland Neuwirth – und rockte am Montagabend samt Ostbahn-Band zum 20. Geburtstag auf den Brettern der Donaustädter Vorstadt-Bühne, wie es ihm wohl niemand zugetraut hätte; wie rund 20 weitere Stars der “Kleinkunst”-Szene, von Nadja Maleh und Birgit Denk über Lukas Resetarits, Gunkl, Andreas Vitasek und – ja, wirklich – Herbert Prohaska.

“Das Orpheum – wenn des net a Veranstaltungshalle wär’, i tät’ do einziagn”, eröffnete Andy Baum den Reigen der Huldigungen an die Location, ehe er “One Step Up” samt Kurt Ostbahns wie immer fabelhafter Band intonierte. Alle Künstler – außer Traditions-Schrulli Neuwirth – sangen an dem Abend die englischen Originale jener Songs, mit denen Dr. Kurt Ostbahn in den legendären Dialekt-Übertragungen von “Trainer” Günter Brödl weltberühmt in Österreich geworden ist. “Birgit Denk in Englisch – wer hätt’ si des denkt”, feixte denn auch “Dialektikerin” Denk (die den Three Degrees-Hadern “Who Is She And What Is She To You” interpretierte).

Interpretieren ist ein gutes Stichwort – denn nicht bei allen Kabarettisten konnte man von “singen” reden. Einsichtig etwa Andreas Vitasek in seiner Ankündigung: “I sing’ was – falls ma’s net merkt – von den Stones”. Das war dann “I Used To Love Her But It’s All Over Now”, wie Musik und Begleitgesang zweifelsfrei bestätigten. Aber Vitasek hat sich dafür doch überraschend ordentlich bewegt auf der Bühne.

Bei Gunkl wusste man – wie so oft bei ihm – nicht, ob die extrem Bass-lastige Interpretation von Willie Nelsons “How Time Slips Away” ein Stilmittel oder doch bloß die Tarnung für’s “Eigentlich-nicht-Singen-Können” war. Bei Herbert Prohaska kamen hingegen solche Zweifel erst gar nicht auf, aber der Schneckerl lieferte dennoch – unterstützt von Elvis-Imitat Pete Art – eine lustige (ebenfalls englische) Version von Ostbahns “57er Chevy” ab.

Grandios amüsant auch Orpheum-Doyen Erich Schindlecker mit Frank Zappas “Bobby Brown”. Aber es gab auch wirklich tolle musikalische Momente: die immer gewaltige Tini Kainrath mit Marvin Gayes “I Heard It Through The Grapevine” etwa, Monti Beton mit einem mitreißenden “Joker” der Steve Miller Band und Nadja Maleh mit dem Dave Edmunds-Hammer “I Hear You Knockin'” – nicht wenige im Publikum, die verblüfft diagnostizierten, dass “die Maleh” eigentlich besser singt als Kabarett spielt…

Hinter und über allem schwebte meist dezent Kurt Ostbahn himself, der natürlich einige Songs als Frontman beisteuerte . Am Ende gab es eine tolle Version von Springsteens “Fire” von der “Glitzerfraktion”, wie sich angesichts der Kleider Kainrath, Denk, Maleh und Sabine Stieger selbst nannten. Und ganz zum Schluss sangen dann alle gemeinsam samt Publikum “Don’t You Know You Are A Shooting Star” (Ostbahn-Version: “Überstar”) – im Original bezeichnenderweise von Bad Company. Eine Bühne wie das Orpheum kann sich wirklich glücklich schätzen, wenn es eine solche “schlechte Gesellschaft” wie alle jene Freunde und Künstler des Geburtstagsabends hat.

(APA)

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