Kandinsky-Würdigungen zum 150. Geburtstag

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Ausstellungen in Frankreich würdigt Kandinsky
Ausstellungen in Frankreich würdigt Kandinsky - © APA (dpa)
Eines seiner letzten Werke, dem Wassily Kandinsky noch einen deutschen Titel gab, malte er im August 1933. Es heißt “Entwicklung in Braun”. Das geometrische Formenvokabular spiegelt noch die Ästhetik der Bauhaus-Schule in Weimar wider, wo der in Moskau geborene Künstler ab 1922 unterrichtet hatte.

Doch die verspielte Linienführung lässt den Bruch mit der konstruktivistischen Bildsprache der 20er-Jahre erahnen. Das Gemälde hängt im Kunstmuseum in Grenoble, das sich in einer umfassenden Ausstellung für die letzten Schaffensjahre von Kandinsky in Paris interessiert. Es ist eine von mehreren Ausstellungen, die Kandinsky zu seinem Geburtstag vor 150 Jahren, am 16. Dezember 1866, würdigen.

“Kandinsky. Les annees Parisiennes (1933-1944)” heißt die Werkschau, die den Fokus auf eine Periode legt, die bisher nur wenig beleuchtet wurde. “In Paris hat Kandinsky einen Stil entwickelt, der im Kontrast zu allem stand, seiner Zeit und seiner zuvor entwickelten Bildsprache”, sagte der Direktor des Museums, Guy Tosatto. In diesen Jahren habe er wieder von vorne begonnen. “Start” heißt auch sein erstes, in Paris gemaltes Bild.

Auf den über 70 Arbeiten tummeln sich bunte, biomorphe Formen. Sie erinnern an kleine, lustige Meeresfische und an die birnenförmigen Figuren der “Barbapapas”, einer Ende der 1960er-Jahre entstandenen Reihe von Kinderbüchern und Zeichentrickfilmen. Die Bilder wirken im Kontext von Kandinskys Exil und des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs erstaunlich unbeschwert und leicht.

Seine Werke seien eine Botschaft der Hoffnung und des Lebens, sie seien die Botschaft eines Humanisten, dessen Abstraktion im Leben verankert sei, erklärt Museumsdirektor Tosatto. Gleichzeitig war seine biomorphe und kosmische Malerei eine Absage an die geometrische Abstraktion. “Diese Kunst ist für ihn zu einer toten Kunst geworden. Seine Abstraktion war die der Emotionen”, sagt Tosatto.

Kandinsky war 67, als er mit seiner Frau Nina Deutschland verließ, um sich in dem Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine in einem kleinen Appartement niederzulassen. Der Bruch mit seinem vorherigen Leben war radikal. “Er hat sein Bauhaus-Leben und seinen Ruhm hinter sich gelassen”, sagt Sophie Bernard, die Ko-Kuratorin. Auch von Deutschland hat er sich allmählich verabschiedet. Seinen Werken habe er französische Titel gegeben und seinen Vornamen mit einem V statt mit einem W geschrieben. Am 13. Dezember 1944 starb Kandinsky in Neuilly-sur-Seine.

Mit ihm als Mitbegründer des 1911 entstandenen Almanachs und Künstlervereins “Der Blaue Reiter” in München und Murnau beschäftigt sich die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel. Unter dem Titel “Kandinsky, Marc & Der blaue Reiter” vereint die Stiftung rund 90 Werke von Franz Marc, August Macke und Kandinsky, darunter auch sein expressionistisches Meisterwerk “Der blaue Berg”.

Kandinsky ging es zu dieser Zeit um die Befreiung der Farbe und der Linie. Bilder wie “Das Jüngste Gericht/Komposition V” und “Impression III” spiegeln seinen Weg in die Abstraktion wider, den er in der französischen Hauptstadt fortgesetzt hat. In Paris habe er letztendlich die große Synthese vollzogen, denn er habe die Stilelemente aus seiner Zeit im Bauhaus und in München integriert, erklärt Tosatto. 

(APA/dpa)

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