Karate: Alisa Buchinger über neue Weltcup-Saison und fehlende Wertschätzung

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Alisa Buchinger ist Österreichs Karate-Aushängeschild-
Alisa Buchinger ist Österreichs Karate-Aushängeschild- - © APA/DRAXLER
Nach dem Sieg der Karate-Weltmeisterschaft im vergangenen Herbst wurde es ruhig um Alisa Buchinger. Die 24-Jährige gilt als große Medaillenhoffnung für die Olympischen Spiele 2020 in Südkorea. Vor dem Start in die neue Weltcup-Saison spricht Salzburgs Top-Athletin ungewohnt offen über die mangelnde Wertschätzung ihr gegenüber, Mängel in der Sportförderung und warum sie Wettkämpfe mittlerweile etwas entspannter angeht. 




Am 29. Oktober 2016 beendete Buchinger die 22-jährige Durststrecke ohne österreichisches WM-Gold, danach folgte ein Marathon aus Medien- und Sponsorenterminen. “Bis drei Wochen nach der WM ging es terminlich drunter und drüber. Als es danach wieder ruhig wurde, bin ich in ein kleines Tief gefallen”, erzählt die Salzburgerin. Die 24-Jährige hat in der Karate-Szene mit Welt- und Europameistertitel, sowie den mehrfachen Sieg des Gesamt-Weltcups alles erreicht. Doch erstmals stellte sie vieles in Frage: “Ich kannte diese Situation vorher nicht, mit dem WM-Titel habe ich mein ganz großes Ziel erreicht.” Doch trotz allem Erfolg feuert Buchinger im SALZBURG24-Interview richtig los.

“Davon kann kein Profisportler leben”

Österreichs Karate-Star vermisst vor allem die Wertschätzung einiger Politiker, aber auch die Sportförderung hierzulande bekommt ihr Fett weg: “Es wird immer so getan, als würden Sportler in Österreich gut gefördert werden. Aber am Ende bekommst du für einen Turniersieg ein bisschen Geld und vielleicht einen Empfang samt feuchten Händedruck – davon kann kein Profisportler leben.” Weil Karate im Jahr 2020 erstmals olympisch ist, bekommt die Heeressportlerin nun zusätzliche Mittel aus dem Olympia-Fördertopf. Salzburgs Landesrätin Martina Berthold (Grüne) hat die WM in Linz besucht, aus ihrem Büro hieß es auf S24-Anfrage, dass “besonders die kleinen erfolgreichen Sportarten unterstützt werden und nicht nur Fußball bzw. der Skisport im Mittelpunkt stehen” würde.

Heftige Kritik an der Kritik

Wenn es nach dem Schützling von Erfolgscoach Manfred Eppenschwandter ginge, dann würde das zur Verfügung stehende Geld gerecht auf die Dachverbände aufgeteilt werden, die es dann gleichermaßen an die jeweiligen Vereine weiterleiten. “Es muss ein Budget geben, bei dem ein Teil für Wettkämpfe und Co. bezahlt wird und der andere Part wird für Ausrüstung und Infrastruktur hergenommen”, so Buchingers Wunsch, die dabei auch das Konzept des Deutschen Olympischen Sportbunds als Vorbild heranzieht. Auch an der Sportlerschelte von den vergangenen Olympischen Spielen lässt Buchinger kein gutes Haar: “In Rio wurden österreichische Athleten mitunter harsch dafür kritisiert, dass sie keine Medaillen gewannen – jeder regt sich auf, aber keiner gibt konstruktive Vorschläge ab.”

Kein Bus für Salzburgs Karate-Team

Doch die Probleme für wenig beachtete Sportarten, wie Karate, sind hausgemacht. “Wir haben hier in Salzburg nicht einmal einen Vereinsbus, weil es offenbar keinen schert”, kritisiert Buchinger. Oft nehmen Eltern die Strapazen auf sich und fahren Salzburgs Karateka zu Wettkämpfen ins In- und Umland. Auch eine eigene Trainingshalle gibt es für Buchinger und Co. nicht, man muss sich arrangieren: “Mitunter müssen wir uns die Trainingszeiten mit einer Schwangerschaftsgymnastikgruppe teilen.” Dass für die “Kultur in Salzburg haufenweise Geld ausgegeben wird und im Sport reihenweise die finanziellen Mittel versiegen” mache Buchinger fassungslos. “Das sind alles Dinge, mit denen sich ein Profisportler nicht rumschlagen sollte.”

Buchinger im emotionalsten Moment ihrer Karriere. APA/FOTOKERSCHI.AT/DRAXLER Buchinger im emotionalsten Moment ihrer Karriere. APA/FOTOKERSCHI.AT/DRAXLER ©

Buchinger lässt sich nicht alles gefallen

Im Winter konnte Buchinger neue Kraft tanken und das Erlebte verarbeiten. Erstmals war sie nicht im Urlaub, sondern verbrachte ihre spärliche Freizeit mit Familie und Freunden, sowie auf den Skipisten in Radstadt, Obertauern oder am Fanningberg. Außerdem ließ die 24-Jährige sogar Trainingsstunden aus, was vorher nie der Fall gewesen war. “Als Weltmeisterin bin ich endlich in der Position mir nicht mehr alles gefallen lassen zu müssen.”

Olympia ist das große Ziel

Am Wochenende startet Buchinger bei einem Turnier in Slowenien, eine Woche drauf steigt der erste Weltcup (-68 Kilo) in den Niederlanden. “Jetzt bin ich erstmals die Gejagte. Mein Ziel ist es, das Level zu halten und bei Turnieren vorne mit dabei zu sein.” Die Highlights für das Jahr 2017 sind die EM in Frankreich und die World Games in Polen. Erst im kommenden Jahr zählt jeder Weltcup-Punkt für die Olympia-Quali. “Ich gehe jetzt viel gelassener und nicht mehr so verkrampft in Wettkämpfe. Das wird mir sicher helfen”, blickt Buchinger optimistisch nach vorne.

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