“Kasimir und Karoline” als Theater-Experiment in Salzburg

Akt.:
23 Laiendarsteller schlüpfen in die Rollen
23 Laiendarsteller schlüpfen in die Rollen - © APA
“Theater neu definieren”, “Handlungen straffen”, “Figuren eliminieren”, “auf entpersonifizierte Erzählbahnen konzentrieren” – all das war im Vorfeld der Produktion von “Kasimir und Karoline” bei den Salzburger Festspielen zu hören und zu lesen. Zu erleben war der Ödön von Horvath-Klassiker am Freitagabend im Großen Studio des Salzburger Mozarteums vor allem als studentisches Theater-Kollektiv.

Aber der Ansatz war spannend. Die beiden US-amerikanischen Regisseure Abigail Browde und Michael Silverstone von “600 Highwaymen” haben Seh- und Denkgewohnheiten strapaziert und die Blicke auf Horvaths zentrale Figuren breiter gestreut als üblich. Den beiden Hauptfiguren wurden jeweils acht Schauspieler zugewiesen, die das Drama nicht aus der Sicht eines einzelnen Individuums erzählen. Stattdessen werden die Verzweiflungen, Demütigungen, Hoffnungen, Träume und alle anderen Triebfedern jugendlichen Handelns von mehreren Seiten zugänglich gemacht. Dafür braucht es tatsächlich keinen Profi-Schauspieler. Und kein gutes Deutsch. Dafür genügt ein Mensch, der auf einer Bühne halbwegs verständliche Sätze spricht.

Das tun die 23 Laiendarsteller, die zum Teil noch nie Theater gespielt haben, indem sie nicht in die Rolle des “Kasimir”, des “Franz”, der “Erna”, des “Eugen” oder der “Karoline” schlüpfen, sondern erklären, dass sie dies jetzt tun und daher ganz normal reden. Ohne zu versuchen, “schau”zuspielen. Dadurch bleibt der vom Regieteam und Sasa Celecki radikal bearbeitetet Horvath ganz für sich allein.

Aber Horvath hält stand. Die Geschichte ist stark genug. Kasimir ist arbeitslos und verbittert, Karoline will leben und genießen, verlässt ihn, strauchelt und “kehrt zurück mit gebrochenen Flügel, und das Leben geht weiter, als wäre man nie dabei gewesen”. Auf Biertische und alle anderen Oktoberfest-Accessoires des Jahres 1932 hat das Regieteam verzichtet, die Bühne wirkt wie ein völlig schmuckloser Eislaufplatz mit Bande, auf dem die Darsteller von allen Seiten auf- und abtreten. Stark wirksam sind auch die simplen aber kraftvollen Gruppen-Choreografien und die eindrücklichen Klangeffekte von Brandon Wolcott.

Unterm Strich bleibt ein interessantes Theaterprojekt, das – wäre es an der Schauspielklasse des Mozarteums entstanden – enthusiastisch zu loben wäre. Als eine der zentralen Produktionen der Salzburger Festspiele aber ist es ein formales Experiment, mit dem Türen aufgestoßen, wegen der sprachlichen Sperrigkeit und der allzu radikalen Verknappung aber nicht durchschritten werden konnten.

(APA)

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