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Kein kirchenrechtliches Verfahren gegen Salzburger Ex-Domprediger

Gegen Domprediger Peter Hofer wird kein kirchenrechtliches Verfahren eingeleitet. Gegen Domprediger Peter Hofer wird kein kirchenrechtliches Verfahren eingeleitet. - © Wildbild
Nach den von einer Salzburgerin erhobenen Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs wird kein kanonisches Strafverfahren gegen den ehemaligen Salzburger Domprediger Peter Hofer eingeleitet.

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Zu diesem Ergebnis ist jetzt die Glaubenskongregation im Vatikan in Rom gekommen. Die Vorwürfe seien nach geltendem kirchlichen Recht ausführlich untersucht worden, informierte am Donnerstag die Erzdiözese Salzburg.

Hofer kann als Domprediger zurückkehren

Alle Vorhalte seien im Blick auf die einschlägigen Normen gewissenhaft geprüft worden, hieß es. “Unter Berücksichtigung dieses Erkenntnisses entscheidet Erzbischof Alois Kothgasser, dass Peter Hofer mit Beginn der Fastenzeit, also ab Aschermittwoch, 22. Februar, als Pfarrprovisor nach St. Jakob am Thurn zurückkehren kann”, erklärte die Erzdiözese in einer Aussendung.

Hofer bestreitet sexuellen Missbrauch

Der Geistliche und emeritierte Universitätsprofessor Peter Hofer hatte im März 2011 bei einer Pressekonferenz in Salzburg eine sexuelle Beziehung mit der mittlerweile 48-jährigen Frau zwar zugegeben, den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs aber vehement bestritten. Die Salzburgerin hatte zuvor dem Nachrichtenmagazin “profil” geschildert, sie sei von Hofer in den 1980er Jahren, als er die Salzburger Stadtpfarre Nonntal geleitet hatte, mehrfach vergewaltigt worden.

Zu Beginn der Tat sei sie noch nicht volljährig gewesen. Die Rechtfertigung des Geistlichen: Er habe eine intime Beziehung in den Jahren 1985 und 1986 geführt, “als die Frau erwachsen war”, sie aber nie zum Sex gezwungen und ihr nie Gewalt angetan.
Der Fall ist strafrechtlich verjährt. Währenddessen ist auch ein Gutachterstreit in der Causa ausgebrochen.

Die Details

Nach Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe hatte sich Peter Hofer im März 2011 von sämtlichen Funktionen in der Kirche zurückgezogen. Die Erzdiözese Salzburg stellte ihn gleichzeitig vom Dienst frei und ließ gegen ihn ein kirchenrechtliches Vorverfahren im Salzburger Diözesan- und Metropolitangericht abwickeln. Die Akten wurden im Juni zur Glaubenskongregation in den Vatikan geschickt. Warum kein kanonisches Strafverfahren eingeleitet wird, hat die Kirche nicht näher begründet. “Es wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt”, erklärte der Sprecher der Erzdiözese Salzburg, Wolfgang Kumpfmüller.Für den Anwalt des mutmaßlichen Opfers hat die kirchliche Entscheidung “keinen Wert”, wie der Wiener Advokat Nikolaus Bauer am Donnerstag gegenüber der APA sagte. “Weder meine Mandantin noch ich sind von Rom gehört worden.” Die Salzburgerin sei von kirchlicher Seite auch nicht begutachtet worden. Der Anwalt fordert von Hofer einen “Näherungswert” von 30.000 Euro an Therapie und Heilungskosten. Er beruft sich auf das aussagepsychologische Privatgutachten des Innsbrucker Psychologen Salvatore Giacomuzzi, der die Angaben der Frau als glaubwürdig und aussagefähig bezeichnet hatte.

Geld annehmen, JA oder NEIN?

Am Freitag, will sich Bauer mit seiner Mandantin besprechen, ob das geforderte Geld zivilrechtlich eingeklagt wird. Es stelle sich die Frage, ob sie einen Zivilprozess gesundheitlich überhaupt durchsteht. “Ihr geht es gesundheitlich sehr schlecht. Sie ist wegen ihrer Krebserkrankung immer wieder operiert worden und sehr abgemagert.” Die Klasnic-Kommission hat die Salzburgerin bereits als Opfer anerkannt ihr einen Kostenersatz von monatlich 650 Euro für die Therapie und auch eine Schmerzensgeldzahlung zugesichert. Das Kontingent für 100 Therapiestunden laufe aber heuer aus, sagte Bauer. Die Klasnic-Komission könnte die geleisteten Zahlungen von dem “Täter” regressieren.

Peter Hofer (68) hatte stets seine Unschuld beteuert. Zum Beweis dafür veranlasste er im Frühjahr 2011 ein aussagepsychologisches Gutachten über die Glaubhaftigkeit der Frau in ihrem Einvernehmen. Wegen dieser Expertise ist aber ein “Gutachter-Streit” entbrannt, weil Giacomuzzi den Geistlichen belastete. Hofer ließ das Gutachten deshalb von zwei weiteren Gutachtern überprüfen. Die beiden Sachverständigen hätten darin “gravierende Fehler” festgestellt, erklärte Hofers Rechtsanwalt Fritz Müller.

Fehler im Gutachten

“Das Gutachten von Giacomuzzi ist nachweisbar mit unglaublichen und gravierenden Fehlern behaftet und vom Ergebnis her falsch”, betonte Müller. War schon Günter Köhnken vom Institut für Psychologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel zu der Ansicht gekommen, dass die Schlussfolgerungen Giacomuzzis hinsichtlich der Aussagefähigkeit der Frau als auch der Glaubwürdigkeit ihrer Angaben “im günstigsten Fall nicht nachvollziehbar, sehr wahrscheinlich aber falsch” seien, so habe auch der gerichtlich zertifizierte Sachverständige Alexander Gappmaier aus Salzburg “gravierende Fehler” aufgedeckt, sagte der Rechtsanwalt.

“Es wurde eine erhebliche beziehungsweise eindeutige Parteilichkeit seitens dieses Gutachters evident”, zitierte Müller aus Gappmaiers Gutachten. Die Salzburgerin leide an einer Persönlichkeitsstörung, zudem erhärtete sich der Verdacht, dass die Zeugin Opfer einer Psychotherapie-Indoktrination geworden sei. Laut dem Anwalt der Salzburgerin gibt es keinen Grund, an der 104 Seiten langen Expertise zu zweifeln. Giacomuzzi habe mit ihr fünf bis sechs Stunden gesprochen und ein umfangreiches psychologisches Testverfahren durchgeführt, sagte Bauer.(APA)



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