Hohe Kinderbetreuungskosten für Salzburgs Eltern

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Die Kosten für die Betreuung in Salzburgs Kindergärten hinterlassen Spuren in den Geldbörsen der Eltern (Symbolbild).
Die Kosten für die Betreuung in Salzburgs Kindergärten hinterlassen Spuren in den Geldbörsen der Eltern (Symbolbild). - © APA/dpa/Daniel Karmann
Die Kosten für die Kinderbetreuung in Salzburg sind hoch und können für Eltern schnell zur Belastung werden. Im Bundesland gibt es in den Bezirken gravierende Unterschiede bei der Höhe der Elternbeiträge in Kindergärten. Förderungen und Sparmöglichkeiten gibt es dennoch, wir haben sie für euch zusammengefasst.




Seit acht Jahren gibt es ein kostenloses “Pflichtkindergartenjahr“ in Österreich, die Kosten hierfür werden vom Bund getragen. Während in anderen Bundesländern auch die Kosten für die anderen Jahre eines Kindergartenbesuchs zum Teil oder gänzlich von öffentlicher Hand getragen werden, müssen Salzburgs Eltern tief in die Tasche greifen. Das ergab eine Studie der Arbeiterkammer (AK) Salzburg aus dem Jahr 2014. Zahlen aus dem laufenden Jahr sind noch nicht zur Gänze erhoben, teilte Gernot Filipp, Leiter der Landesstatistik, auf SALZBURG24-Anfrage mit.

So viel zahlen Salzburgs Eltern für Ganztagsbetreuung

Insgesamt wurden bei der Studie der AK die Tarife in 498 Kinderbetreuungseinrichtungen im Bundesland Salzburg erhoben, darunter 115 Krabbelgruppen, 102 alterserweiterte Gruppen (aeG), 224 Kindergärten, 38 Schulkindgruppen und 19 Horte. Daraus ergab sich, dass die maximalen Durchschnittspreise für Kinderbetreuung für den Vierteltag 49,38 Euro, für den Halbtag 77,80 Euro und für die Ganztagesbetreuung 138,18 Euro monatlich betragen. Dabei sind Kosten für etwaiges Mittagessen noch nicht einberechnet. Hierfür zahlen Eltern zusätzlich durchschnittlich 57,30 Euro monatlich. Bei etwa der Hälfte der Einrichtungen (52 Prozent) wird ein jährlicher Bastelbeitrag eingehoben, der durchschnittlich 23,55 Euro ausmacht.

Daraus ergab sich, dass Eltern im Bundesland Salzburg für einen Ganztagesplatz in einer Kinderbetreuungseinrichtung durchschnittlich 197,35 Euro aufbringen müssen. Diese Zahlen variieren laut der Studie stark nach Bezirken. Eine exakte Aufstellung der Elternbeiträge in den einzelnen Salzburger Gemeinden ist aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht möglich, wie Filipp bestätigte.

Über 13.000 Kinder in Salzburgs Kindergärten

Im Vorjahr wurden 13.702 Kinder, das sind etwa 93 Prozent aller in Salzburg wohnhaften Drei- bis Sechsjährigen, in einem der 228 Kindergärten im Bundesland betreut. Der Großteil entfällt dabei auf die Stadt Salzburg (3.276 Kinder) und den Flachgau (4.044), wie aus einem aktuellen Bericht der Landesstatistik hervorgeht. Im Tennengau besuchten 1.546 Kids einen Kindergarten. Die Zahlen im Pongau und Pinzgau halten sich in etwa die Waage – 2.218 Kinder im Pongau und 2.168 im Pinzgau. Im Lungau werden lediglich 520 Kinder betreut.

Kindergärten in der Stadt Salzburg am teuersten

Eltern in der Stadt Salzburg bezahlen laut der AK-Studie für einen Halbtagesplatz, hier wird das Kind zwischen elf und 20 Stunden pro Woche im Kindergarten betreut, durchschnittlich 55 Euro monatlich. Nur knapp dahinter liegt der Tennengau: Eltern müssen hier für die Betreuung im Durchschnitt 52 Euro pro Monat löhnen. Während der Flachgau (45 Euro), der Pongau (41 Euro) und der Pinzgau (35 Euro) im Mittelfeld rangieren, kommt die Halbtagesbetreuung im Lungau mit 31 Euro monatlich am günstigsten.

Anders sieht es bei den Kosten für die Ganztagesbetreuung aus. Hier schließt der Lungau mit den anderen Bezirken auf. Lungauer Eltern zahlen demnach durchschnittlich 59 Euro pro Monat für einen Ganztagesplatz im Kindergarten. Die monatlichen Elternbeiträge in den Bezirken variieren hier nur minimal zwischen 57 Euro im Flachgau und 62 Euro im Tennengau. Einzig in der Landeshauptstadt setzen sich die Preise enorm ab, Eltern müssen hier im Monat durchschnittlich 72 Euro für einen Ganztagesplatz aufbringen. Vor allem bei mehreren Kindern in einer Familie summieren sich die Kosten der Kinderbetreuung.

Gratiskindergärten in anderen Bundesländern

Während im Burgenland Eltern für den ganztätigen Kindergartenbesuch ihrer Sprösslinge bis zu 45 Euro monatlich vom Land zurück erstattet bekommen, in Niederösterreich und Tirol für den halbtägigen Besuch, in Oberösterreich für den Ganztagskindergarten und in Wien ab Geburt für den ganztägigen Aufenthalt im Kindergarten anfallen, stiegen in Salzburg die Elternbeiträge, da die Landeszuschüsse im Jahr 2014 halbiert wurden. “Die Halbierung dieser Zuschüsse war von Anfang an ein Fehler, der die Kosten der Kinderbetreuung für die Eltern erhöht“, fordert Niki Solarz, Familiensprecherin der SPÖ.

Kostenfreie Kindergärten für Salzburg gefordert

Auch Walter Steidl, Klubvorsitzender der SPÖ, meldete sich in einer Aussendung am Sonntag zu dem Thema Kinderbetreuungskosten zu Wort und fordert für Salzburgs Kinder ab Herbst 2018 einen halb- und ganztägigen Gratiskindergarten für Kinder ab drei Jahren: “Was unser Nachbar Oberösterreich schafft, werden wir im Sinne unserer Familien auch in Salzburg hinbekommen.”

Der Antrag der SPÖ wurde am Mittwoch im Landtag von ÖVP und den Grünen abgelehnt. “Schade, um die vertane Chance. Insgesamt bin ich mir aber sicher, dass ein Gratiskindergarten kommen wird“, versichert Steidl in einer Aussendung am Donnerstag. Weiters heißt es darin, dass ÖVP und Grüne argumentiert hätten, dass ein Gratiskindergarten zu teuer und somit für das Land nicht finanzierbar wäre.

Zuwachs in Salzburgs Betreuungseinrichtungen

Familienlandesrätin Martina Berthold (Grüne) bestätigt SALZBURG24, dass eine kostenfreie Kinderbetreuung das langfristige Ziel sei. Die Verbesserung in der Kinderbetreuung und -bildung soll in zwei Schritten umgesetzt werden. Zunächst soll die Anzahl der Plätze ausgebaut und der Betreuungsschlüssel weiter angehoben werden.

Gegenüber den Jahren 2011/12 gab es in Salzburgs Kinderbetreuung – Krabbelgruppen, Kindergärten, Horte, schulische Nachmittagsbetreuung und Tageseltern – einen Zuwachs von insgesamt 4.400 Kindern.

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Qualität vor Quantität

“Aktuell verfolgen wir in Salzburg mit Schritt eins den ganztägigen und ganzjährigen Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen in allen Bezirken”, so Berthold. Ein zentrales Anliegen ist für die Landesrätin die Weiterentwicklung der pädagogischen Qualität. “Nicht passieren darf, dass zwar ein kostenloses Angebot zur Verfügung steht, aber pädagogisch fragwürdige und zu wenige Plätze vorhanden sind. Von gut qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern profitieren die Kinder.”

Kostenerleichterung für Eltern

Bis etwaige Forderungen zum Gratis-Kindergarten durchgesetzt sind, gibt es folgende Fördermöglichkeiten, wie das Forum Familie informiert, im Bundesland Salzburg:

  • Familienpaket des Landes Salzburg: Hierbei wird für alle Kinder unter sechs Jahren, die nicht in den Genuss des „Gratis-Halbtagskindergartens“ fallen, 25 Euro pro Monat des Elternbeitrages bei Ganztagsbetreuung und 12,50 Euro monatlich bei Halbtagsbetreuung übernommen. Dieser Betrag wird automatisch vom Träger des Kindergartens verrechnet und vom Elternbeitrag abgezogen.
  • Kinderbetruungsfonds vom Land Salzburg: Anspruchsberechtigt hierfür sind Eltern mit Hauptwohnsitz im Bundesland Salzburg, deren Kinder einen Kindergarten oder eine Tagesmutter besuchen – ausgenommen Kinder im „Pflichtjahr“. Als Berechnungsbasis dient das Einkommen der Eltern, das eine gewisse Höhe nicht überschreiten darf. Bei Alleinerziehenden mit einem Kind beträgt die Einkommensobergrenze 1.287,03 Euro, bei Familien 1.678,73 Euro. Für jedes weitere unversorgte Kind, das im gemeinsamen Haushalt lebt, wird diese Obergrenze um 447,66 Euro erhöht.
  • Pro Kindergartenjahr werden bei einer Betreuungszeit von bis zu 20 Wochenstunden maximal 200 Euro gefördert. Bei einer Betreuungszeit von 21 bis 40 Wochenstunden erhöht sich dieser Betrag auf maximal 350 Euro.
  • Kinderbetreuungsbeihilfe des AMS: Diese kann beim AMS beantragt werden, wenn ein Elternteil arbeitet, auf Jobsuche oder in Umschulung ist. Wichtig hierbei ist, dass der Antrag vor Beginn der Schulung oder des Arbeitsantritts beziehungsweise vor Unterbringung des Kindes gestellt wird. Gefördert werden sechs Monate – eine Verlängerung bis 36 Monate ist möglich – maximal 300 Euro, abhängig vom Einkommen und den Betreuungskosten.
  • Bei der Gruppe Soziales der jeweiligen Bezirkshauptmannschaft können Bezieher der bedarfsorientierten Mindestsicherung Kinderbetreuungskosten bis zur tatsächlichen Höhe der Kosten gewährt werden, wenn die Hilfe suchende Person ihre Kinder auf Grund ihrer Erwerbstätigkeit oder anderer Umstände in einer Betreuungseinrichtung oder von Tageseltern betreuen lässt.
  • Steuerliche Absetzbarkeit: Pro Kind unter zehn Jahren (bei Kindern mit Behinderung bis 16 Jahre) können Eltern bei der Arbeitnehmerveranlagung bis zu 2.300 Euro als „außergewöhnliche Belastung“ absetzen. Alleinerziehende können die Kosten bis zum Ende der Schulpflicht mit Selbstbehalt absetzen. Voraussetzung hierfür ist, dass das Kind in einer institutionellen, öffentlichen oder privaten Kinderbetreuungseinrichtung untergebracht wird oder durch eine pädagogisch qualifizierte Person betreut wird. Auch die Kosten für die Kosten für Ferienbetreuung können im Zuge dessen abgesetzt werden. Ausgenommen sind Fahrtkosten zur Kinderbetreuung, Schulgeld für Privatschulen und Kosten für Nachhilfeunterricht.

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