Kohl-Tod: St. Gilgen am Wolfgangsee trauert

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Kohl mit seiner Gattin Hannelore bei einem Urlaub in St. Gilgen im Jahr 1997.
Kohl mit seiner Gattin Hannelore bei einem Urlaub in St. Gilgen im Jahr 1997. - © APA/Neumayr/Archiv
Im einstigen Urlaubsort von Deutschlands am Freitag verstorbenen Altbundeskanzler Helmut Kohl St. Gilgen am Wolfgangsee in Salzburg hat die Todesnachricht Betroffenheit ausgelöst. “Dr. Kohl war Ehrenbürger von St. Gilgen und der Region überaus verbunden”, sagte Franz Mayrhofer, der Vorsitzende des Tourismusverbandes, der Deutschen Presse-Agentur.


“Über 30 Jahre hat das Ehepaar Helmut und Hannelore Kohl in St. Gilgen seinen Sommerurlaub verbracht und mit vielen Menschen am Wolfgangsee einen liebevollen Kontakt gepflegt.”

Kohl als Dauergast in St. Gilgen

Obwohl Kohl nach dem Tod seiner ersten Frau 2001 nicht mehr nach St. Gilgen kam, sei er ihm, Mayrhofer, weiter freundschaftlich verbunden geblieben. Mayrhofer betreibt im Ort eine Konditorei, die eigens zu Ehren von Helmut Kohl eine “Kanzlertorte” kreiert hat. Am Ufer des Wolfgangsees gibt es auch einen Helmut-Kohl-Park.

Der Kanzler und die Wahlheimat

Wir haben eine umfassende Meldung vom 8. August 1997 herausgesucht. Hier schildert Kohl umfassend, was ihn an seiner Wahlheimat so fasziniert. Bis zum Tod seiner Ehefrau Hannelore im Jahr 2001 verschlug es ihn immer wieder an den Wolfgangsee.

Ein putzmunterer Kanzler: Beim traditionellen Fototermin für das Urlaubsbild am Wolfgangsee präsentiert sich – der am Donnerstag in Börsengerüchten kurzfristig “totgesagte” – Helmut Kohl am Freitag den aus ganz Deutschland angereisten Bildjournalisten in seiner österreichischen Wahlheimat gutgelaunt und bester Dinge: “Heile Natur, heiles Wasser.” ****

Zum 27. Mal macht der mächtige Pfälzer in St. Gilgen Urlaub. Und (fast) alles ist so wie immer. Wieder wohnt er in dem unscheinbaren Häuschen an der Mondseestraße, das die Besitzerin jährlich für ein paar “Kohl-Wochen” räumt. Wieder genießt er die Ruhe direkt am Wasser, den Bilderbuchblick aufs imposante Zwölferhorn und die Ausflüge mit seinem langjährigen Wandergenossen Fritz Reiff. Nur den Marschtacho bindet sich der erfahrene Alpin-Gendarm inzwischen nicht mehr ans Wadl: “Mir wissen jetzt, wie lang unsere Wege san.”

Zum Auftakt des Dauerwahlkampfs, der den Bonner Politikern bis zur Bundestagswahl am 27. September 1998 ins Haus steht, hat Kohl Erholung besonders nötig. Dennoch sind die vier Urlaubswochen bis zur Halbzeit schon zweimal unterbrochen: Ende Juli besuchte der Kanzler erneut die Opfer der Überschwemmungskatastrophe an der Oder. Und Anfang der Woche rief die Steuerdebatte des Bundestags.

Umso mehr genießt er in St. Gilgen die Nahrung für Leib und Seele. “Gleich nach Bonn hat er bei uns neig’schaut”, erzählt die Chefin von der Konditorei Dallmann am Mozartplatz. “Unsere Kanzlertorte war leider schon aus. Aber auch die Vanille-Obers mit Brandteig mag er gern und nachher eine gute Portion Hausmachereis.” Das Feinkosthaus Schwaighofer und die “Weiß- und Schwarzbäckerei Stadler” können sich ebenfalls auf ihren Stammkunden verlassen.

St. Gilgen weiß seinen prominenten Gast inzwischen mehr denn je als Aushängeschild zu schätzen. Denn die Besucherzahlen in der 3.800-Seelen-Gemeinde im Herzen des Salzkammerguts sind dramatisch zurückgegangen: um fast ein Viertel in den letzten fünf Jahren. Vor allem junge Leute fehlen. “Es gibt strikte Order, den Kanzler nicht zu vermarkten”, versichert Kurdirektor Josef Traunwieser. Offizielle Kohl-Termine bleiben deshalb trotz allem tabu.

Die Gäste sind’s zufrieden. “Klar, daß ein so hoher Politiker geschützt wird”, meint eine alte Dame aus Bremen. “Sonst passiert noch was in dieser Terroristenzeit.” Nur im Haus “Sonne” an der Mondseestraße steht am Freitag morgen ein junger Familienvater auf dem Balkon: “Da kommt gleich der Kohl vorbei. Der soll endlich mal einen Abschlag auf den Soli rausrücken.”

Beim Treffen mit den Fotojournalisten bleibt die große Politik “außen vor”. Der “schwarze” Regierungschef flachst nur locker über das grüne Outfit, mit dem seine Frau Hannelore und er zünftig in der malerischen Zinkenbachklamm erscheinen. Geduldig läßt sich Kohl über die Flußkiesel dirigieren, bis die Sonne endlich richtig hinter seinem Kopf steht. “Sieht aus wie ein Heiligenschein”, freut sich ein Fotograf. “Nee, den hab ich sicher nicht”, kontert der Kanzler.

(APA)

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