Kolosseum muss wegen U-Bahn-Bau stabilisiert werden

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Archäologen sehen das Kolosseum in Gefahr
Archäologen sehen das Kolosseum in Gefahr - © APA (AFP)
Es ist das größte Amphitheater der Welt, das Wahrzeichen Italiens und nun wieder einmal Streitthema in Rom: Das Kolosseum sei in Gefahr, warnen die Wächter der archäologischen Stätten in der italienischen Hauptstadt. Hintergrund ist die Ankündigung der neuen Bürgermeisterin Virginia Raggi, die Planungsgesellschaft für den Ausbau der U-Bahn aufzulösen.

Die neue U-Bahn-Linie C wird bis in die Nähe des Kolosseums führen. Damit das antike Bauwerk durch die unterirdischen Bohrungen keinen Schaden nimmt, sollten vier Millionen Euro zur Stabilisierung des Rundbaus bereitgestellt werden. Doch das Geld wurde bisher nicht ausbezahlt und die Hüter der antiken Bauten fürchten, dass es nach der U-Bahn-Entscheidung gar nicht mehr fließen wird.

Baukosten explodieren

Bürgermeisterin Raggi von der Protestbewegung Fünf Sterne will die für den Bau der U-Bahn zuständige Gesellschaft Roma Metropolitana auflösen, weil unter deren Führung die Kosten für die Linie C explodierten. Als die Bauarbeiten 2007 begannen, war mit Kosten in Höhe von 2,2 Milliarden Euro kalkuliert worden, inzwischen ist von 3,7 Milliarden Euro die Rede. “Eine blamable Verschwendung öffentlicher Mittel”, sagt Raggi.

“Indem sie Roma Metropolitana auflöst, lässt uns die Bürgermeisterin ohne einen Ansprechpartner zur Finanzierung der dringend notwendigen Stabilisierung des Kolosseums zurück”, sagt ein Sprecher der für die archäologischen Stätten zuständigen Behörde. “Das Kolosseum kann nicht länger warten”, sagte Behördenchef Francesco Prosperetti italienischen Medien.

Ausbau liegt auf Eis

Er droht, die Bohrungen in der Nähe des Kolosseums zu blockieren. “Als Bürger möchte ich Verzögerungen beim Bau verhindern, aber als Wächter dieses Monuments bleibt mir keine andere Wahl.” Die neue U-Bahn-Linie C sollte den Nordwesten mit dem Südosten der Stadt verbinden. Ein Großteil der Strecke vom Südosten Richtung Zentrum wurde vergangenes Jahr eröffnet. Der Abschnitt, der zum Kolosseum führt, ist noch nicht fertig. Den darüber hinaus geplanten Ausbau Richtung Norden hat die Bürgermeisterin nun auf Eis gelegt.

Erdbeben schaden Kolosseum

Nicht nur wegen der Bohrungen für die U-Bahn-Schächte muss das Kolosseum stabilisiert werden. Auch die Erdbeben in Mittelitalien im August und Oktober haben dem fast 2000 Jahre alten Bauwerk geschadet, so dass ein Teil für Besucher gesperrt werden musste. 6,5 Millionen Touristen sehen sich jedes Jahr das Kolosseum an. Zumindest von außen bietet sich ihnen seit Sommer ein erfreulicher Anblick: Drei Jahre lang wurde die Fassade vom Schmutz der vergangenen Jahrhunderte befreit. 25 Millionen hat diese Renovierung gekostet. Das Geld dafür kam nicht von der Stadt – sondern vom italienischen Schuhkonzern Tod’s.

(APA/AFP)

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