Konrad Lorenz’ Philosophie in Klosterneuburg weitergelebt

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Johannes Jäger leitet das Konrad-Lorenz-Institut
Johannes Jäger leitet das Konrad-Lorenz-Institut
Ob mit Fischen oder Graugänsen, Konrad Lorenz ist vor allem für seine Verhaltensforschung berühmt. “Viel weniger bekannt ist, dass er auch philosophisch aktiv war und etwa ergründen wollte, woher die Fähigkeit kommt, rational zu denken”, so Johannes Jäger vom Konrad Lorenz Institut (KLI) in Klosterneuburg am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Diesen Aspekt seiner Arbeit wolle man weiterführen.


Entstanden sei das Institut aus einer philosophischen Diskussionsrunde in der Lorenz-Villa in Altenberg rund um Konrad Lorenz selbst, der 1973 für seine Arbeiten in der Verhaltensforschung den Medizin Nobelpreis bekam, seinen Schüler Rupert Riedl und Gerd Müller, damals ein Jungforscher, heute theoretischer Biologe an der Universität Wien und Präsident des KLI Vorstandes. Bis heute habe es sich zum modernen “Denkort” entwickelt, wo Natur- und Geisteswissenschafter die theoretischen Probleme der Biologie bearbeiten.

“Wir sind offen für alle Themen der Biologie, die man ohne Labor machen kann”, so Jäger, der dem KLI als wissenschaftlicher Leiter vorsteht. Die aktuell rund zehn internationalen Forscher etwa aus Kolumbien, den USA, Italien und Österreich am Institut erörtern zum Beispiel die kulturelle Evolution von Werkzeugen und den evolutionären Konflikt um den aufrechten Gang, der eine schmale Hüfte erfordert, welche jedoch bei der Geburt problematisch ist.

“Heute ist es schwierig, nicht angewandte Forschung zu finanzieren”, meint Jäger. Da die Mittel des KLI fast ausschließlich aus einer Privatstiftung stammen und es so finanziell unabhängig von Unis, Förderinstitutionen und Universitäten, aber auch der Familie Lorenz ist, könne man solche Forschung hier jedoch unterstützen. “Das ist weltweit wohl einzigartig”, sagte er.

Weil der 1989 verstorbene Konrad Lorenz auch mit den Nationalsozialisten kokettiert hat, wurde ihm vor kurzem etwa von der Universität Salzburg das Ehrendoktorat aberkannt. Für das KLI stünde eine Namensänderung aber nicht zur Debatte, so Jäger. Konrad Lorenz sei wohl eine “sehr komplexe Figur” gewesen. “Umtaufen trägt nichts zur Diskussion bei, so aber haben wir eine interessante Möglichkeit, uns aktiv mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen”, sagte er.

“Das KLI hat bisher schon sehr viel zur Aufarbeitung von Konrad Lorenz Vergangenheit beigetragen”, erklärte Isabella Sarto-Jackson, geschäftsführende Leiterin des Instituts. So seien Publikationen wissenschaftlich und finanziell unterstützt, das Lorenz Archiv aufgearbeitet und Journalisten mit der Familie des Nobelpreisträgers zusammengebracht worden.

Gegründet wurde das Konrad Lorenz Institut nach dem Tod des Nobelpreisträgers von einem Komitee um seinen Schüler Rupert Riedl im Jahr 1990. Es vergibt Stipendien für Arbeiten in den theoretischen Biowissenschaften, vor allem in der Evolutions-, Entwicklungs-, Kognitions-, und Erkenntnistheorie und veranstalten Workshops, Seminare und Vorträge zu diesen Themen.

Im Juni 2015 ist es von der alten Familienvilla ihres Namenspatrons in Altenberg nach Klosterneuburg in den neu gestalteten “Kremsmünsterhof”, ein einstiges Palais, gezogen. Das KLI wird aus einer Privatstiftung finanziert. Im September vergangenen Jahres übernahm der Entwicklungs- und Systembiologe Johannes Jäger die wissenschaftliche Leitung des Instituts. Er hat beim bekannten Schweizer Forscher Walter Gehring an der Universität Basel studiert und zuletzt am Wissenschaftskolleg zu Berlin geforscht sowie am Centre for Genomic Regulation in Barcelona (Spanien).

(S E R V I C E – Internet:)

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