Krise bei kika/Leiner-Mutter Steinhoff spitzt sich zu

Die Krise beim kika/Leiner-Mutterkonzern Steinhoff nimmt immer größere Ausmaße an. Nach einem deftigen Kurssturz bemüht sich die Konzernspitze um Schadensbegrenzung. Um die Investorennerven zu beruhigen, kündigte das Unternehmen Verkäufe von Randbereichen an, die rund eine Milliarde Euro in die Kasse spülen sollen.

Im schwelenden Bilanzskandal hatte der Ikea-Rivale am Vorabend die Notbremse gezogen und sich wegen Unregelmäßigkeiten in den Büchern von seinem Chef Markus Jooste getrennt. Zudem verschob das Unternehmen die Vorlage seiner Jahreszahlen auf unbestimmte Zeit. Der Chef der Afrika-Tochter Star, Ben La Grange, nahm in dieser Funktion ebenfalls seinen Hut – soll aber Finanzchef des Mutterkonzerns bleiben. Es gebe keine Anhaltspunkte für eine Verstrickung des Managers in die Unregelmäßigkeiten, hieß es am Abend.

An der Börse war das Votum der Anleger am Mittwoch klar: Die Aktie brach im elektronischen Xetra-Handel um zeitweise mehr als 70 Prozent ein, am Ende stand ein Minus von gut 63 Prozent auf 1,105 Euro. Zwischenzeitlich war der Kurs unter 1 Euro je Aktie gefallen. Mit dem Kurssturz zur Wochenmitte sackte der Börsenwert von zuvor rund 12,7 Milliarden Euro auf unter 5 Milliarden Euro ab. Steinhoff selbst warnte am Abend erneut, Anleger sollten vorsichtig beim Handel mit Wertpapieren des Konzerns sein. Nachbörslich dämmte der Konzern am Mittwoch die Kursverluste leicht ein.

Aufsichtsratschef und Großaktionär Christo Wiese will den Konzern nun übergangsweise führen. Möglicherweise müssten auch die Zahlen von früheren Jahren geändert werden, hieß es. Die Prüfgesellschaft PwC soll nun eine unabhängige Untersuchung durchführen.

Die geprüften Zahlen für das Ende September abgelaufene Geschäftsjahr will das Unternehmen nun erst veröffentlichen, sobald es dazu in der Lage ist, wie es hieß. Eigentlich war die Zahlenvorlage für Mittwochmorgen vorgesehen. Die Börsenaufsicht in Südafrika prüft mögliche Fälle von Insiderhandel mit Steinhoff-Papieren.

Steinhoff ist in Deutschland vor allem durch seinen Möbeldiscounter Poco bekannt. Der Konzern hat seinen Rechtssitz in Amsterdam und hat sein operatives Hauptquartier in Südafrika.

Steinhoff ist vor allem auch durch Zukäufe wie der französischen Conforama zum Schwergewicht geworden. In den USA hatte der Konzern im vergangenen Jahr den Matratzenhändler Matress Firm zugekauft. Im September brachte Steinhoff seine Afrika-Tochter Star an die Börse. In dieser sind neben Möbel- und Textilketten auch Elektronikhändler, Baustoffmärkte und Finanzdienstleitungen gebündelt.

Im Sommer hatte das “Manager Magazin” im Fall von Steinhoff über Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Oldenburg wegen des Verdachts der Bilanzfälschung berichtet. Bereits daraufhin brach der Aktienkurs ein. Steinhoff hatte die Vorwürfe unredlicher Geschäftspraktiken zurückgewiesen. “Wesentliche Fakten und Vorwürfe sind falsch oder irreführend”, teilte der Konzern Ende August mit. Zudem habe das Unternehmen schon im Jahr 2015 auf Untersuchungen wegen Bilanzfragen hingewiesen.

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hatte bestätigt, dass sie Ermittlungen gegen Manager eines Möbelkonzerns aufgenommen hat. Ermittelt werde gegen “vier aktuelle und ehemalige Verantwortliche eines Konzerns, zu dem unter anderem ein Möbelhandel-Unternehmen in Westerstede gehört, wegen des Verdachts der unrichtigen Darstellung in Bilanzen”. “Hierdurch könnte gegebenenfalls auch der Bilanzwert des Konzerns zu hoch dargestellt worden sein.” Steinhoff hat seine Europa-Zentrale in Westerstede.

Im Fokus der Ermittlungen standen laut Staatsanwaltschaft Verträge über Verkäufe von Firmenanteilen im jeweils dreistelligen Millionenbereich. Im Zuge des Ermittlungsverfahrens sei zudem eine Strafanzeige einer dritten Person wegen des Verdachts der Urkundenfälschung erstattet worden.

(APA/ag,)

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