“Krönung” des Monteverdi-Marathons in Salzburg

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Gardiner brachte Monteverdi zu Gehör
Gardiner brachte Monteverdi zu Gehör - © APA (AFP)
Zum Abschluss die “Krönung”: Mit “L’incoronazione di Poppea” ist John Eliot Gardiners halbszenische Monteverdi-Trilogie bei den Salzburger Festspielen am Samstag vollendet worden. Das begeistert gefeierte Ensemble sorgte an drei Abenden nicht nur für eine intensive Begegnung mit dem vor 450 Jahren geborenen Komponisten, sondern auch mit dem Facettenreichtum historischer Darbietung.

Die English Baroque Soloists machten mit diesem ambitionierten Tourneeprojekt ihrem Ruf als eines der führenden Originalklangensembles alle Ehre, gleiches gilt für den fabelhaften Monteverdi Chor. Und Gardiner darf sich als Zeremonienmeister dieser vielgestaltigen Barockfeierstunden rühmen, sich zur nicht hinterfragbaren Autorität für seinen Lebenskomponisten aufgeschwungen zu haben. Besser kann man diese Musik vermutlich nicht zu Gehör bringen.

Die “Krönung der Poppea” ist sicherlich die Krönung von Monteverdis Opernschaffen. Inhaltlich eine reichlich schlüpfrige Angelegenheit, musikalisch von großer Süße, dramaturgisch auf Spannung getrimmt und mit einem völlig unverdienten Happy End versehen, hat das Werk seinen Platz auf den Opernbühnen über die Jahrhunderte behaupten können. Es lässt sich vortrefflich inszenieren, das ruchlose Zusammensein von Kaiser Nero mit seiner Geliebten, die er unbedingt auf den Thron heben will, eignet sich aber durchaus auch für eine halbszenische Variante.

Vor allem, wenn mit so viel innerer Spielfreude gesungen wird: Als Poppea erfreute – wie zuvor schon als Eurydike und als Minerva – die tschechische Sängerin Hana Blazikova, auch wenn ihr ätherischer Sopran in den dramatischeren Passagen durchaus gefordert war. Die als Soprankastrat konzipierte Rolle des Nerone füllte Kangmin Justin Kim mit eindrucksvoll geschmeidigem Counter. An allen drei Abenden stachen außerdem Anna Dennis, zuletzt als Drusillla, Lucile Richardot, als Penelope und Arnalta, sowie Gianluca Buratto, zuletzt als Seneca, hervor.

Die wirkliche Krönung von Gardiners wunderbarer Unternehmung stand aber eigentlich am Anfang: “L’Orfeo”, die älteste der drei Opern, profitierte von dem unkonventionellen Setting von Musikern, Chor und Sängern als gemeinsame musikantische Truppe am meisten, der folgende, kompliziert gestrickte “Ulisse” wirkte im nicht szenischen Format mitunter holprig und bemüht, die “Poppea” durfte in dieser szenisch schlanken Form ihre großen musikalischen Reize ausspielen.

Aus den ungleichen und unzusammenhängenden Opern hat Gardiner tatsächlich so etwas wie eine Trilogie geflochten. Indem er die gleichen Protagonisten und Choristen in allen drei Stücken einsetzt – mal in einer Haupt-, mal in einer Nebenrolle – macht er die Figuren Monteverdis zu Mitgliedern eines Clans, arbeitet ihre Gemeinsamkeiten und damit die ureigensten Prinzipien in Monteverdis Opernkosmos gut sichtbar heraus.

Das vielleicht auffälligste Prinzip – gerade in der “Poppea” – ist die große Empathie, mit der Monteverdi seinen Charakteren begegnet. Ohne ihren moralischen Status zu bewerten, hilft er ihnen, auch als Frevler, Betrüger, Mörder, begreiflich zu werden und über die Musik ihr Innerstes nach außen zu kehren. Ein anderes ist ein virtuoser, beiläufiger Umgang mit sozialen Gefügen, mit Rang und Stand, sowie mit dem unmittelbaren Zusammenhang von Macht und Politik mit persönlichen Befindlichkeiten und Liebeleien – beides Eigenschaften, die ihn auf einer Ebene mit den großen Dramatikern, allen voran mit seinem Zeitgenossen Shakespeare, verorten.

(APA)

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