Kubas Revolutionsführer Fidel Castro tritt ab

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Fidel Castro regierte die Karibikinsel 47 Jahre lang
Fidel Castro regierte die Karibikinsel 47 Jahre lang - © APA (AFP)
Stille Trauer in Havanna – ausgelassene Freude in Miami: Anhänger und Gegner des früheren kubanischen Präsidenten Fidel Castro haben auf die Nachricht vom Tod des legendären Revolutionsführers ganz unterschiedlich reagiert. In Kubas Hauptstadt Havanna brachen am Samstag ältere Menschen auf der Straße in Tränen aus, in Miami im US-Bundesstaat Florida feierten dagegen Exil-Kubaner den Tod Castros.

Castro, der die sozialistische Karibikinsel 47 Jahre lang regierte, war am Freitagabend im Alter von 90 Jahren gestorben. Mit kubanischen Flaggen, Transparenten und Kerzen hielten Dutzende Studenten an der Universität von Havanna in der Nacht auf Sonntag eine Totenwachse für ihr Idol. Vor der kubanischen Botschaft in Mexiko-Stadt legten die Menschen Blumen nieder. “Hasta siempre, Comandate” (Bis in die Ewigkeit, Kommandant), stand auf einer Karte. In Madrid lieferten sich Anhänger und Gegner Auseinandersetzungen.

US-Präsident Barack Obama versicherte den Kubanern, “dass sie in den Vereinigten Staaten einen Freund und Partner haben”. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon lobte Castros Verdienst um Fortschritte in den Bereichen Bildung, Alphabetisierung und Gesundheit. Selbst Papst Franziskus kondolierte.

Auch aus Russland, dem Iran und zahlreichen Staaten Lateinamerikas kamen Beileidsbekundungen. Fidel Castro sei ein “unbesiegter Gigant” gewesen, sagte der venezolanische Präsident Nicolas Maduro. Diego Maradona, Argentiniens Fußballlegende und enger persönlicher Freund Castros, sagte einfach: “Er war der Größte.”

Der künftige US-Präsident Donald Trump hingegen nannte Castro einen “brutalen Diktator”. Er hoffe, “dass das wunderbare kubanische Volk endlich in der Freiheit leben kann, die es so sehr verdient”, schrieb er in einer Mitteilung. Der Sprecher der Oppositionsgruppe “Plattform Kuba Demokratie Sofort”, Rigoberto Carceller, sagte in Spanien: “Man kann wegen des Todes eines Diktators nicht traurig sein, das ist ein großer Moment für Kuba.”

Castro trotzte während seiner Regierungszeit zehn US-Präsidenten und überlebte zahlreiche Attentatsversuche. Wegen einer schweren Krankheit zog er sich 2006 aus der aktiven Politik zurück.

In Kuba laufen bereits Vorbereitungen für die Trauerfeierlichkeiten. Die Leiche des “Maximo Lider” soll auf Wunsch von Fidel Castro verbrannt werden. Der kubanische Staatsrat ordnete eine neuntägige Staatstrauer an.

Die sterblichen Überreste Castros sollen zunächst am Montag und Dienstag zum monumentalen Denkmal für den Nationalhelden Jose Marti in Havanna gebracht werden. Dort können die Kubaner von ihm Abschied nehmen. In Havanna soll am Dienstag dazu auch eine Massenkundgebung auf dem Revolutionsplatz stattfinden.

Anschließend wird die Urne mit der Asche in einem viertägigen Trauerzug über verschiedene Städte und Ortschaften zur 900 Kilometer von Havanna entfernten Stadt Santiago de Cuba gebracht. Am Sonntag, dem neunten Tag der Staatstrauer, soll Castro dort auf dem Friedhof Santa Ifigenia beigesetzt werden.

Mit einer zunächst kleinen Rebellenarmee forderte Castro Mitte der 1950er-Jahre den mächtigen Diktator Fulgencio Batista heraus. Nach dem Sieg der Revolution trieb er zahlreiche Reformen voran. Bildungs- und Gesundheitswesen in Kuba galten im Vergleich mit anderen Ländern Lateinamerikas lange als beispielhaft. Allerdings war Castro auch ein Diktator, der Oppositionelle unterdrücken und hinrichten ließ. Meinungsfreiheit und Pluralismus gibt es auf der sozialistischen Karibikinsel bis heute nicht.

Mit einer Landreform und der Verstaatlichung von Unternehmen machte sich Castro die USA zum Feind, die die Insel mit einem weitreichenden Handelsembargo belegten. Hilfe fand Kuba bei der Sowjetunion. Der Zusammenbruch des Ostblocks stürzte Kuba nach 1990 in eine schwere Wirtschaftskrise.

Der von seinem Bruder Raul Castro eingeleiteten Annäherung an die USA stand Fidel skeptisch gegenüber, ließ seinen Nachfolger aber gewähren. Nun muss sich zeigen, was der Tod des Hardliners für den Reformprozess in Kuba bedeutet.

Castro war mutiger Rebell und gewiefter Staatsmann, unermüdlicher Marathonredner und brennender Baseballfan – zweifellos verliert die Welt mit ihm einen der schillernsten Politiker des 20. Jahrhunderts.

(APA/dpa)

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